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Klimaaktivisten blockieren Autobahnen zum IAA-Start

Großeinsatz nach Protesten auf sechs Fahrabschnitten – Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eröffnet Messe

  • Von Sebastian Bähr
  • Lesedauer: 3 Min.

Klimaaktivisten haben sich am Dienstag zur Eröffnung der Automesse IAA von Autobahnbrücken rund um München abgeseilt. Auf sechs Abschnitten, der A8, A96, A92, A94, A95 und A9, mussten die Fahrbahnen zum Teil gesperrt und der Verkehr umgeleitet werden. Es kam dabei zu langen Staus. Die Aktivisten entrollten bei den Protesten Transparente wie »IAA abgesagt« und »Block IAA«, auch Autobahnschilder wurden überklebt. »Verkehrskollaps« und »smash car lobby & industry« war etwa auf der A9 für alle Autofahrer sichtbar zu lesen.

Ein Aktivist, der sich an den Abseilaktionen beteiligte und anonym bleiben möchte, erklärte gegenüber Medien: »Die IAA hält an der Vergangenheit fest.« Statt »Scheinlösungen wie E-Autos« als Ausweg aus der Krise zu verkaufen, brauche es aber eine »echte solidarische und klimagerechte Mobilitätswende«. Man fordere autofreie Städte, einen stark ausgebauten und kostenlosen öffentlichen Personennahverkehr sowie den sofortigen Baustopp aller Autobahnprojekte, so der Aktivist. Auch direkt vor der Messe in München hatten Umweltschützer protestiert. Mehrere Greenpeace-Unterstützer stiegen mit Plakaten in ein Wasserbecken.

Zahlreiche Polizeikräfte, Sondereinsatzkommandos und Feuerwehreinheiten waren im Einsatz, um die Aktivisten von den Autobahnüberführungen herunter zu holen. Bayerns Staatskanzleichef Florian Herrmann kritisierte die Proteste gegen die IAA scharf. Selbstverständlich seien Demonstrationen, Proteste und Meinungsäußerungen immer möglich, aber auch für sie gebe es einen Rahmen der Gesetze. Wenn andere Menschen durch die Aktionen gefährdet würden, sei dies nicht zu tolerieren, sagte der CSU-Politiker nach einer Sitzung des Kabinetts in München. Die Proteste auf der Autobahn hätten eine akzeptable Grenze überschritten.

Kritik an den Aktionen kam auch vom Verband der Automobilindustrie (VDA). Die IAA zeige Wege zur klimaneutralen Mobilität, »und wir diskutieren auch mit denen, die anderer Meinung sind«, sagte VDA-Präsidentin Hildegard Müller. »Unser Angebot zum Dialog steht. Gewalt und Nötigung lehnen wir ab.« Bis zum Redaktionsschluss gab es keine Informationen über eine mögliche Gefährdungen von Autofahrern.

Am Dienstagnachmittag sollte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die IAA offiziell eröffnen. Mehrere Konzernchefs hatten zuvor mehr Unterstützung für den Wandel zum klimaneutralen Verkehr gefordert. Volkswagen-Chef Herbert Diess sagte in München, ohne genug Ökostrom werde es keine CO2-freie Mobilität geben. Der Umstieg müsse schneller gehen: »Die Vorbedingung für die Dekarbonisierung des Transportsektors ist die Verfügbarkeit von grüner Elektrizität aus Sonne und Wind«, so der Manager. Umweltorganisationen kritisieren, dass VW die Produktion seiner Verbrennermotoren nicht schnell genug beendet.

Daimler-Chef Ola Kälennius wiederum erklärte, Elektrifizierung sei der Hauptweg, aber der Aufbau von Ladesäulen müsse mithalten. Außerdem müsse die Energie für Strom und für synthetische Kraftstoffe aus erneuerbaren Quellen kommen, um die Klimaziele zu erreichen. Bosch-Chef Stefan Hartung fügte hinzu: »Es ist eine gigantische Transformation.« Der Umbau werde für viele Menschen schmerzhaft werden. Aber er sei optimistisch. Inwiefern diese Einschätzung mit dem Vorstandsgehalt von Bosch zusammenhängt, ist unklar. Mit Agenturen

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