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Unsere Zukunft in einem Ordner

Das Postfach der nd-Genossenschaft quillt über, die Unterlagen für die Eintragung sind eingereicht

  • Von Ines Wallrodt
  • Lesedauer: 5 Min.
Übergabe beim Prüfungsverband
Übergabe beim Prüfungsverband

Noch nicht einmal sechs Wochen befindet sich die nd-Genossenschaft »in Gründung«. Gefühlt sitzen wir eigentlich noch immer in den Startlöchern, haben wir noch gar nicht richtig losgelegt. Aber wir werden bereits überschwemmt von Anfragen und Interessensbekundungen. Sehen Sie es uns deshalb bitte nach, wenn es mit der einen oder anderen Rückmeldung länger dauert, vielleicht sogar durchrutscht oder doppelt geschickt wird. Wir lernen täglich dazu, überarbeiten, verbessern. Ergänzen fehlende Kommata in unseren Schreiben oder streichen überzählige - auch das am Anfang der Satzung (Dank an die Twitter-Spötter). Wir arbeiten daran: Work in progress. Mit Betonung auf dem zweiten Teil.

Für Freundinnen und Freunde der Statistik ein kurzer Zwischenstand: Bis zum 13. September hatten wir etwa 300 Coupons von Interessenten per Post erhalten, 205 E-Mails, 606 Anfragen über die Homepage. Dabei ist das Interesse aus dem Westen Deutschlands im Vergleich zu den Abos zum jetzigen Zeitpunkt überproportional. Insgesamt knapp 1200 Anfragen - von »Solidaritätserklärungen« und konkreten Unterstützungsangeboten (wir werden darauf zurückkommen!) bis zu »Ja, ich will Genossin oder Genosse werden«. Und dabei ist die Genossenschaft noch gar nicht gegründet. Alle, die einen Antrag auf Mitgliedschaft gestellt haben, müssen nach erfolgreicher Eintragung der Genossenschaft noch offiziell vom Vorstand aufgenommen werden.

Einige Beitrittsinteressentinnen machen sich sogar direkt zu uns auf den Weg, wie eine langjährige Leserin, die persönlich in der zweiten Etage am Berliner Franz-Mehring-Platz vorbeikam, einen Mitgliedsantrag in der einen Hand, in der anderen die Gehhilfe. Ganz ehrlich: Wir sind gerührt.

Beitritt zum Prüfungsverband

Zurück zu den Daten: Die meisten zeichnen einen Anteil, bei Ehepaaren aber auch gern jeder einen. Die bislang höchste Einlage beträgt 20 Anteile à 500 Euro. Wir danken herzlich! Und an alle anderen: Keine Angst! Wir sind eine Genossenschaft, keine Aktiengesellschaft. Egal wie viel jemand einlegt, jede Stimme zählt gleich viel. Es bleibt beim Prinzip: Ein Mensch, eine Stimme.

Dafür, dass unsere Genossenschaft ordentlich eingetragen wird, haben wir weitere nötige Schritte unternommen. So ist beim Prüfungsverband der kleinen und mittelständischen Genossenschaften e. V. (PkmG) ein »Antrag auf Beitritt« gestellt, der zugleich auch den Auftrag zur Gründungsprüfung umfasst. »Die positive gutachterliche Äußerung eines Prüfungsverbandes ist Voraussetzung für die Eintragung in das Genossenschaftsregister.« So steht es im Gründungsleitfaden des PkmG. »Erst mit der Eintragung erlangt die bis dahin als Genossenschaft in Gründung (i. G.) fungierende Mitgliedergemeinschaft die Rechte einer eingetragenen Genossenschaft.«

Schon bei der Gründungsversammlung am 14. August waren wir froh, die sehr nützliche »Hilfestellung auf dem Weg zur eingetragenen Genossenschaft« an der Hand zu haben, die uns Schritt für Schritt den korrekten Ablauf erklärte. Nur warum in aller Welt müssen die Gründungsmitglieder auf einer Liste in exakt derselben Reihenfolge wie auf der Satzung unterschreiben? Das haben wir uns gefragt. Die Vorschrift aber natürlich trotzdem gewissenhaft befolgt und die Liste inzwischen mit all den anderen geforderten Unterlagen für eine erfolgreiche Genossenschaftsgründung eingereicht. Unsere Zukunft in einem Ordner. Nur einmal links den Gang runter: Der Prüfungsverband sitzt bei uns im Haus am Franz-Mehring-Platz. Kurze Wege, sehr praktisch.

Von Vorstandsmitgliedern wird neben dem Lebenslauf ein polizeiliches Führungszeugnis gefordert. Gelöbnisstörung, Besetzung der Grünen-Geschäftsstelle wegen des Kosovo-Kriegs? Lange her. Kein Hindernis. Schwierig dagegen, überhaupt zeitnah einen Termin beim Bürgeramt zu bekommen. Am Ende war es wie mit dem Impftermin: Irgendwann war doch noch einer frei vor Ende Oktober. Im Bürgeramt in der Klosterstraße ergänzte sich dann zufällig die andere Seite der Geschichte, als am Nachbarplatz die Sachbearbeiterin vergeblich die nächste Nummer aufrief, also den nächsten bescheinigungsbedürftigen Menschen. Und zwar nicht zum ersten Mal an diesem Tag, wie sie ihren Kolleginnen daraufhin lauthals zuwetterte. »10 Uhr morgens und schon 13 Leute nicht gekommen. Wenn ich noch einen in der ›Abendschau‹ höre, beim Bürgeramt sind keine Termine frei, spring ich in den Fernseher.«

Baustellen

Nicht nur in der öffentlichen Verwaltung, auch beim Umbau des »nd« läuft natürlich nicht alles rund. Wir haben etliche Baustellen: technische, wie die Genossenschaftswebsite, die noch sehr übersichtlich ist, die Beitrittserklärung, die hoffentlich bald auch digital ausfüllbar ist, oder den Newsletter, der schneller versprochen als verschickt ist.

Darüber hinaus sind wir über all die drängenden rechtlichen Notwendigkeiten noch viel zu wenig dazu gekommen, in die inhaltliche Zukunftsdebatte des »nd« einzusteigen: Welches Selbstverständnis sollen und wollen die neuen Gremien haben? Wie wollen wir miteinander arbeiten? Wie unsere Zeitung profilieren? Das müssen und wollen wir in den nächsten Wochen und Monaten angehen, zudem täglich eine Zeitung produzieren, noch immer mit coronabedingten Einschränkungen. Mehr als die Hälfte der Redaktion arbeitet weiterhin im Homeoffice, fast alle Redaktionssitzungen finden digital statt.

Der Weltgeist hätte mit Sicherheit empfohlen, so eine Transformation wie die des »nd« länger vorzubereiten. Diese Zeit haben wir aber nicht, da die nd-GmbH ihre wirtschaftliche Tätigkeit zum Ende des Jahres einstellt. Bis dahin müssen wir den Übergang vollbracht haben. Das bleibt eine Herausforderung. Aber der Blick in den Gründungsleitfaden verhilft angesichts dessen Nüchternheit zu einem kühlen Blick: Wir befinden uns demnach an der Schwelle zu Stufe 2 (von 3): Unterlagenanalyse, Geschäftsplanprüfung, Zwischenbericht. »In einem Zwischenbericht wird die Genossenschaft über die Ergebnisse dieser Analysen und Prüfungen informiert, zur Nachreichung weiterer, prüfungsseitig als erforderlich angesehener Unterlagen aufgefordert und mit sachdienlichen Hinweisen zur Beseitigung eventuell festgestellter Schwachstellen versehen.« Wir sind gespannt!

Hier erhalten Sie mehr Infos:
Besuchen Sie unsere Webseite: nd-genossenschaft.de. Sie können uns auch eine Nachricht an genossenschaft@nd-online.de oder nd-Genossenschaft, Franz-Mehring-Platz 1, 10243 Berlin schicken und erhalten dann Satzung und Beitrittserklärung.

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