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Frau und Mann, Staub und Stein

Neue Sachbücher und dokumentarische Belletristik

  • Von Mario Pschera
  • Lesedauer: 2 Min.

Es ist Wahlkampfzeit in Deutschland, und damit geht es wieder heiß her. Die brennenden Themen sind - wie immer eigentlich - das scheue Reh namens DIE WIRTSCHAFT, die Wohlstandssicherung, die Gefahr einer SPD-bolschewistischen Weltrevolution am Reichstagsufer und die Verantwortungsscheu der Partei Die Linke vor Deutschlands quasi natürlicher Rolle in der Weltpolitik. Das drohende Currywurstverbot in den Kantinen der Autohersteller (Stichwort: scheues Reh) nicht zu vergessen. Freilich könnte man auch mal über die Drei-Euro-Verhöhnung von Empfängern der Mindestsicherung sprechen, über die gewollte Entwertung nicht nur ostdeutscher, sondern auch migrantischer Biografien, über die Duldung und stille Kumpanei mit auf neu polierten »Jungkonservativen« und Faschisten, über den ganz normalen Rassismus in Amtsstuben und auf den Straßen, über die Toten und Versehrten der bloß nicht Krieg genannt werden sollenden Auslandseinsätze der Nato-Truppen, die mittelbare und unmittelbare Förderung diktatorischer Regimes (Ihre Freunde möchte ich nicht haben, Herr Maas). Aber offensichtlich passen diese Fragen nicht zu den Antworten der Prätendenten auf den Kanzlerthron. Pech gehabt, liebes Wahlvolk.

Beim Drehen großer Räder und beim Schwingen großer Reden wird zumeist vergessen, dass es in allem um Menschen und deren Schicksale geht. Und jeder einzelne von ihnen hat das Recht, nicht nur als Spänchen beim Hobeln politischer Bretterbuden betrachtet und behandelt zu werden. Unabhängig von der Herkunft oder Prominenz bzw. Nichtprominenz. Genau das macht den Unterschied zwischen linker und rechter Politik aus: Ist sie am Wohl des einzelnen Menschen wie der Menschheit im Ganzen orientiert? Oder beschwört sie nebulöse Begriffe, für die Opfer zu bringen seien - die FREIHEIT, das VATERLAND, die WIRTSCHAFT?

Auf die politische Mitte, den Wohlfühlraum der Vermeidungsrhetorik, brauchen wir hingegen nicht zu schauen. Dort sitzt Christian Lindner und lässt sich beim nächtlichen Sortieren von Büroklammern ablichten. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine unterhaltsame Lektüre.

Wir stellen Bücher aus unabhängigen Verlagen vor

In dieser Ausgabe:

Knut Elstermann: Im Gespräch. Knut Elstermann befragt ostdeutsche Filmstars
Esther Dischereit: Mama, darf ich das Deutschlandlied singen
Ellen Händler & Uta Mitsching-Viertel: Problemzone Ostmann?
Emina Saric: Ehre, Scham und Schande. Warum wird Frauen Gewalt angetan?
Klaus Gietinger (Hg.): Karl Liebknecht oder: Nieder mit dem Krieg …
Suzanne Maudet: Dem Tod davongelaufen
Wolf Gregis: Sandseele

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