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Endgültiges Aus für Gorleben als Endlager

Das Bergwerk wird geschlossen und verfüllt. Oberirdisches Zwischenlager mit hochradioaktiven Abfällen bleibt

  • Von Hagen Jung
  • Lesedauer: 4 Min.
90 Gebiete in Deutschland haben nach Erkenntnissen der Bundesgesellschaft für Endlagerung günstige geologische Voraussetzungen für ein Atommüll-Endlager. Der Salzstock Gorleben in Niedersachsen ist nicht darunter.
90 Gebiete in Deutschland haben nach Erkenntnissen der Bundesgesellschaft für Endlagerung günstige geologische Voraussetzungen für ein Atommüll-Endlager. Der Salzstock Gorleben in Niedersachsen ist nicht darunter.

Der Salzstock in Gorleben ist aus geologischen Gründen aus der Atommüll-Endlagersuche ausgeschieden. Einen entsprechenden Auftrag hat das Bundesumweltministerium der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) erteilt. Der Staatssekretär im Umweltministerium, Jochen Flasbarth, sagte dazu am Freitag: »Im Standortauswahlverfahren soll ein Endlager mit der bestmöglichen Sicherheit gefunden werden.« Klar sei, dass es der Salzstock Gorleben nicht ist. Es sei wissenschaftlich erwiesen, dass es viele geologisch besser geeignete Standorte gebe. Flasbarth äußerte die Hoffnung, dass im Wendland »die Wunden heilen können«, die der jahrzehntelange Streit um Gorleben gerissen habe.

In den 1970er Jahren war die Entscheidung getroffen worden, im Salzstock Gorleben ein Endlager einzurichten. Das stieß auf erbitterten Widerstand. Aus diesem Konflikt habe die Politik für die Endlagersuche gelernt, so Flasbarth. »Am Ende muss gut nachvollziehbar sein, aus welchen Gründen ein Standort gewählt wurde.«

Die endgültige Schließung des Erkundungsbergwerks werde von allen begrüßt, die der Sache kritisch gegenüberstanden, erklärte Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies. »Ab heute gibt es keine Hintertür mehr. Das ist die Botschaft und das enorm wichtige Zeichen für eine ganze Region«, betonte der SPD-Politiker. Ein Kampf, der in Lüchow-Dannenberg richtigerweise gegen eine falsche politische Entscheidung geführt worden sei, habe nun ein positives Ende gefunden. Nun gehe es darum, »diese Zeit endgültig hinter uns zu lassen und gemeinsame Konzepte zu entwickeln und umzusetzen für die Zukunft des Wendlandes«. Die rot-schwarze Landesregierung in Niedersachsen geht davon aus, dass die Region enormes Potenzial nicht nur durch ihre natürlichen Landschaften und den Tourismus hat, sondern auch für die Klima- und Energiewende.

Der Präsident des Bundesamtes für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung, Wolfram König, stellte fest: »Das Endlager Gorleben ist Geschichte - die Aufgabe der Lösung der Endlagerfrage bleibt.« Das letzte Kapitel aus der Hochrisikotechnologie müsse noch gemeinsam geschrieben werden. »Es handelt von guter Wissenschaft, Transparenz, Beteiligung und Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung«, fasste König zusammen.

Stefan Studt, Vorsitzender der Geschäftsführung der Bundesgesellschaft für Endlagerung, erklärte: »Die BGE freut sich, dass sie den Auftrag zur Schließung des Bergwerks Gorleben bekommt.« Unsere Kollegen haben hier genau so im Sturm gestanden wie viele Akteurinnen und Akteure in der Region», gab Studt zu bedenken. Die BGE profitiere sowohl in den Bergwerken als auch in der Standortauswahl von Arbeiten, die in Gorleben gemacht wurden. Dort seien beispielsweise Erkundungstechniken erprobt worden, die in den kommenden Jahren weiterentwickelt werden können. «Und die Erfahrungen der Beteiligten zahlen sich nun beispielsweise bei der Errichtung des Endlagers Konrad aus», erklärte Studt.

Miriam Staudte, atompolitische Sprecherin der Grünen im niedersächsischen Landtag, bewertet die Schließung und Verfüllung des Bergwerks als gute Nachricht für die Region. Im Interesse aller Beteiligten fordere ihre Fraktion mehr Tempo, damit das erwähnte «Hintertürchen» für den Standort Gorleben nicht erst in zehn Jahren ins Schloss falle, wenn die Benennung des zukünftigen Endlagerstandortes anstehe. «Hier sollte von der BGE baldmöglichst ein konkreter Zeitplan vorgelegt werden, um Optimierungsmöglichkeiten herauszuarbeiten. Außerdem sei abzusehen, »dass wir in Deutschland bei den künftigen Erkundungsstandorten erfahrene Bergleute brauchen, die die dortigen Arbeiten unter Tage durchführen«.

Es sei gut, so Staudte, dass bereits über Perspektiven der Strukturförderung für die Region als eine Art Wiedergutmachung für die jahrzehntelangen Belastungen gesprochen werde. Noch weit vor einer solchen Wiedergutmachung stehe allerdings die Sicherung der bestehenden Atomanlagen in Gorleben. Die noch Jahrzehnte andauernde Atommülllagerung in dem oberirdischen Zwischenlager müsse umgehend so sicher wie möglich gestaltet werden, forderte die Grünen-Politikerin. Dort sind mehr als 100 Transportbehälter mit hochradioaktiven Abfällen gelagert. Die Lagerung ist zunächst bis zum Jahr 2034 genehmigt. Die nebenan stehende Pilotkonditionierungsanlage zur endlagergerechten Verpackung von Atommüll sei längst überflüssig und müsse abgebaut werden, forderte Staudte.

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