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Mit Bass gegen die Klimakrise

Fridays for Future mobilisiert mit Tanz und Musik zum Global Strike

  • Von Louisa Theresa Braun
  • Lesedauer: 4 Min.
Fast 400 Leute tanzten für das Klima auf dem Tempelhofer Feld in Berlin
Fast 400 Leute tanzten für das Klima auf dem Tempelhofer Feld in Berlin

Knapp 400 junge Menschen tanzen ausgelassen zu Techno-Musik auf dem Tempelhofer Feld. »Act now!« und »1,5 Meter für 1,5 Grad« ist auf ihren Schildern und Transparenten zu lesen. Abstand halten und Maske tragen ist hier genauso wichtig wie die Botschaft, die immer wieder laut in die Menge gebrüllt wird: »What do we want? Climate Justice!« An diesem Freitag streiken die Aktivist*innen von Fridays for Future nicht wie üblich im Invalidenpark, sondern haben zur Tanz-Demonstration »Klimakrise wegbassen« auf einer Wiese in der Nähe des S-Bahnhofs Tempelhof mobilisiert. Gerade wurde das Datum für den nächsten globalen Klimastreik bekannt gegeben: der 24. September, zwei Tage vor der diesjährigen Bundestagswahl.

»Wir tanzen uns jetzt warm für das, was bis zu den Wahlen auf uns zukommt. Wir werden nicht lockerlassen, bis die Regierung das 1,5-Grad-Ziel einhält«, sagt Michelle Grunwald von Fridays for Future Berlin. Mit der Tanzdemo soll nicht nur gefeiert, sondern auch ein breiteres Publikum erreicht und politisiert werden. Deshalb wird die Musik immer wieder für Redebeiträge unterbrochen. Unter anderem wirbt die Initiative »Berlin2030 klimaneutral« für ihr Volksbegehren, dass die Hauptstadt in den nächsten neun Jahren klimaneutral wird. Unterstützung bekommt Fridays for Future von »gerade.denken«, einem Kollektiv verschiedener Gruppen der Berliner Techno-Szene, das sich gegründet hat, um in diesem Sommer legale Raves mit Hygienekonzept zu organisieren, die als Demonstration angemeldet werden.

Auch »gerade.denken« geht es nicht nur um die Party, sondern hat, wie der Name schon sagt, ein politisches Anliegen. Die Gruppe richtet sich gegen Querdenken, Verschwörungsideologien sowie jegliche Form von Diskriminierung. »Wir lehnen wissenschaftsfeindliches und esoterisches Denken ab. Das verbindet uns mit Fridays for Future«, erklärt Christian Must, Sprecher von »gerade.denken«. Außerdem will das Kollektiv in Berlin ein Gegenangebot zu den zahlreichen illegalen Raves schaffen, die in der Pandemie oft unter Missachtung der Hygieneregeln gefeiert werden. Insgesamt acht Tanz-Demonstrationen hat das Kollektiv seit Mai auf die Beine gestellt, davon fünf auf dem Tempelhofer Feld.

»Unser Konsens ist, dass Corona eine große Gefahr ist und Feiern mehr Spaß macht, wenn wir uns an Regeln halten«, sagt Mast. Um ausreichend Abstand zwischen den Teilnehmer*innen zu gewährleisten, ist die Tanzfläche mit Flatterband in Rechtecke eingeteilt, in denen sich maximal sieben Personen aufhalten dürfen. Da Maskenpflicht gilt, müssen die Feiernden die Felder zum Trinken oder Rauchen verlassen. Am DJ-Pult leuchtet eine »Corona-Ampel«, je nachdem wie voll es ist, in Grün, Gelb oder Rot - an diesem Nachmittag aber durchgängig grün. »Das Hygienekonzept ist bewährt und hat bislang immer funktioniert. Ich habe einen guten Eindruck von der Demonstration«, sagt Polizeiführer Sebastian Siegert, der bereits andere Raves von »gerade.denken« begleitet hat.

Fridays for Future ist auch der ökologische Fußabdruck der Tanz-Demo wichtig: Das Mischpult, an dem die DJs von Brascon, Skala und Techno Moritz die Klimakrise »wegbassen«, wird nicht über einen Diesel-Generator, sondern über eine Autobatterie betrieben, weil das klimafreundlicher ist. Am Ende helfen viele der Teilnehmer*innen, den Müll einzusammeln, der nicht in den dafür vorgesehenen Büchsen gelandet ist, darunter auch Miriam El Mastaqui. »Ich finde es toll, wie die Leute mit der Natur umgehen. Man spürt diesen Vibe, dass wir alle an dieselbe Sache glauben«, sagt die 24-jährige Berlinerin. »Ich gehe gerne feiern, aber noch mehr Spaß macht es, wenn es wie hier um einen guten Zweck geht«, so El Mastaqui weiter.

Auch Michelle Grunwald ist zufrieden. »Ich hoffe, dass wir viele Menschen mit unserer Botschaft erreicht haben«, sagt die 23-Jährige, die an der Technischen Universität Berlin Erneuerbare Energien studiert. An den kommenden Freitagen bis zur Bundestagswahl will Fridays for Future weiter im Invalidenpark streiken. »Gerade.denken« wird in diesem Sommer noch öfter auf dem Tempelhofer Feld zu finden sein, auch mit anderen politischen Themen. Die Termine werden über Instagram bekannt gegeben.

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