Genaue Impfquote soll ermittelt werden

Bei der Zahl der Erstimpfungen gab es zuletzt Unklarheiten. Die will das Robert-Koch-Institut nun beseitigen

  • Markus Drescher
  • Lesedauer: 3 Min.

Wie geht es weiter mit der Pandemie? Wird es vermehrt gelingen, bisher Ungeimpfte von einer Impfung zu überzeugen? Wie heftig wird eine mögliche vierte Welle? Wird es einen neuen Lockdown geben? Fragen gibt es auch nach eineinhalb Jahren Coronakrise nach wie vor zuhauf.

Was letztere betrifft, zeigen sich die Bundesbürger bei der Beantwortung gespalten. Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag von RTL und ntv glauben 41 Prozent der Befragten, dass es im Herbst einen neuen Lockdown mit Kontakt- und Zugangsbeschränkungen für alle geben wird. 50 Prozent hingegen glauben nicht, dass es erneut zu einer solchen Maßnahme kommen wird. Trotz der Beteuerungen aus der Politik also, dass es keinen so weitreichenden Lockdown wie in den vorangegangenen Coronawellen geben werde, sind offenbar viele Menschen skeptisch, dass diese Versprechen auch eingehalten werden beziehungsweise eingehalten werden können. Ähnlich verteilt ist die Meinung bei der Frage nach Zugangsbeschränkungen für Ungeimpfte etwa zu Restaurants. 53 Prozent der Befragten halten es demnach für richtig, dass zu solchen Einrichtungen nur noch vollständig Geimpfte beziehungsweise Genesene Zutritt hätten. 44 Prozent sprachen sich dagegen aus.

Wie viele Menschen von solchen Regelungen, die das Leben für Ungeimpfte ja durchaus in erheblichem Maße einschränken würden, derzeit tatsächlich betroffen sein könnten, ist dabei unklar. Denn laut Robert-Koch-Institut (RKI) liegen zur Quote der einmalig Geimpften unterschiedliche Daten vor. Demnach gibt es eine Diskrepanz zwischen den Meldungen im sogenannten Digitalen Impfquotenmonitoring (DIM), die von Impfzentren, Krankenhäusern, mobilen Impfteams, niedergelassenen Ärzten sowie Betriebsmedizinern kommen, und den Ergebnissen der RKI-Erhebung Covimo, für die Impfquoten anhand von Befragungen hochgerechnet werden. Bei der jüngsten Covimo-Befragung von Ende Juni bis Mitte Juli unter rund 1000 Erwachsenen fiel demnach die Quote der mindestens einmal Geimpften »um einiges höher« aus - vor allem in der Altersgruppe der 18- bis 59-Jährigen - als beim DIM. Dort habe die Quote 59 Prozent betragen, während es bei Covimo 79 Prozent gewesen seien.

Um nun ein deutlicheres Bild der Situation bei den Erstimpfungen zu erhalten, werden weitere Umfragen geplant, teilte das RKI am Donnerstag mit. Unter anderem sollen im frühen Herbst etwa 3000 Menschen zu Impfbereitschaft und Akzeptanz befragt werden.

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Während beim Fortgang der Impfkampagne also eine gewisse Unklarheit herrscht, ist bei der Frage des Infektionsgeschehens klar, dass die Zahlen unaufhörlich steigen. Nach RKI-Angaben von Donnerstagmorgen meldeten die Gesundheitsämter in Deutschland binnen eines Tages 5638 Corona-Neuinfektionen, vor einer Woche waren es 3539. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz lag demnach bei 27,6. Vor einer Woche hatte diese noch bei 19,4 gelegen. Seit einiger Zeit ist es allerdings umstritten, wie aussagekräftig die Inzidenzen zur Lagebeurteilung tatsächlich sind. Deshalb sollen dafür künftig auch Werte wie Krankenhauseinweisungen stärker berücksichtigt werden.

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Völlig unabhängig von der Inzidenz macht sich zum Beispiel Baden-Württemberg. Dort werde die Sieben-Tage-Inzidenz in der neuen Corona-Verordnung, die am kommenden Montag in Kraft treten soll, nicht mehr als ordnungspolitisches Instrument auftauchen, hatte das Gesundheitsministerium am Mittwoch in Stuttgart mitgeteilt. Bei kulturellen Veranstaltungen im Innenbereich sowie in Clubs und Diskotheken soll es zudem keine Personenobergrenze mehr geben. Diese Einrichtungen könnten für geimpfte, genesene oder PCR-getestete Personen unter Vollauslastung öffnen. Bei der Innengastronomie, bei Friseuren und körpernahen Dienstleistern soll hingegen ein Antigenschnelltest ausreichen.

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