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Hugo Simons Erbe für die Zukunft gesichert

In Seelow wird die Gründung einer nach einem jüdischem Bankier und Mäzen benannten Stiftung gefeiert

  • Von Jana Frielinghaus, Seelow
  • Lesedauer: 3 Min.

Das Schweizerhaus in Seelow ist ein historischer Ort, dessen Bedeutung ein Heimatverein vor mehr als zehn Jahren erkannte. Lange war vergessen, dass es samt umliegender Ländereien von 1919 bis 1933 dem jüdischen Bankier Hugo Simon gehörte. Er war ein fortschrittlicher Politiker, Kunstsammler und Mäzen, darüber hinaus ausgebildeter Landwirt. Nach der Machtübertragung an die Nazis floh er mit seiner Familie zunächst nach Frankreich, später nach Brasilien, wo er 1950 starb.

Am Freitag wurde im Beisein von Politikern des Landkreises, Förderern und Mitgliedern des Vereins der Beginn einer neuen Etappe im Ringen um die Wiederbelebung des Areals im Sinne Simons und seiner Nachfahren gefeiert. Denn seit dem 31. Mai ist eine nach Hugo Simon benannte Stiftung Eigentümerin und Verwalterin des Schweizerhauses und von Teilen des ehemaligen Gutsgeländes. Den Stiftungsvorsitz hat Rafael Cardoso übernommen, ein Urenkel Hugo Simons. Vizechefin ist Marion Krüger, die Vorsitzende des Heimatvereins Schweizerhaus Seelow. Dem Engagement Krügers und ihrer Mitstreiter ist es zu verdanken, dass das ehemalige Mustergut dem Vergessen entrissen und freigelegt wurde, und dass das Schweizerhaus selbst heute ein moderner Veranstaltungsort ist (»nd« berichtete).

Darüber hinaus gibt es seit Freitag in der Dauerausstellung zu Leben und Werk Simons ein neues Exponat: Das Fragment einer Großplastik, 1921 von Arthur Storch für das »Porzellanpalais« in Leipzig geschaffen. Seinerzeit hatte Hugo Simon eine von damals vier »Hirscheber«-Skulpturen erworben. Mitglieder des Vereins hatten 2013 bei einer ihrer Aufräumaktionen die Scherben dieses »Hirschebers« gefunden. Nun sind sie von Restauratorinnen wieder zusammengesetzt worden. Neben dem imposanten drachenartigen Kopf mit Geweih fehlen viele weitere Bestandteile. Die Figur stehe nun für die »gebrochene Geschichte« des Ortes und für die »Gebrochenheit deutscher Geschichte insgesamt«, sagte Friedrich-Wilhelm von Rauch, Präsident der Ostdeutschen Sparkassenstiftung, die die Restauration der Skulptur gefördert hat. Gerade in Seelow lägen »Idyll und Inferno« auch räumlich nah beieinander. Wenige hundert Meter vom Schweizerhaus entfernt befindet sich die Gedenkstätte für eine der opferreichsten Schlachten des Zweiten Weltkrieges mit Zehntausenden Toten.

Rafael Cardoso betonte, die Stiftungsgründung sei ein »Meilenstein«. Zugleich aber sei der Akt ein »Grundstein, den wir hier legen«. »Erstmals bin ich nicht als Gast an diesem Ort. Jetzt bin ich Mitgestalter«, sagte der in Brasilien geborene und in den USA aufgewachsene Professor für Kunstgeschichte. Wie Cardoso würdigte auch Uwe Schumacher, Vorstandschef der Sparkasse Märkisch-Oderland, die Begeisterung, mit der die Aktiven des Vereins für den Aufbau dieser besonderen Kultur- und Begegnungsstätte kämpfen. Er erzählte, wie er und andere Banker vor Jahren von Marion Krüger über das Gelände geführt wurden und danach meinten: »Das Engagement der Leute hier ist ja aller Ehren wert - aber werden tut das hier nix. Damit war die Sache für uns erst mal erledigt.« Da habe er aber die Hartnäckigkeit von Krüger und Genossen unterschätzt.

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