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Patrick Moster muss Tokio verlassen

DOSB und BDR verharmlosen die diskriminierenden Aussagen des Sportdirektors, das IOC und der Radsportweltverband handeln

  • Von Alexander Ludewig
  • Lesedauer: 3 Min.

Gerade mal zwei Sätze war dem Bund Deutscher Radfahrer (BDR) am Donnerstag die Mitteilung wert, dass sein Sportdirektor Patrick Moster die Olympischen Sommerspiele verlassen wird. Von müssen war nicht die Rede. Aber genau das galt für den 54-Jährigen, nachdem er am Mittwoch während des Einzelzeitfahrens zwei Radsportler als »Kameltreiber« bezeichnet hatte - Azzedine Lagab aus Algerien und Amanuel Ghebreigzabhier aus Eritrea.

Die Entscheidung, dass Moster von Tokio nach Deutschland fliegt, verkündete der Deutsche Olympische Sportbund als Dachverband. Allerdings erst auf Drängen des Internationalen Olympischen Komitees. Man habe am Donnerstagmorgen schriftlich den Kontakt zur deutschen Delegation aufgenommen, sagte ein IOC-Sprecher dem Sportinformationsdienst und berichtete von einem »brisanten Austausch mit dem DOSB«. Kurz darauf sprach der Radsportweltverband eine vorläufige Suspendierung gegen Moster aus - weil dessen Äußerungen nicht den Anstandsregeln der UCI entsprächen, sie seien diskriminierend und stellten somit eine Verletzung geltender Regularien dar.

Der nette Mensch Moster

Für die Entschuldigung Mosters am Vortag hatte der BDR noch sehr viel weiter ausgeholt und hing an dessen Erklärung sowie den Wortmeldungen von Verbandspräsident Rudolf Scharping und DOSB-Chef Alfons Hörmann noch einen als »Hintergrund« betitelten Absatz an. Dort wird der nette Mensch Moster beschrieben, der mit dem Betreuerstab beispielsweise bei der Einreise nach Tokio den Sportlerinnen und Sportlern aus Eritrea am Flughafen noch mit Wasser ausgeholfen habe.

Die notwendigen Konsequenzen zogen mit dem IOC und der UCI andere. Dabei hätten sowohl der BDR als auch der DOSB ebenfalls die Möglichkeiten dazu gehabt. »Der BDR bekennt sich zu einem humanistisch geprägten Menschenbild«, heißt es in seiner 2019 geänderten Satzung: »Er tritt rassistischen, verfassungs- und fremdenfeindlichen Bestrebungen entschieden entgegen.« Macht er nicht, wenn es wie jetzt darauf ankommt. Stattdessen wollte Verbandschef Scharping seinen Sportdirektor in Tokio behalten - und dessen Entschuldigung sowie »den besonderen Stress« bei Olympia in die spätere Bewertung einbeziehen. Der DOSB hätte nur in seinen eigenen Ethik-Code schauen müssen, um direkt nach den diskriminierenden und rassistischen Äußerungen zu handeln. Aber auch beim Dachverband des deutschen Sports fehlte es am Willen. Und noch schlimmer: Präsident Hörmann, Delegationsleiter des deutschen Olympiateams in Tokio, verharmloste die Äußerung Mosters als »Entgleisung«.

Keine Steuermittel für Rassisten

An diesem Freitag soll es laut BDR ein Gespräch mit Moster über mögliche Sanktionen geben. Ein persönlicher Termin mit einem langjährigen Mitarbeiter, das gehört vielleicht zur »Professionalität« dazu, wie Hörmann meint. Am Ende kann es aber nur eine Entscheidung geben: gegen Moster. Der beschreibt seine Wortwahl selbstredend auch nur als »Entgleisung«, weil seine »Nerven blank« gelegen hätten. Deutliche Worte kamen am Donnerstag von Dagmar Freitag: Dass der Sportdirektor aus Steuermitteln finanziert werde, sei »nach dem rassistischen Ausfall nicht länger akzeptabel«, schrieb die SPD-Politikerin und Vorsitzende des Sportausschusses des Deutschen Bundestages bei Twitter.

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