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Gegen Doppelmoral

Künstler*innen fordern von der Bundesregierung die Verlängerung der Luftbrücke nach Afghanistan

  • Von Isabella A. Caldart
  • Lesedauer: 3 Min.

In einem offenen Brief an die Bundesregierung fordern Hunderte Afghan*innen, Künstler*innen und Aktivist*innen eine Luftbrücke nach Afghanistan, ein Ende der Abschiebepolitik und den Rücktritt von Heiko Maas.

Die Bundesregierung habe zu lange gewartet, zu zögerlich gehandelt, zu viel einfach ausgesessen – und so wurden bis zum Ende des deutschen Einsatzes am 26. August laut offiziellen Zahlen der Bundeswehr nur 5 347 Personen, darunter rund 4 000 Afghan*innen, via Luftbrücke aus Afghanistan evakuiert. Also ein Bruchteil jener, die in den vergangenen zwanzig Jahren für die deutsche Regierung, deutsche Organisationen oder deutsche Medien als sogenannte Ortskräfte gearbeitet haben und jetzt um ihr Leben und das ihrer Angehörigen fürchten. Die Entscheidungen der Bundesregierung könnten tödliche Folgen für Tausende Afghan*innen haben, ist in dem Brief zu lesen.

Afghan*innen der deutschsprachigen Diaspora und Menschen aus Kunst, Kultur, Politik und Wissenschaft fordern darin die Bundesregierung auf, die afghanische Zivilbevölkerung vor der Taliban zu beschützen. Zu den Unterzeichner*innen gehören die Autor*innen Shida Bazyar, Olivia Wenzel, Fatma Aydemir, Hengameh Yaghoobifarah, Deniz Utlu, Şeyda Kurt, Alice Hasters und Cemile Sahin, die deutsch-afghanische Moderatorin des »Tigerenten Clubs« Muschda Sherzada, Journalist*innen wie nd-Kolumnistin Ayesha Khan, Julius Gabele, Sham Jaff und mehrere Redakteur*innen des »Missy Magazins« sowie Organisationen und Kollektive.

»Statt sich nur symbolisch zu bekennen, fordern wir eine konkrete politische und praktische Positionierung gegen Islamismus«, heißt es dem Brief weiter, der auf www.luftbruecke.org publiziert wurde. »Sofortiges politisches Handeln ist gefragt, um Binnenflüchtende sowie Flüchtende in Drittländern zu schützen und ihnen einen sicheren Hafen zu bieten.« Konkret bedeutet politisches Handeln für die Unterzeichnenden, eine umgehende Evakuierung und bedingungslosen Schutz für die Zivilbevölkerung, zudem ein Ende der Abschiebepolitik nach Afghanistan.

Die Tatortreiniger von Kabul - Daniel Lücking über das Ende der militärischen Evakuierung

Desweiteren fordern die Unterzeichnenden den Rücktritt von Bundesaußenminister Heiko Maas. Er betreibe »eine deutsche Außenpolitik, die Menschenleben kostet«, heißt in dem Schreiben, da »ihm außenpolitisches Appeasement wichtiger ist als jegliche inhaltliche Politik gegen Islamismus«. Zuletzt wird gefordert, dass Deutschland Druck ausüben möge auf Pakistan, damit das Land seine Unterstützung der Taliban beende. Und für die Zukunft solle die Bundesregierung »ihre heuchlerische Doppelmoral in Bezug auf Islamismus zu ändern« – sprich nicht mit den Taliban oder anderen Islamist*innen zu paktieren und keine Waffen mehr in Kriegsgebiete zu exportieren.

Wer spenden, bei den Abgeordneten in den Wahlbezirken Druck machen oder über Demos und Aktionen informiert sein will, kann das wiederum über www.kabulluftbruecke.de tun, ein Zusammenschluss von #LeaveNoOneBehind, Seebrücke, Sea-Watch, Reporter ohne Grenzen und Dutzenden weiteren Vereinen, Organisationen und Initiativen.

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