Die Macht der Zahnpasta

Dr. Schmidt erklärt Die Welt

  • Von Christof Meueler
  • Lesedauer: 3 Min.
Zahnpasta: Die Macht der Zahnpasta

Ein Leser fragt, warum man beim Zähneputzen unbedingt Zahnpasta benutzen soll. Reicht nicht einfaches Bürsten?

Mit Bürsten kriegt man groben Schmutz weg. Essenreste zum Beispiel. Wenn du in feinere Ritzen kommen willst und auch die Oberfläche sozusagen polieren willst, dann kommst du nicht umhin, etwas zu verwenden, was in den Zahnpasten drin ist: den sogenannten Putzkörper.

Einen Putzkörper?

Ja, fein pulverisiertes Zeug, das fester ist als Nahrungsreste, aber nicht so fest wie die Zahnoberfläche, also der Zahnschmelz. Das ist die freundliche Form von Scheuersand.

Es muss schäumen, oder?

Ja, das ist genau der Punkt. Das Schäumen hängt mit den waschaktiven Substanzen zusammen, also Tensiden, und die haben ja gleichzeitig die Funktion eines Putzmittels. Die sorgen dafür, dass die Inhaltsstoffe der Zahnpasta möglichst dorthin kommen, wo sie gebraucht werden.

Das berühmte Fluor.

Ja, seit den 70ern kommen Fluoride, also Fluorverbindungen, in die Zahnpasta. Sie sollen den Zahnschmelz härten beziehungsweise bei Schäden remineralisieren. In einigen Teilen der Welt, meines Wissens auch in einer DDR-Stadt, gab es auch lokale Trinkwasserfluoridierungen. Das war auch der Aufhänger für den Kubrick-Film »Dr. Seltsam: Oder wie ich lernte, die Bombe zu lieben«. Da zettelt ein US-Luftwaffengeneral den dritten Weltkrieg an, weil er die Kommunisten verdächtigt, dass sie das Trinkwasser in den USA fluoridieren lassen wollen, damit die Fruchtbarkeit der Amerikaner zurückgeht und sie auf diese Weise aussterben. Zu Fluoridierungen gibt es mindestens so viele schöne Verschwörungstheorien wie zu Corona und Impfen.

Weil sie schäumt, ist die Zahnpasta eigentlich eine Zahnseife?

Chemisch nicht. Seife ist ja die Verbindung von Alkaliresten mit einer Fettsäure. Früher verwendete man übrigens ein Zahnpulver.

Das hat man sich auf die Zähne raufgerieben?

Nee, das wurde dann auch mit der Bürste verteilt und enthielt zudem die eine oder andere, wie man sagen würde, waschaktive Substanz. Und kennst du Zahnkreide?

Nein.

Gibt es auch noch. Aus Rügen. Da ist der feine Kreidestaub quasi der Putzkörper. Übrigens war das früher in den meisten Zahnpasten, bis in die 70er Jahre.

Und wie lange soll man Zähne putzen?

Ja, das sind schon ein paar Minuten. Meine elektrische Zahnbürste macht immer eine kurze Pause, wenn ich mit einem Abschnitt vom Gebiss fertig bin.

Aber sie spricht noch nicht mit dir?

Ich fürchte, das kommt auch bald. Zu einigen dieser »intelligenten« elektrischen Zahnbürsten gibt es ja auch irgendwelche Apps. Die könnten dir wahrscheinlich auch noch sagen, dass du jetzt noch nicht fertig bist.

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