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Visionen der Zukunft

Dubai öffnet die Türen zur Expo 2020 - Boykott-Aufruf des Europaparlaments blieb ungehört

  • Von Cyrus Salimi-Asl
  • Lesedauer: 4 Min.
Der deutsche Expo-Pavillon soll an einen Universitätscampus erinnern und steht ganz im Zeichen der Nachhaltigkeit.
Der deutsche Expo-Pavillon soll an einen Universitätscampus erinnern und steht ganz im Zeichen der Nachhaltigkeit.

Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen, riet einst Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt. Oder vielleicht doch besser nach Dubai, wo Visionen der Zukunft schon jetzt zu bestaunen sind: Seit Freitag läuft dort die Expo 2020, die - man erkennt es an der Jahreszahl - eigentlich schon vergangenes Jahr hätte stattfinden sollen; wegen der Corona-Pandemie wurde sie verschoben. Nun ist es das erste globale Großereignis, das in Präsenz stattfindet. Besucher müssen entweder einen Impfnachweis oder einen negativen PCR-Test vorlegen. Auf dem Weltausstellungsgelände sei für alles gesorgt, um Hygienemaßnahmen und die Gesundheit der Besucher zu garantieren, versichert die Botschafterin der Vereinigten Arabischen Emirate in Berlin, Hafsa Al-Ulama.

Das wird auch notwendig sein, denn die Veranstalter erwarten bis zu 25 Millionen Besucher während der sechsmonatigen Dauer der Weltausstellung - auch wenn diese Schätzungen immer mit Vorsicht zu nehmen sind, wie vergangene Weltausstellungen gezeigt haben. Auf Bescheidenheit legt man keinen Wert am Persischen Golf, in den Vereinigten Arabischen Emiraten hantieren die Herrscher mit den ganz großen Zahlen. Die Expo 2020 wird ein Mega-Event, wie könnte es anders sein, schließlich sind wir in Dubai, Hotspot des globalen Kapitalismus und Handels, und nicht auf der Düsseldorfer Messe. Zudem ist es die erste Weltausstellung in einem arabischen Land. Geschätzte sieben Milliarden Dollar lässt man sich die Veranstaltung kosten, dafür sollen 300 000 Jobs entstehen. Das Leitthema »Connecting Minds, Creating the Future« deutet an, dass die Veranstalter auf den Austausch setzen, um Innovation zu befördern. Nachhaltigkeit ist dabei eins der zentralen Themen, zusammen mit Mobilität und Chancen - aber ist Nachhaltigkeit in der Wüste realistisch? Die Klimakrise trifft auch die Golfregion, wo pro Kopf so viel Energie verbraucht wird wie in wenigen anderen Ländern. Dubai will bis 2030 den größten Solarpark weltweit bauen, der dann geschätzt ein Viertel des gesamten Dubaier Energiebedarfs decken soll.

Die Expo-Ausstellungsfläche liegt in Dubai South, nahe des Flughafens, und könnte zweimal das Fürstentum Monaco schlucken. Rund 190 Länder nehmen teil, jedes mit einem eigenen Ausstellungspavillon - ein Novum bei Weltausstellungen. 80 Prozent der zur Expo errichteten Gebäude soll auch nach Ende der Veranstaltung weiter genutzt werden, unter anderem für eine Hochschule. Mit Baden-Württemberg ließ sich selbst ein Bundesland die Gelegenheit nicht entgehen, Gesicht zu zeigen mit einem eigenen Pavillon, vollautomatisch gefertigt und aus Schwarzwald-Holz; auch Rothaus-Bier und badischer Wein sollen ausgeschenkt werden. Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut sprach denn auch von einer »einmaligen Gelegenheit«, um »die Innovationskraft, Stärke und Kreativität Baden-Württembergs« zu präsentieren.

Auch Deutschland wird nicht fehlen und in seinem »Campus Germany« getauften Expo-Pavillon Ideen rund um das Thema Nachhaltigkeit präsentieren. Name und Struktur des Pavillons sollen einem Universitätscampus nachempfunden sein. Die zentrale, offene Terrasse ist in drei Themen aufgeteilt - »Energy«, »Future City« und »Biodiversity« -, und Besucher können Lösungen für ein nachhaltigeres Leben ausprobieren.

Man hätte erwarten können, dass das ein oder andere EU-Land nicht an der Expo 2020 teilnimmt, schließlich hatte das Europäische Parlament kürzlich die Mitgliedstaaten wegen der Menschenrechtslage in den VAE zum Expo-Boykott aufgerufen. Dieser Aufruf lief jedoch erwartungsgemäß ins Leere. Dass Dubai und die Emirate nicht nur Sonne und Licht sind, sondern auch ihre Schattenseiten aufweisen, ist nicht neu. Dazu gehören vor allem der Umgang mit Menschenrechten. So listet Reporter ohne Grenzen die Emirate im World Press Freedom Index derzeit nur auf Platz 131 von 180. Und die Arbeitsbedingungen der meist südasiatischen Bauarbeiter, die die Megaprojekte in den Golfstaaten errichten, widersprechen häufig internationalen Standards. Auf der Expo 2020 solle das Arbeitsrecht Ausbeutung der Beschäftigten verhindern, sagt Botschafterin Al-Ulama.

Mit der Expo wollen sich die Emirate in ein strahlendes Licht tauchen, das Investoren und Touristen aus der ganzen Welt anzieht. Das dürfte gelingen, denn Weltausstellungen ziehen Besucher an und waren schon immer Spielwiese für kreative Köpfe, die - mit viel Steuergeld und Sponsoren - Zukunftsvisionen ausprobieren und spektakuläre Architektur auf Zeit errichten durften. Manchmal blieb davon sogar etwas stehen; zum Beispiel der Eiffelturm: 1889 eingeweiht zur Pariser Weltausstellung, sollte er eigentlich verschrottet werden; er steht noch heute.

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