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  • Der 1. FC Union im dritten Bundesligajahr

Mit Mut und Risiko

Start ins dritte Bundesligajahr: Undenkbares, Unglaubliches und Umstrittenes beim 1. FC Union

  • Von Alexander Ludewig
  • Lesedauer: 4 Min.

Beim 1. FC Union ist derzeit einiges anders. An diesem Sonnabend startet der Berliner Bundesligist gegen Bayer Leverkusen in die neue Saison. Einen Tag zuvor teilte der Verein mit, dass für dieses Spiel noch Karten zu haben seien. Und das, obwohl nach den neuen Regeln mit einer 50-prozentigen Auslastung der Stadien nur 11 000 Zuschauer dabei sein dürfen. Ab Freitag konnten dann auch Fans ohne Mitgliedsausweis Tickets kaufen - nachdem Dauerkarteninhaber und Vereinsmitglieder das Kontingent nicht ausgeschöpft hatten. Undenkbar in der Zeit vor Corona.

Bislang ebenso Unvorstellbares für Unioner wird sich in knapp zwei Wochen ereignen: ein Heimspiel des Köpenicker Klubs im Berliner Olympiastadion. Und danach vielleicht noch ein paar mehr im Heimstadion des Stadtrivalen Hertha BSC. Am 26. August empfängt der 1. FC Union zum Qualifikationsrückspiel in der Conference League die Finnen von Kuopio PS. Sieben Tage vorher treffen beide Teams im Olympiastadion von Helsinki aufeinander. Sollten die Berliner in der Summe beider Duelle siegreich sein, folgen weitere Spiele in dem neuen Wettbewerb des europäischen Fußballverbandes Uefa. Die Entscheidung des Vereins zum Umzug in das ungeliebte Hertha-Stadion war keinesfalls alternativlos - und ist deshalb in Fankreisen auch umstritten. Um das Risiko einer größeren Auseinandersetzung zu minimieren, teilte Vereinspräsident Dirk Zingler den Mitgliedern Ende Juni mit: »Sollten aus pandemischen Gründen keine oder nur wenige Zuschauer zugelassen werden, bestreiten wir diese Spiele im Stadion An der Alten Försterei.« Es kam anders. Wegen des Stehplatzverbotes der Uefa und der dadurch bedingten Zulassung nur sehr weniger Zuschauer im eigenen Stadion gingen die Köpenicker den pragmatischen Schritt nach Charlottenburg.

Überraschendes hatten zuletzt vor allem die Fußballer des 1. FC Union gezeigt. Dem Klassenerhalt folgte im zweiten Bundesligajahr mit Platz sieben die Qualifikation für Europa. Jetzt, vor der dritten Saison in der deutschen Eliteklasse, bleibt das vorrangige Ziel, den Abstieg ein weiteres Mal zu verhindern. Aus den Worten des Trainers Urs Fischer hört man neben vernünftiger Zurückhaltung aber auch gewachsenes Selbstvertrauen heraus. »Ich glaube schon, dass du nur erfolgreich sein kannst mit einer gewissen Zuversicht und mit Mut. Das heißt aber nicht, dass wir den Boden unter den Füßen verlieren. So weit sind wir noch nicht, dass wir die Favoritenrolle ausrufen, wenn wir gegen Leverkusen spielen«, sagte der Schweizer vor der Auftaktpartie. Eine seiner größten Herausforderungen der vergangenen Wochen beschäftigt Fischer noch immer: »Zwölf neue Spieler zu integrieren, da ist noch Luft nach oben, das ist das Hauptthema.«

Beim Blick auf den Transfermarkt ist Unglaubliches zu entdecken. Erwartbar waren die Auswirkungen der Pandemie. Bei insgesamt rund 400 Spielerwechseln der 18 Bundesligisten standen am Freitagnachmittag fast 50 Millionen Euro als Überschuss zu Buche. Das gab es zuletzt vor sechs Jahren, die Regel waren satte Mehrausgaben, auch im dreistelligen Millionenbereich. Der 1. FC Union gehöre nach Auskunft von Manager Oliver Ruhnert weiterhin zu den Vereinen, die - gemessen an den finanziellen Möglichkeiten - in dieser Liga um das Überleben kämpfen würden. Vor dieser Saison gehören die Berliner zu den fünf Bundesligisten, die einen Verlust auf dem Transfermarkt erwirtschaftet haben. Mit einem Minus von mehr als elf Millionen Euro rangiert Union damit hinter den Champions-League-Startern FC Bayern München und VfL Wolfsburg sowie Borussia Mönchengladbach auf Rang vier.

»Wir haben viel mehr Potenzial auf der Habenseite als Risiko auf der anderen«, meint Ruhnert und erklärt damit den Wechsel des Stürmers Taiwo Awoniyi vom FC Liverpool nach Köpenick. Der 23-jährige Nigerianer ist mit geschätzten 6,5 Millionen Euro der teuerste Neuzugang der Vereinsgeschichte. Damit löste er Linksverteidiger Tymoteusz Puchacz ab. Der polnische Nationalspieler wurde in diesem Sommer für 3,5 Millionen kurz vor Awoniyi verpflichtet. Damit stößt Union zweifelsfrei in neue Dimensionen vor. Bislang gingen Ruhnerts Rechnungen immer auf, für seine bisherige Kaderplanung in Berlin bekam er viel Lob aus der Branche. Bedenken und Angst vor Konsequenzen eines möglichen Scheiterns tritt er entschlossen entgegen: »Wir sind auf alles vorbereitet.«

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