Die Narben bleiben

Die Stilllegung des Erkundungsbergwerks Gorleben war eine schon lange fällige Entscheidung

Der Salzstock Gorleben ist bekanntlich raus bei der Suche nach dem Standort für das deutsche Endlager für hoch radioaktiven Atommüll. Doch im widerständischen Wendland hat man in den vergangenen Jahrzehnten schon so viel erlebt, dass man dem Frieden nicht recht traute. Vor allem sorgte für Misstrauen, dass trotz aller Beteuerungen das Erkundungsbergwerk nicht stillgelegt wurde. Jetzt aber hat das Bundesumweltministerium verfügt, die Stollen mit der ausgebuddelten Salzhalde wieder zu verfüllen. Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth erklärte, er hoffe, dass »im Wendland nun die Wunden heilen können, die der jahrzehntelange Streit um Gorleben gerissen hat«.

Es ist sicher eine gute und schon lange fällige Maßnahme. Denn Salzgestein eignet sich nicht für die dauerhafte Lagerung radioaktiver Abfälle, wie das erste fachliche Ergebnis beim Neustart der Endlagersuche lautet. Daneben ist die Stilllegung auch ein politischer Erfolg, denn erst der Widerstand mit ganz langem Atem rund um Gorleben hat dafür gesorgt, dass jetzt wissenschaftlich fundiert nach geeigneten Standorten gesucht wird.
Doch das Wendland ist damit noch nicht ganz raus. Auch hier gibt es – theoretisch geeignetes – Tongestein. Und das Atomkraftkapitel ist ohnehin noch akut, da hier ein Zwischenlager mit 113 Castor-Behältern existiert, das bis zum Jahr 2034 genehmigt ist. Wie es mit diesen weitergehen soll, bleibt unklar.

Solange werden im Wendland die Wunden nicht heilen können. Narben werden auf jeden Fall bleiben, denn lebendig bleibt die Erinnerung an willkürliche Entscheidungen über die Köpfe der Leute hinweg und die Versuche, das mit Polizeigewalt durchzusetzen. Dass dies nicht gelungen ist und jetzt seriös nach einem Endlager gesucht wird, ist andererseits ein Riesenerfolg. Doch ob letztlich ein guter Standort gefunden wird, wo nicht neue Wunden aufgerissen werden, lässt sich heute noch nicht sagen.

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