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Subunternehmer des Krieges

Ein Bericht der Brown University beleuchtet die Rolle von Privatfirmen in den US-Einsätzen nach 9/11

  • Von Cyrus Salimi-Asl
  • Lesedauer: 4 Min.

Kriege sind ein schmutziges Geschäft, aber ein äußerst lukratives, insbesondere für sogenannte Contractors, private Vertragsnehmer. Für viel Geld übernehmen diese Privatfirmen Dienstleistungen für staatliche Streitkräfte - Wartung des Kriegsgeräts, logistische Unterstützung, Verpflegung der Soldaten - und mischen auch in Kriegen mit. Ein Bericht der US-amerikanischen Brown University und des Thinktanks Center for International Policy (CIP) untersucht die Rolle solcher Subunternehmen in den US-Kriegen nach dem 11. September 2001.

Der Titel »Profits of War: Corporate Beneficiaries of the Post-9/11 Pentagon Spending Surge« (auf deutsch: »Profite des Krieges: Unternehmen, die von den Mehrausgaben des Pentagons nach dem 11. September profitieren«) deutet an, was der Dreh- und Angelpunkt dieser Untersuchung ist: Es geht um eine Abschätzung der Geldsummen, die die USA an private Rüstungsfirmen, Transportunternehmen und Sicherheitsfirmen gezahlt haben.

Demnach übernahmen US-Unternehmen im Auftrag des Verteidigungsministeriums nicht nur logistische Aufgaben im Kriegsgebiet, wie den Transport von Treibstoff und die Versorgung mit Nahrungsmitteln, sondern auch die Ausbildung und Ausrüstung der afghanischen Sicherheitskräfte.

Brisant an diesem Bericht ist, dass er Gründe andeutet für den schnellen Zusammenbruch der afghanischen Armee vor dem Ansturm der Taliban - und diese hängen ursächlich auch mit dem Wirken der Vertragsnehmer der US-Armee vor Ort zusammen, schreibt der am CIP tätige Autor William D. Hartung. So hätten von den USA beauftragte Transportfirmen Schmiergeld an Warlords, Polizeibeamte und sogar an die Taliban gezahlt und damit die Korruption im Land befördert. Jodi Vittori, Wissenschaftler bei Carnegie Endowment for International Peace, kritisiert gegenüber der Nachrichtenagentur AP, dass die USA die afghanische Luftwaffe mit amerikanischen Hubschraubern ausgestattet habe anstatt mit russischen, die die Afghanen selbst hätten reparieren können. Als die Auftragnehmer mit den US-Truppen abzogen, nahmen sie auch ihr Wissen über die Wartung mit.

»Unternehmen profitieren von der Kriegsökonomie auf mindestens drei Wegen: Logistik und Wiederaufbau, private Sicherheitsdienste und Ausrüstung mit Waffen«, heißt es im Bericht. Und auf allen Wegen sei viel Raum für »Betrug, Verschwendung und Missbrauch«, schlicht weil in Kriegszeiten schnell entschieden werden muss und Kontrollen lascher ausfallen. Das meiste Geld fließt dabei in die Rüstungsindustrie.

Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 wurden private Auftragnehmer ein wesentlicher Bestandteil der US-Militär-Strategie. Bekanntes Beispiel für einen Vertragsnehmer im Bereich Logistik und Wiederaufbau ist die Firma Halliburton, mittels ihrer Tochtergesellschaft Kellogg, Brown and Root (KBR). Ex-Verteidigungsminister Dick Cheney, der auch Geschäftsführer war bei Halliburton, brachte das Unternehmen groß ins Kriegsgeschäft mit der US-Regierung. Laut Studie erhielt Halliburton bis 2008 mehr als 30 Milliarden Dollar für Aufbau und Betrieb von Stützpunkten, die Truppenversorgung und andere Arbeiten im Irak und in Afghanistan. Beim Rückgriff auf Privatfirmen steht die Einsparung von Kosten im Vordergrund.

Dieselbe Logik greift auch bei der zweiten Kategorie von Dienstleistungen, die die US-Armee an Privatfirmen vergibt: private Sicherheit zum Schutz von Militäreinrichtungen oder Infrastruktur. In dieser Sparte operierte nur ein kleiner Teil der Vertragsnehmer - der Großteil (über 60 Prozent) war in unterstützenden Dienstleistungen tätig wie Essensausgabe, Wäsche waschen, Fahrzeugreparatur, Transport von Ausrüstung -, aber ihre Tätigkeit hatte einen großen Einfluss. »Der Einsatz von Privatfirmen schränkt die Transparenz und Verantwortlichkeit für die Geschehnisse in Kriegsgebieten ein, bisweilen mit katastrophalen Folgen«, schreibt William D. Hartung im Bericht. Zu den privaten Sicherheitsunternehmen gehört das Unternehmen Blackwater, das in ein Massaker an Zivilisten in Bagdad verstrickt ist.

Die US-Armee setzte Privatfirmen wie Titan und CACI International auch für die Vernehmung irakischer Gefangener ein, so im Foltergefängnis von Abu Ghraib. In Afghanistan war das Unternehmen DynCorp Hauptauftragnehmer in einem 20 Milliarden US-Dollar schweren Programm des US-Außenministeriums von 2002 bis 2017 zur Ausbildung der afghanischen Polizei. Hierzu fällt der Bericht ein klares Urteil: »DynCorp trägt eine gewisse Verantwortung für das Versagen bei der Förderung einer effektiven afghanischen Polizei.« Die Hauptschuld liege jedoch beim Außenministerium, das schlecht überwacht habe. Die Folge: Von den 170 000 ausgebildeten afghanischen Polizisten waren bis 2010 nur noch 30 000 im Dienst.

Je länger die Kriegseinsätze im Irak und in Afghanistan dauerten, umso größer wurde die Personalstärke der Contractors. Schätzungen zufolge sollen im März 2011 mehr Auftragnehmer im Irak und in Afghanistan tätig gewesen sein (155 000) als uniformierte US-Soldaten (145 000). Etwa drei Viertel der Personen, die sich auf den nicht ungefährlichen Job einließen, waren Nicht-Amerikaner: aus Nepal, von den Philippinen oder aus dem Irak. Bisweilen verdienten sie nicht mehr als 3000 US-Dollar im Jahr.

Die Geschäfte privater Vertragsnehmer in Krieg und Krisengebieten dürften langfristig weiter blühen, prophezeit der Bericht der Brown University, denn »der ausländische Markt wächst«. Mit dem Rückzug aus Afghanistan und der schrumpfenden Truppenstärke im Irak suchen sich die Contractors neue Auftraggeber. Egal wo und egal, welche Aufgaben anfallen.

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