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Schnellschuss

Für Oliver Kern ist die Vergabe der Spiele 2032 an Brisbane verfrüht

  • Von Oliver Kern
  • Lesedauer: 2 Min.

Elf Jahre sind es noch bis 2032. Klar, fast alle Stadien im australischen Brisbane stehen schon. Aber hat uns Corona nicht gezeigt, dass immer irgendetwas dazwischenkommen kann, womit man gar nicht rechnet? Trotzdem - und genau aus diesem Grund - hat das Internationale Olympische Komitee am Mittwoch die Sommerspiele 2032 an Brisbane vergeben. Offiziell gab es keinen anderen Kandidaten. Den wollte das IOC aber auch nie haben.

Die Herren der Ringe agieren wie gebrannte Kinder. Seit vor einigen Jahren reihenweise europäische Favoriten, darunter München, ihr Interesse absagten und das IOC 2015 gezwungen war, die Winterspiele 2022 an Peking zu geben, sucht es händeringend nach Kandidaten, bei denen kaum mit Diskussionen über Menschenrechte, Korruption oder Gigantismus zu rechnen ist. Daher entschied man schon, die beiden Bewerber Paris und Los Angeles in nur einem Verfahren auf 2024 und 2028 zu verteilen. Hauptsache kein Wunschbewerber springt noch mal ab.

Als sich danach Brisbane für 2032 in Stellung brachte, schlug das IOC erneut zu. Es änderte all seine Regeln, stellte nicht mal einen klaren Zeitplan auf und ließ somit andere Kandidaten wie die Rhein-Ruhr-Region oder Madrid so lange im Dunkeln, bis man sich mit Brisbane einig wurde. Danach ging alles ganz schnell: Im Februar kam die Kommissionsempfehlung und jetzt die finale Entscheidung.

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Brisbane mag derzeit tatsächlich der beste Bewerber sein. Ob die australische Metropole das 2032 immer noch sein wird, erfahren wir nie. Etwas mehr Zeit hätte sich das IOC aber schon lassen können, um es herauszufinden, indem es auch andere Kandidaten Konzepte entwickeln lässt. Doch das IOC bevorzugte den Schnellschuss, aus Angst vor der nächsten Enttäuschung. Angst ist jedoch nur selten ein guter Ratgeber. Präsident Thomas Bach hat trotzdem lieber erst mal Ruhe in den Laden gebracht. Wenn die Spiele 2028 und 2032 doch in die Hose gehen, ist er aus dem Schneider, denn dann ist seine Amtszeit längst abgelaufen.

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