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»Das wäre ein herber Schlag«

Basketball-Bundestrainer Henrik Rödl sucht Spieler für den Olympiasommer

Sowohl in der BBL als auch in der NBA stehen die Playoffs. Die beste Zeit des Jahres, sagen Basketballfans. Beginnt die auch für Sie als Bundestrainer oder hoffen Sie nur, dass sich kein Nationalspieler kurz vor dem Olympiasommer noch verletzt?

Meine aufregendste Zeit startet erst, wenn die Klubsaison endet. Also ja, ich wünsche mir vor allem, dass die Jungs gesund bleiben.

Dennoch beobachten Sie die Ligen genau. Die Ludwigsburger haben eine starke BBL-Saison gespielt. Trotzdem reden viele wieder nur über Alba Berlin und Bayern München. Wer ist Ihr Favorit?

Ich glaube, das kann schon spannend werden. Ludwigsburg hat die Hauptrunde nicht aus Zufall gewonnen. Die Mannschaft ist sehr solide aufgestellt und spielt eine wahnsinnig gute Verteidigung. Die werden ein Wörtchen mitreden. Einen großen Favoriten habe ich aber nicht. Viel wird davon abhängen, ob die Verletzten bei Alba nach dem Pokalfinale wieder fit werden. Auch die Bayern hatten eine lange Saison. Mal sehen, ob sich das hinten heraus bemerkbar macht, oder ob sie es gut kompensieren können. Ich traue aber auch den anderen Mannschaften Überraschungen zu.

In der NBA mussten mehrere deutsche Spieler in der Saison das Team wechseln. Isaiah Hartenstein und Moritz Wagner verpassten dadurch wie auch Daniel Theis die Playoffs, bekamen aber mehr Einsatzzeiten. Aus Ihrer Sicht muss das doch perfekt gelaufen sein. Jetzt sind sie eingespielt und müssten für die Olympiaqualifikation Ende Juni zur Verfügung stehen.

Die Gespräche darüber stehen noch aus. Da hängt viel von der Vertragssituation der Spieler ab. Ich war aber froh, dass Wagner und Hartenstein spielen und zeigen konnten, was sie drauf haben. Theis, Dennis Schröder und Maxi Kleber sind ja längst angekommen in der NBA.

Mit wem müssen Sie jetzt über einen Einsatz im Sommer verhandeln? Mit den Spielern oder deren Klubs, die eine Freigabe erteilen müssten?

Wir haben fünf NBA-Spieler ohne Vertrag über den Sommer hinaus. Mit ihren aktuellen Klubs muss also nicht verhandelt werden, allenfalls mit ihren Agenten, die für die Karriereplanung verantwortlich sind. Im Fall von Maxi Kleber werde ich sicher mit den Dallas Mavericks sprechen. Ab- oder Zusagen kann ich noch von keinem vermelden.

Kleber, Schröder und auch Isaac Bonga stehen mit Dallas, den Los Angeles Lakers und den Washington Wizards in den Playoffs. Speziell Schröder hat oft gesagt, wie gern er bei der Qualifikation und dann bei Olympia in Tokio für Deutschland antreten will. Doch die Playoffs könnten dafür zu lange dauern. Bis in welche Runde dürften die drei einziehen, um überhaupt in Split dabei sein zu können?

Schaffen sie es in die Conference-Finals, also quasi ins Halbfinale der NBA, käme das einem Ausschluss für die Qualifikation gleich.

Die ist in den kommenden Jahren wohl eines der wichtigsten Turniere für den Deutschen Basketball-Bund. Wie frustriert sind Sie, gut einen Monat davor immer noch nicht zu wissen, mit welchen Spielern Sie rechnen dürfen?

Natürlich richten sich die Olympischen Spiele - hoffentlich finden sie statt - nicht nach der NBA. Und die Liga konnte pandemiebedingt erst spät starten, so dass nun auch die Playoffs mit Verzögerung beginnen. Damit musste der gesamte Sport im vergangenen Jahr kämpfen. Das ist eine sehr spezielle Situation, doch in der geht es allen Verbänden gleich, die Nationalspieler in der NBA haben. Ein bisschen Zeit haben wir ja noch, und ich versuche natürlich mein Team zu sortieren, sobald ich Klarheit bekomme. Aber klar ist es gerade keine einfache Aufgabe.

Wäre Olympia denn auch ohne Leute wie Schröder und Kleber erreichbar?

Natürlich hängen unsere Chancen von Spielern wie ihnen ab. Wären sie nicht dabei, wäre das für die Mannschaft ein herber Schlag, das ist klar. Wir werden natürlich weiter alles probieren und hätten auch weiterhin eine Chance. Aber die ist nun mal geringer, sollten solche Leistungsträger fehlen.

Bei der WM 2019 in China war das Team in Bestbesetzung, konnte die Erwartungen beim Vorrundenaus aber nicht erfüllen. Welche Schlüsse wurden daraus gezogen?

Zunächst einmal haben sich die Spieler seit damals weiterentwickelt. Das ist der Vorteil daran, dass wir eine sehr junge Mannschaft haben, die aus traumatischen Situationen noch viel lernen kann. Das Team weiß zudem, dass es gut spielen und aus dieser Erfahrung auch neue Energie ziehen kann. Ich glaube, dass das eine Riesenchance ist, mit einer gewissen Demut neue Situationen anzugehen. Allerdings liegt die WM auch schon wieder knapp zwei Jahre zurück. Ein so großes Thema ist sie heute nicht mehr. Jeder hat sie längst verarbeitet. Wir haben viel geredet und schauen jetzt nur noch nach vorne.

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