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Feiern mit dem Schlagmann

Der Achter gewinnt zum Abschluss der Ruderwettbewerbe die zweite deutsche Silbermedaille

  • Von Tom Bachmann und Stefan Tabeling, Tokio
  • Lesedauer: 3 Min.

Als bei den Ruderern des Deutschland-Achters die erste Enttäuschung über das gescheiterte Projekt Olympiagold verflogen war, gab Schlagmann Hannes Ocik noch in der Bucht von Tokio den Partybefehl. »Im Rahmen unserer Möglichkeiten werden wir das Maximum rausholen. Der Rahmen ist das Olympische Dorf und die Abreise ist für übermorgen geplant. Mal gucken, ob uns die Japaner früher nach Hause schicken«, sagte der Rostocker nach der Niederlage gegen den neuen Olympiasieger Neuseeland.

Schwarzes Licht

Das Maximum hatten Ocik und Co. zuvor auch auf der 2000 Meter langen Regattastrecke aus ihren Körpern geholt, als sich das deutsche Boot nach dem Start an die Spitze gesetzt hatte. »Wir sind von vorn am Limit gefahren. Auf der zweiten Hälfte wurde bei mir das Licht schwarz«, sagte Ocik und blickte in die Augen seiner Teamkollegen. »Und ich weiß, wenn es bei mir schwarz ist, ist es bei den anderen schon aus. Da sind wir in einem Bereich, wo wir uns nicht mehr aktiv steuern können. Das passiert alles unterbewusst.«

Bei vollem Bewusstsein genoss das Paradeboot des Deutschen Ruderverbandes (DRV) dann die Siegerehrung. Viele hatten feuchte Augen, als ihnen Steuermann Martin Sauer die Medaillen um den Hals hing. Er war schon 2012 beim Olympiasieg dabei und saß am Sea Forest Waterway zum letzten Mal im Achter. »Es ist zu früh, um nostalgisch zu werden«, sagte der Berliner. »Es war mein letztes Rennen, aber ich bin ja nicht tot. Mein Leben geht weiter.« Ihr Leben in Japan werden Sauer und Co. wohl nicht vermissen. Zu sehr hatten ihnen die Corona-Auflagen bei ihrem fast einmonatigen Aufenthalt zugesetzt. »Wir haben vieles gesehen und doch nichts gesehen«, sagte Ocik.

Seine letzten Olympischen Spiele erlebte auch Ralf Holtmeyer als Bundestrainer. Die Bilanz sieht mit nur zwei Silbermedaillen in Tokio mäßig aus, erstmals seit dem Flop von Peking gab es kein Gold für den DRV. »Ich kann damit leben«, betonte Holtmeyer. Der 65-Jährige wies dabei auf die schwierigen Bedingungen vom Mittwoch und Donnerstag hin, die dem Doppelvierer der Frauen und Goldkandidat Oliver Zeidler im Einer die Medaillen kosteten. »Dass wir aber nur sieben Boote qualifiziert hatten, ist zu wenig. Es hätten neun oder zehn sein müssen.«

Falsches Denken

Der scheidende Bundestrainer kritisierte vor allem Denkweisen im deutschen Rudern. »Man will Vereinsboote zu Olympia schicken. Aber wer macht das denn noch? Neuseeland und Großbritannien zentralisieren und bei uns soll es noch so laufen wie vor 60 Jahren«, sagte Holtmeyer. Er hoffe, dass es vor allem in der Trainerausbildung ein Umdenken geben werde. »Die Gesellschaft lebt vom Wechselspiel der Generationen. Das haben wir nicht.«

So blieben die zweiten Plätze des Achters sowie des Leichtgewichts-Doppelzweiers mit Jonathan Rommelmann und Jason Osborne. Vor allem die verpasste Medaille von Zeidler, der im Halbfinale gescheitert war, hatte der DRV nicht auf dem Zettel. Zeidler selbst ohnehin nicht, der noch am Freitag nach seinem Sieg im B-Finale sehr mitgenommen wirkte und im Zielbereich weinte. »Das dauert, bis ich das verkraftet habe«, sagte der 25-Jährige und kündigte aber gleich die Fortsetzung seiner Karriere an: »Ich will auf jeden Fall weitermachen.«dpa/nd

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