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Eisern nach Europa

Union besiegt Leipzig mit 2:1 und spielt in der Conference League

  • Von Alexander Ludewig
  • Lesedauer: 3 Min.

»Habt ihr noch mehr Stufen?« Robin Knoche war die Anstrengung anzusehen, als er die Haupttribüne der Alten Försterei hoch stapfte. 90 harte Minuten hatte der Verteidiger in seinen Beinen. Die letzten Meter zu Freunden und Familie aber legte er mit einem Lächeln zurück. Oben angekommen, holte sich der 29-Jährige den verdienten Lohn für die Arbeit unten auf dem Platz ab - im Spiel gegen RB Leipzig und in der gesamten Saison. Mit dem 1. FC Union hatte Knoche nach dem 2:1-Sieg gegen den Vizemeister Platz sieben verteidigt und damit die Teilnahme an der Conference League erspielt. So wurde der Sonnabend in Köpenick zu einem Freudenfest: wilde Jubelschreie, nicht wenige Tränen und Umarmungen überall.

In ihrem zweiten Bundesligajahr haben die Berliner den Sprung auf die europäische Fußballbühne geschafft. Dass dies letztlich mit einem Erfolg über den ungeliebten Konkurrenten aus Leipzig gelang, verschafft dem einen oder anderen vielleicht noch etwas mehr Genugtuung. Es spiegelt aber vor allem die erstaunliche Entwicklung des 1. FC Union wieder. Vor kaum zwei Jahren war RB der Gegner im ersten Bundesligaspiel der Vereinsgeschichte. 0:4 hieß es damals, gefeiert wurde trotzdem. Jetzt gelang im vierten Erstligaspiel der erste Sieg gegen die Leipziger - und das nach einem Rückstand. Justin Kluivert hatte RB nach 55 Minuten in Führung gebracht, Marvin Friedrich glich zwölf Minuten später aus. Und in der zweiten Minute der Nachspielzeit war es Max Kruse, der mit einem platzierten Kopfball zum 2:1-Endstand traf.

Überwältigt von seinen Emotionen war danach auch Dirk Zingler. Als »Fußballmärchen« sieht Unions Präsident den vorläufigen Höhepunkt jedoch nicht. Der Außergewöhnlichkeit ist er sich aber bewusst. Zingler nennt es ein »Wunder«. Weil er die tägliche Arbeit erlebe, die jeder im Verein leiste. Und drum herum. Eisern nach Europa: Den Zusammenhalt brachten am Sonnabend die Fans am deutlichsten zum Ausdruck, 2000 durften mit Negativtest erstmals seit sieben Monaten wieder ins Stadion, nahezu ebenso viele hatten sich rund um die Alte Försterei versammelt. Das führte zu Wechselgesängen, die im Wald angestimmt und von den Tribünen beantwortet wurden.

Treu blieb sich die Anhängerschaft auch diesmal - in der ersten Viertelstunde wurde geschwiegen, aus Protest gegen das Red-Bull-Konstrukt aus Leipzig. Am Ende feierten die Unioner alle zusammen: Team, Trainer und Betreuer auf dem Balkon der Haupttribüne sowie rund 4000 Fans, nicht immer mit Abstand und Maske, davor auf dem Parkplatz. »Uns war klar, dass es diese Bilder geben wird«, sagte Zingler später: »Wir haben uns bemüht, sie zu organisieren. Zu vermeiden sind sie nicht. Jetzt werden wir auch die Folgen zu tragen haben.«

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Das Wichtigste, das betont Dirk Zingler immer wieder, ist der sportliche Erfolg der Profimannschaft, als Motor für alle anderen Entwicklungen im Verein. Die Bilanz dieser Saison ist beeindruckend: weniger Gegentore als der Meister aus München, weniger Niederlagen als der Dritte Dortmund und nach dem Sieg gegen Leipzig 16 Heimspiele in Folge ungeschlagen. Aufstieg, Klassenerhalt, Europa: Trainer Urs Fischer hat Spieler und Mannschaft beständig besser gemacht und jeweils auch erfolgreich Taktik und System an die jeweiligen Herausforderungen angeglichen. Dass Union Fußball wirklich spielt, also über Pass- und Kombinationsspiel den Erfolg sucht und findet, daran war in der zweiten Liga nicht zu denken. Auch in der ersten Bundesligasaison hatten sich die Berliner noch mit eher einfacheren Mitteln behauptet.

Jetzt könnte Fischer noch wichtiger werden, denn die Herausforderungen, die der Erfolg mit sich bringt, sind für fast alle bei Union neu. Der Schweizer hingegen kennt die Tücken der Doppelbelastung: mit dem FC Zürich, dem FC Thun und dem FC Basel spielte er in der Europa und Champions League.

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