Hat das Universum einen Sinn?

DR. SCHMIDT ERKLÄRT DIE WELT

  • Christof Meueler
  • Lesedauer: 3 Min.
Hat das Universum einen Sinn?

Vor Kurzem ist der US-Physiker Steven Weinberg im Alter von 88 Jahren gestorben. Warum war der so wichtig?

Hauptsächlich deswegen, weil er mit seinem pakistanischen Kollegen Abdus Salam in den 60er Jahren eine Theorie entwickelte, die es erlaubt hat, auf dem Weg zu einer einheitlichen Erklärung vieler physikalischer Phänomene voranzukommen. Die beiden haben den Elektromagnetismus, der ja schon etwas länger bekannt ist, mit der sogenannten schwachen Wechselwirkung vereinigt.

Elektromagnetismus okay, aber was ist die schwache Wechselwirkung?

Früher hätte man das eine Kraft genannt, die innerhalb der Elementarteilchen des Atomkerns wirkt und unter anderem dafür verantwortlich ist, dass Atomkerne unter Abgabe von Elektronen, sogenannten Betastrahlen, zerfallen. Und offenkundig ist diese schwache Wechselwirkung auch beteiligt daran, dass uns die Fusion von Wasserstoff zu Helium in der Sonne zur nötigen Heizung verhilft.

Und was ist der entscheidende Punkt?

Dass die Physik nicht mehr anschaulich ist, seit es nicht nur feste Körper mit durch die Newton’sche Physik gut beschreibbaren Eigenschaften gibt, sondern all diese Elementarteilchen, Quanten und den radioaktiven Zerfall. Da fehlte den Physikern plötzlich eine gemeinsame Theorie.

Und Weinberg hat die geschaffen?

Weinberg und Salam haben zumindest erst mal den Elektromagnetismus und eben diese schwachen Wechselwirkungen in ein mathematisches System gebracht. Andere haben später noch den Rest in eine einheitliche Theorie integriert - nur die Gravitation passt immer noch nicht rein.

Weinberg hat mal gesagt, je begreiflicher das Universum wird, desto sinnloser erscheint es uns.

Kann man so sehen. Andererseits steckt dahinter natürlich eine Grundfrage, wo ich sowieso ein bisschen skeptisch bin. Die Frage, ob das Universum überhaupt einen Sinn haben kann. Sinn ist schließlich nur eine menschliche Kategorie in der Betrachtung der Dinge. Es gab zig philosophische Denksysteme, mehr oder minder religiös ausgeprägt, die einen teleologischen Ansatz hatten, also davon ausgingen, dass alles um eines bestimmten Zwecks willen passiert. Also dass die Rinder dazu da sind, gegessen oder gemolken zu werden. Aber das ist Blödsinn, die sind einfach da, und die haben sich so entwickelt. Genau wie wir. Und auch wir sind einfach nur da und müssen sehen, dass wir dem Leben einen Sinn geben. Und mancher braucht dazu halt ein höheres Wesen.

Manche Menschen fahren nach Indien und wollen unbedingt ihr Inneres kennenlernen, und dann erschrecken sie, dass da gar nichts ist. Oder nicht so viel, wie sie dachten.

Na, die eigentliche Kunst der Meditation ist, glaube ich, sich dem Nichts zu stellen und damit klarzukommen. Und wenn du damit klarkommst, kommst du mit allem anderen auch klar.

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