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Das Duell der Kollektive

Spanien und die Schweiz haben kaum Stars - aber Erfolg

  • Von Jens Marx, Holger Schmidt und Thomas Eßer, St. Petersburg
  • Lesedauer: 3 Min.

Der Trainer schwer in der Kritik, der Kapitän ein Coronafall, der Mittelstürmer bedroht: Es lief viel schief bei Spaniens Fußballern. Doch binnen zwei Wochen haben sie sich vom Sorgenfall zum Titelkandidaten gewandelt. Das Team des hartnäckigen Trainers Luis Enrique hat Turnierqualitäten gezeigt. »Große Mannschaften werden durch Widrigkeiten geschmiedet«, betont Torwart Unai Simón.

Der Viertelfinalgegner aus der Schweiz soll die jungen Spanier an diesem Freitag in St. Petersburg nun auch nicht mehr aufhalten auf dem Weg ins Wembley-Stadion, wo die Halbfinals und das Endspiel ausgetragen werden. »Es ist am Anfang viel passiert«, betonte Spaniens Verteidigier César Azpilicueta in der Sportzeitung »Marca«. Nicht alles sei so gewesen, wie man es sich vorstelle. »Aber das macht die Lust voranzukommen nur noch größer.«

Die Bilanz spricht für Spanien

Den Vizeweltmeister Kroatien haben die Spanier im Achtelfinale aus dem Turnier befördert und, nach dem 5:0 im letzten Gruppenspiel gegen die Slowakei, mit dem 5:3 auch die letzten Zweifel an der Treffsicherheit der Mannschaft ausgeräumt. Die Bilanz gegen die Schweiz ist bislang ebenfalls blendend: Nur eine Niederlage gab es in 22 Begegnungen. Dass die 2010 zum Auftakt bei der WM passierte, ist nur noch eine Randnotiz, denn die Schweiz schied in der Gruppenphase trotzdem aus - und Spanien wurde Weltmeister.

Während bei den Iberern Kapitän Sergio Busquets - bereits zweimaliger »Man of the Match« und schon vor elf Jahren beim 0:1 in Durban dabei - nach seiner überstandenen Corona-Infektion wieder eine entscheidende Rolle zukommt, muss der Schweizer Kapitän das Viertelfinale als Zuschauer verfolgen: Granit Xhaka fehlt nach zwei gelben Karten gesperrt. Das hinderte ihn nach dem überraschenden Viertelfinaleinzug gegen Weltmeister Frankreich aber nicht daran, davor zu warnen, sein Team erneut abzuschreiben: »Es wurde so viel geschrieben und gesagt über diese Mannschaft. Sie sei arrogant. Friseure, Tattoos, Autos. Ich glaube, wir haben sehr vielen das Maul gestopft.«

Der Offensivmotor läuft heiß

Ohne Xhaka könnte es auf Torhüter Yann Sommer ankommen, den Helden des Elfmeterschießens gegen Frankreich. Zehn Tore haben die Spanier zuletzt in zwei Partien erzielt. 23 Torabschlüsse waren es gegen Kroatien, 17 gegen die Slowakei. Dagegen ließ ihre Defensive nur wenige Gelegenheiten zu. Das ist die Spielidee von Luis Enrique, der sich auch nicht durch Kritik an dem angeblich zu kleinen Kader, an der Nichtnominierung von Spielern von Real Madrid oder durch die Unmutsbekundungen der Fans in Richtung Mittelstürmer Alvaro Morata von seinem Konzept abbringen ließ. Er hielt an Morata fest und setzt im Mittelfeld auf den erst 18-jährigen Pedri, der bislang alle Partien durchgespielt und die drittmeisten Kilometer aller EM-Akteure zurückgelegt hat.

Die ganz großen Namen sucht man bei den Spaniern also vergeblich. Für die Schweizer gilt das natürlich ebenso. Beide Teams zeichnen sich als Kollektive aus. »Sie pressen, sie machen es einem schwer«, betonte Angreifer Ferran Torres die Defensivqualitäten des kommenden Gegners. Die Erinnerungen an zuletzt knappe Partien in der Nations League sind noch sehr präsent. Im Oktober 2020 siegten die Spanier in Madrid 1:0. Einen Monat später rettete Gerard Moreno erst in der 89. Minute ein 1:1 in Basel. dpa/nd

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