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Aus der Grube auf die Piste

Klimacamp Leipziger Land setzt sich mit Flughafen auseinander – als Lärmquelle und Globalisierungssymbol

  • Von Hendrik Lasch
  • Lesedauer: 3 Min.

Der Titel klingt rätselhaft: Über die »Kohlegrube der Mobilitätswende« soll am Montag auf einem Podium im Klimacamp Leipziger Land gesprochen werden. Das Camp findet seit 2018 zum vierten Mal statt; bei den bisherigen Auflagen widmete es sich vor allem der Bedrohung des Klimas durch den Ausstoß von Treibhausgasen. Die zeigt sich im Süden von Leipzig an einem markanten »Ort der Zerstörung«, wie es im Programm des Camps heißt: einem Kohletagebau, der nicht nur das Klima, sondern auch das Dorf Pödelwitz bedrohte. Die Mondlandschaft einer Kohlegrube ist ein prägnantes Symbol.

Wenn es um Mobilität geht, sind die »Orte der Zerstörung« womöglich weniger markant. Es sind Wälder wie der »Danni« in Hessen, durch den eine Autobahn gebaut werden soll, aber auch Messen wie die IAA in München, auf der neue Spritschleudern vorgestellt werden. Ein Symbol für den Irrsinn des Verkehrs ist auch der Flughafen Leipzig-Halle, an dem Nacht für Nacht Hunderte Frachtflugzeuge starten und landen, um die Lieferketten der globalisierten Wirtschaft in Gang zu halten. Diesem Verkehrsdrehkreuz widmet sich das Klimacamp, nachdem die Bedrohung von Pödelwitz mit dem deutschen Kohleausstieg und dem sächsischen Koalitionsvertrag von 2019 abgewendet wurde.

Auf zahlreichen Podien, in Workshops, Kursen und Aktionen konzentriert sich das Camp dabei nicht nur auf einzelne Facetten wie die Rolle des Flughafens als »Klimasünder« oder als Quelle von enormem nächtlichem Lärm, der kürzlich Tausende Bürger bewog, eine Petition gegen den geplanten weiteren Ausbau zu unterschreiben. Thematisiert wird auch die Rolle des Flughafens als Ausgangspunkt von Abschiebungen, bei denen Menschen in Länder zurückgeschickt werden, aus denen sie nicht zuletzt vor Folgen der Klimakrise geflohen sind. Kritisch hinterfragt wird zudem, welche Art von Waren an dem Frachtdrehkreuz von DHL & Co. umgeschlagen und unter welchen Bedingungen sie produziert werden. Der Airport sei Sinnbild eines »ausbeuterischen, kapitalistischen Systems, dem wir uns entgegen stellen«, heißt es in einem vorab veröffentlichten Forderungskatalog des Camps.

Organisiert wird es von einer Vielzahl von Aktivisten und Gruppen, zu denen neben der Initiative »Pro Pödelwitz« oder dem Netzwerk »Alle Dörfer bleiben« erstmals auch die Gruppe »Am Boden bleiben« gehört, die sich kritisch mit Flugverkehr auseinandersetzt. Etablierte Umweltverbände spielen dagegen keine Rolle. Dem basisdemokratischen Kreis der Organisatoren gehörten 30 Menschen an, sagt Maja Schmidt, Sprecherin des Camps; finanziert werde dieses vor allem aus Kleinspenden. Generell kann sich dort jeder praktisch und inhaltlich beteiligen, etwa mit eigenen Kursen und Workshops. Man freue sich auf ein »gutes Miteinander«, heißt es in einem Aufruf: »gemeinsam kochen, zelten, Pläne schmieden, empowern, Utopien leben & die Trockentoiletten putzen«.

Die Teilnehmerzahl in dem Camp, das am Ufer des Störmthaler Sees südlich von Leipzig stattfindet, wurde aus Pandemiegründen begrenzt; waren nach Pödelwitz 2018 und 2019 je fast 1000 Menschen gekommen, sollen es diesmal nur 500 sein. Schmidt betont, es gebe noch freie Plätze. Die Organisatoren setzen auf regelmäßige Tests selbst für Geimpfte, um eine Verbreitung des Coronavirus zu verhindern: »Wir wollen ein sicheres Camp.« Wenn es das Wetter zulässt, finden viele Veranstaltungen ohnehin traditionell im Freien statt. Am 4. September plane man zudem »bunte und kreative« Aktionen in der Stadt und in der Nähe des Flughafens – ähnlich einer Tanzdemo vor dem Kohlekraftwerk, die 2019 für Aufsehen sorgte.

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