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Streiten wie die Kinder

Beim Ryder Cup zwischen Europa und den USA versuchen sich Golfstars zur Abwechslung mal als Teamspieler

  • Von Oliver Kern
  • Lesedauer: 4 Min.
Von den letzten fünf Ryder Cups konnten die US-Golfer um Brooks Koepka (rechts unten) nur den von 2016 in Minnesota gewinnen.
Von den letzten fünf Ryder Cups konnten die US-Golfer um Brooks Koepka (rechts unten) nur den von 2016 in Minnesota gewinnen.

Den Ryder Cup als ein etwas anderes Golfturnier zu bezeichnen, wäre eine mächtige Untertreibung. 24 der besten Golfer der Welt kommen für drei Tage zusammen, sollen das machen, was sie immer tun, aber eben doch ganz anders. Individualisten sollen Teamplayer sein und nicht mehr für Millionengagen, sondern nur für ihr Land oder einen Kontinent spielen und das vor einem Millionenpublikum. Obwohl alle zwei Jahre die US-Amerikaner als klare Favoriten starten, durften zuletzt meist die Europäer den Ryder Cup mit nach Hause nehmen – weil sie es besser schaffen, eine Mannschaft zu sein.

An diesem Freitag endet auf dem Platz von Whistling Straits im US-Bundesstaat Wisconsin für Golffans eine coronabedingt dreijährige Wartezeit auf das wohl aufregendste Turnier dieses Sports. Und erneut deutet sich an, dass die Amerikaner ein Problem mit dem Teamspirit haben. Speziell zwei Spieler sind untereinander seit Jahren verfeindet: Bryson DeChambeau und Brooks Koepka. Beide haben schon Major-Turniere gewonnen und gehören zu den Golfern, die den Ball am weitesten schlagen. Gemeinsam wären sie ein kaum schlagbares Gespann – beim Ryder Cup werden 16 von 28 Punkten in Duellen zwischen Paaren vergeben –, doch Kapitän Steve Stricker lässt sie nicht miteinander spielen. »Ich wüsste nicht, warum ich das tun sollte«, sagte er zu Beginn der Woche. Er weiß: Wer sich nicht mag, spielt schlecht zusammen.

Alles begann, als sich Koepka (31) öffentlich über das langsame Spiel des drei Jahre jüngeren DeChambeau beschwerte. Der revanchierte sich später mit einem Kommentar zu Koepkas Nacktfotos im ESPN-Magazin: »Er hat keine Bauchmuskeln. Ich schon.« Koepka provozierte wiederum mit seinen mehr gewonnenen Trophäen, DeChambeau störte daraufhin seinen Landsmann bei Interviews. Es wirkte wie ein Streit zwischen Kindern, der nun dazu führt, dass die beiden Stars auf jedem Teamfoto der US-Amerikaner weit voneinander entfernt platziert werden.

Koepka scheint zudem den Ryder Cup nicht zu mögen. In einem Interview mit »Golf Digest« zehn Tage vor dem Turnier sagte er: »Es ist hektisch. Ich will nicht sagen, dass es eine schlechte Woche ist. Aber wir sind Individualisten, jeder hat seine Routinen. Doch plötzlich muss ich zu Teammeetings, wenn ich eigentlich lieber ein Nickerchen oder Krafttraining machen würde.« Kein Wort davon, wie ihn das Mannschaftsgefüge vielleicht motivieren würde, für etwas Größeres als nur sich selbst zu spielen. So etwas hört man nur von den Europäern, die sieben der letzten neun Ausgaben gewinnen konnten, »weil wir füreinander spielen«, wie es der Nordire Rory McIlroy diese Woche erklärte.

Sein Kapitän Padraig Harrington beschrieb die Siegerformel so: »Wir wollen zeigen, wie gut der europäische Golfsport ist. Wir haben immer wieder etwas zu beweisen.« Tatsächlich sind acht US-Amerikaner unter den besten zehn Spielern der Weltrangliste. Der schlechteste der zwölf Spieler steht auf Position 21. Dagegen ist auf dem Papier nur der Spanier Jon Rahm als Weltranglistenerster in den Sphären der Gegner unterwegs.

Den Amerikanern jedoch scheint der Ryder Cup trotz der jüngsten Niederlagenserie nicht so wichtig. DeChambeau trainierte zuletzt lieber wie ein Irrer für einen unbedeutenden Long-Drive-Wettbewerb, was die Haut seiner Hände platzen ließ. Koepka wiederum mag das Teamformat nicht. »2018 hatte ich mein Match gewonnen, wurde dann aber gefragt, warum das Team verlor. Da dachte ich nur: Was willst du denn von mir? Es ist schwer, mal für eine Woche im Jahr auf Teammodus umzuschalten«, so Koepka.

In der US-Gesellschaft, die Individuen über das Wohl der Gemeinschaft stellt, ist das nicht verwunderlich. Dabei sollte der Patriotismus das wieder wettmachen, schließlich ist der unter US-Golfern stärker ausgeprägt als bei Europäern. Die wiederum starten wie immer seit 1979 unter der EU-Flagge, obwohl diesmal acht der zwölf Spieler aus den Nichtmitgliedsstaaten Großbritannien und Norwegen stammen. Zumindest im Golf klappt das Zusammenspiel dennoch völlig konfliktfrei.

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