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Komplizissimus

Ist Brandenburgs SPD-Fraktionschef Erik Stohn überfordert oder für Höheres vorgesehen?

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 2 Min.
Erik Stohn
Erik Stohn

Was Brandenburgs SPD-Landtagsfraktionschef Erik Stohn am späten Dienstagnachmittag auf einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz mitteilte, kam überraschend und machte einen seltsamen Eindruck: Stohn wird künftig nicht mehr Fraktionsvorsitzender sein und empfiehlt als seinen Nachfolger den Parlamentarischen Geschäftsführer Daniel Keller.

Nun möchten Journalisten von Presse, Radio und Fernsehen die Gründe erfahren, um sie ihren Lesern, Hörern und Zuschauern erklären zu können. Doch was Stohn andeutete, war wenig geeignet, den Nebel zu lichten. Er wolle sich in die Koalitionsverhandlungen auf Bundesebene einbringen, kündigte er an. »In den Koalitionsverhandlungen muss soviel Osten stecken wie noch nie«, lautete einer seiner Sätze. Zu seiner künftigen Rolle sagte er: »Zu gegebener Zeit gibt es wieder was mitzuteilen.« Mehr verriet er nicht, entschuldigte das mit »Vertraulichkeit«.

Das gibt Anlass für Spekulationen. Hat der inzwischen in Potsdam wohnende SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz den Sohn einer alleinerziehenden Verkäuferin, der während seines Jura-Studiums Bafög bezog, für höhere Aufgaben in Berlin vorgesehen, etwa als Ostbeauftragten? Doch dafür sollte der 37-Jährige Bundestagsabgeordneter sein. Ist er aber nicht.

Vielleicht ist alles nur ein Missverständnis. Stohn verheddert sich oft in seinen unnötig umständlichen Formulierungen. Vor der Landtagswahl 2019 wurden bereits Wetten abgeschlossen, ob er danach wegen Unfähigkeit als Generalsekretär der märkischen SPD abgelöst wird. Nachdem die SPD damals doch noch deutlich an der AfD vorbeizog, kam es nicht dazu. Seine Auftritte im Landtag sind keine Referenz für einen Karrieresprung. Gerüchteweise geht Stohn nur einer Kampfkandidatur von Daniel Keller aus dem Weg. Eine Bestätigung dafür gibt es aber nicht – und auch noch keinen Termin für den Personalwechsel.

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