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Ein gefundenes Fressen - zu Recht

Claudia Krieg über das Hin- und Her bei der 2G-Regelung

  • Von Claudia Krieg
  • Lesedauer: 2 Min.
Die meisten Kinder in der Pandemie sind tapferer als die Erwachsenen.
Die meisten Kinder in der Pandemie sind tapferer als die Erwachsenen.

Allein der Beschluss, die kostenlosen Testmöglichkeiten auf das Coronavirus ab Oktober abzuschaffen, war eine falsche Entscheidung. Statt die wie Pilze aus dem Boden geschossenen Testcenter einer Qualitätskontrolle zu unterziehen und deren stadtweite Verteilung nach Erreichbarkeit anzupassen mit einem sinnvollen Schlüssel privater und öffentlicher Betreiber, kommt nun zum Ende der freien Testmöglichkeit noch die 2G-Regel oben drauf. Es handelte sich dabei zwar in Bezug auf Kinder unter 12 Jahren nicht um eine rigide Muss-, sondern eine Kann-Bestimmung. Und es hätte vielleicht auch nicht viele in Gastronomie und Kultur gegeben, die diese tatsächlich durchgesetzt hätten. Aber es war, und das ist der springende Punkt, nach dem nervenaufreibenden Hin und Her um die Schulöffnungen mitten in der zweiten Corona-Welle im Januar schon der zweite größere Chaos-Beschluss, den der rot-rot-grüne Senat zulasten von Kindern gefällt hat. Vor allem Dilek Kalayci als Gesundheits- und Sandra Scheeres als Bildungssenatorin - beide SPD - müssen sich fragen lassen, wie sie ihre sich widersprechenden Aussagen miteinander überein bringen. Es werde »keine Ausnahmen für Kinder geben«, hatte Kalayci noch am Dienstag verkündet.

So war es ein gefundenes Fressen - für Kritiker*innen rigider Maßnahmen und angebliche wie auch tatsächliche Verteidiger*innen von Kinderrechten gleichermaßen. Wenn dann zurückgerudert wird, ist neben der ohnehin zerschrammten Glaubhaftigkeit auch noch etwas anderes beschädigt: die Hoffnung, dass es endlich ein Bewusstsein dafür gibt, wie viel Kindern strukturell immer wieder zugemutet wird. Auch, weil sie Lockerungen der Corona-Schutzmaßnahmen immer als letzte erfahren. Während die Erwachsenen längst acht Stunden ohne Maske am Arbeitsplatz sitzen, tragen sie Kinder an den Schulen weiter die ganze Zeit. Das ist neben dem Umstand, sich wieder an den Präsenzunterricht gewöhnen zu müssen, vor allem für jüngere Kinder anstrengend, wenn es auch viele mit größerer Gelassenheit nehmen als die vielen Erwachsenen, die so tun, als könnte man ihnen wahrlich nichts Schlimmeres mehr zumuten.

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