Werbung
  • Kultur
  • Nemi El-Hassan und WDR

Auf Eis gelegt

Nemi El-Hassan distanziert sich von Teilnahme an Al-Quds-Marsch

  • Von Inga Dreyer
  • Lesedauer: 2 Min.
Die Journalistin und Ärztin Nemi El-Hassan
Die Journalistin und Ärztin Nemi El-Hassan

Gerade noch sah die junge Journalistin und Ärztin einem Karriereschritt entgegen. Im November sollte die Mitgründerin des Youtube-Kanals »Datteltäter«, Nemi El-Hassan, ins Moderationsteam der WDR-Wissenschaftssendung »Quarks« einsteigen. Nun hat der Sender den Start auf Eis gelegt. Ein Grund ist, dass El-Hassan 2014 an der Al-Quds-Demonstration teilgenommen hatte. Al-Quds ist der arabische Name Jerusalems. Die jährliche, antisemitische Anti-Israel-Demonstration richtet sich unter anderem gegen die israelische Präsenz in Ostjerusalem. Der Tag wurde 1979 vom iranischen Revolutionsführer Chomeini ausgerufen. Auch in Berlin werden dabei antisemitische Hass-Parolen verbreitet. Immer wieder kommt es zu Ausschreitungen.

Nemi El-Hassan hat sich inzwischen von der Demo, an der sie mit 19 teilgenommen hat, distanziert. »Sie positioniert sich klar gegen Antisemitismus und gegen Hass und Gewalt jeglicher Art und bezeichnet die Teilnahme als Fehler«, teilt der WDR mit. In die Kritik geraten war sie zuvor auch wegen eines Videos für die Bundeszentrale für politische Bildung, in dem sie »Dschihad« erklärt. In der »Bild« wurde ihr vorgeworfen, den Begriff zu relativieren.

Die Zeitung wittert gar einen »Islamismus-Skandal beim WDR«. Tatsächlich aber wendet sich El-Hassan in dem Video gegen den Missbrauch des Begriffs durch »selbst ernannte Propheten«, die darunter »Hass, Gewalt und Intoleranz« verstehen. Erklärt wird die Historie des Begriffes, der wörtlich das Bemühen beschreibt, ein Ziel zu erreichen. Neben der militärischen Interpretation, dem »kleinen Dschihad« steht der »große«, bei dem es um moralische und religiöse Anstrengungen geht. »Dschihad heißt menschlich zu sein und zu bleiben«, sagt Nemi El-Hassan im Video.

Unklar ist, wie es weitergeht. »Die Vorwürfe gegen sie wiegen schwer. Es wiegt aber auch schwer, einer jungen Journalistin eine berufliche Entwicklung zu verwehren«, teilt der WDR mit.

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung
0
Beiträge gelesen

Hilf mit bei einer solidarischen Finanzierung und kaufe eine virtuelle Ausgabe des »nd«

0
Beiträge auf nd-aktuell gelesen

Hilf mit, die Seiten zu füllen!

Zahlungsmethode