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Auf die Straßen gegen die Autolobby

Olaf Bandt findet, dass Protest gegen die Internationale Automobilausstellung dringend nötig ist

  • Von Olaf Bandt
  • Lesedauer: 4 Min.

Überschwemmungen hier, Dürren und Waldbrände dort. Dieser Sommer zeigt: Die Klimakatastrophe hat längst begonnen. Trotzdem tut die Politik viel zu wenig, um die Folgen zumindest abzumildern. Das fällt unter anderem im Bereich Mobilität auf: Zahl, Größe und Gewicht der Autos steigen beständig. Immer größere Gütermengen werden mit dem Lkw transportiert. Kurz vor der Wahl versucht der Bundesverkehrsminister, mit der Schiene zu punkten. Der Sektor wurde über Jahrzehnte systematisch zusammengespart. Aber es ist nun mal Wahlkampf. Da heiligt der Zweck die fragwürdigen Mittel.

Trotz all der blumigen Ankündigungen sind die in Aussicht gestellten Fördersummen für den Schienenverkehr noch immer lächerlich gering im Vergleich zu den Milliarden an Steuergeldern, die in die Förderung des Autoverkehrs fließen. Dienstwagenprivileg, Steuerverzicht bei Dieselkraftstoff, eine Pendlerpauschale ohne Nutzen für Geringverdienende, Milliarden für zusätzliche Autobahnen. Und relativ neu: massive Kaufbeihilfen für Elektroautos und Plug-in-Hybride.

Diese bei weitem nicht vollständige Aufzählung offenbart den Systemfehler. Anstatt die Menschen mobil zu machen, den öffentlichen Verkehr in städtischen und vor allem in ländlichen Gebieten zu fördern, Alternativen zum eigenen Pkw zu schaffen, wird die in weiten Teilen des Landes bestehende Abhängigkeit vom Auto regelrecht zementiert.

Anfang September findet die Internationale Automobilausstellung (IAA) erstmals in München statt. Der BUND und eine Reihe anderer Organisationen nehmen sie zum Anlass, um kurz vor der Bundestagwahl auf die Schieflage der Verkehrspolitik hinzuweisen. Laut und bunt werden wir unsere Kritik an der noch immer viel zu mächtigen Autolobby und den ihr hörigen Teilen der Politik kundtun. Nach unserer massiven Kritik bei der letzten IAA 2019 in Frankfurt am Main versucht die Autolobby jetzt, sich einen sauberen Anstrich zu geben. Sie lädt Radhersteller ein und kündigt Austauschformate an. Doch die IAA bleibt trotz eines nachhaltigen Looks im Kern das, was sie immer war: eine Show der Autobranche.

Die IAA ist das Hochamt der Konzerne, mit dem sie ihre viel zu großen und übermotorisierten Fahrzeuge feiern und bewundern lassen. Dieses Jahr verstärkt um E-Autos und solche, die vorgeben, E-Autos zu sein: Plug-in-Hybride. Die Konzerne werden sich mit Nachhaltigkeitsversprechen überbieten. Nicht erwähnen werden sie, dass BMW, Volkswagen, Daimler und Co. ihr Geld immer noch vor allem mit überdimensionierten Verbrennungsmotoren verdienen. Und das immer öfter verbaut in mit Freiheits- und Individualitätsversprechen vermarktete SUV.

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Der Ansatz des BUND ist klar: Wir brauchen in erster Linie weniger Autos. Diese müssen klein und leicht sein. Sie sollen möglichst wenig Ressourcen und Energie benötigen - sowohl in Herstellung und Betrieb als auch bei der Wiederverwertung der eingesetzten Rohstoffe. Die Politik muss für die Rahmenbedingungen sorgen: ökologisch und sozial faire Lieferketten und eine funktionierende Kreislaufwirtschaft. Mit Blick auf Energieeffizienz und Umweltbilanz sind E-Fahrzeuge klar im Vorteil. Diesen verlieren sie aber auch schnell, wenn Batterien mit riesigen Reichweiten von 800 oder gar 1000 Kilometern verbaut werden.

Für den BUND ist der Umstieg auf E-Fahrzeuge ein wichtiger Schritt. Noch wichtiger ist allerdings, dass die Politik auf allen Ebenen, also von der Kommune bis zur EU, endlich die Mobilitätswende in den Mittelpunkt ihres Handelns stellt.

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Große Teile der Bevölkerung haben das Anwachsen der Blechlawinen schon lange satt. Sie wollen auch nicht länger vom Auto abhängig sein. Am 11. September werden wir auf der IAA in München unter anderem fordern: Spielplätze statt Parkplätze, Radwege statt neuer Autobahnen und ein Bundesmobilitätsgesetz, das den Menschen und nicht das Auto in den Mittelpunkt stellt. Wir brauchen attraktive Alternativen zum Pkw. Wir fordern mehr Platz für Fußgängerinnen und Fahrradfahrer, sichere Straßen ohne Verkehrstote, autofreie Innenstädte und mehr Busse und Bahnen auf dem Land und in der Stadt - bezahlbar und für alle.

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