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ATP untersucht Gewaltvorwürfe gegen Zverev

Ex-Freundin wirft dem Tennisstar Misshandlungen vor. Der Hamburger hofft auf späte Entlastung

  • Von Maximilian Haupt, Indian Wells
  • Lesedauer: 3 Min.
Alexander Zverev wirkt genervt von den Vorwürfen seiner Ex-Freundin. Doch die Anschuldigungen sind brisant.
Alexander Zverev wirkt genervt von den Vorwürfen seiner Ex-Freundin. Doch die Anschuldigungen sind brisant.

Nach dem öffentlichen Training ging Alexander Zverev in die Offensive und kommentierte voller Hoffnung die angekündigte Untersuchung der Profitour ATP zu den Gewaltvorwürfen seiner Ex-Freundin. »Es ist für mich sehr schwer, meinen Namen reinzuwaschen. Ich selbst habe oft darum gebeten, dass das passiert. Das ist keine schlechte Entwicklung für mich. Ich bin tatsächlich glücklich darüber, weil das hoffentlich dazu führt, dass das Thema dann erledigt ist«, sagte der Tennis-Olympiasieger am Mittwoch.

Die frühere Freundin des 24-jährigen Hamburgers, Olga Scharipowa, hatte ihm vorgeworfen, sie unter anderem im Oktober 2019 während des ATP-Turniers in Shanghai geschlagen zu haben. Zverev bestreitet diese und weitere Anschuldigungen. Er gab sich in Indian Wells vielmehr überzeugt davon, bereits »auf vielen Wegen bewiesen« zu haben, unschuldig zu sein. Zverev hatte bereits zuvor behauptet, ein Gericht habe festgestellt, Scharipowas Behauptungen seien falsch. Den entsprechenden Beschluss jenes nicht genannten Gerichts blieb er bislang allerdings schuldig. Da es sich um eine einstweilige Verfügung handeln soll, ist ohnehin zweifelhaft, dass schon in der Sache geurteilt wurde. Scharipowa selbst hat bislang immer abgelehnt, Zverev zu verklagen. Sie wolle lediglich die Wahrheit erzählen, sagte sie dem Magazin »Slate«. Das führte jedoch auch zum langen Zögern von Seiten der ATP, da diese den eigenen Regularien zufolge bis vor Kurzem nur einschritt, wenn ein Vorfall vor Gericht landete.

Die ATP hat zu lange gewartet

Sportlich ernst wird es für Alexander Zverev in Indian Wells erst am Wochenende. Nach einem Freilos bekommt es die Nummer drei der Setzliste in Runde zwei mit Cem Ilkel aus der Türkei oder dem US-Amerikaner Jenson Brooksby zu tun. Doch Tennis spielte in der ersten Pressekonferenz vor Ort kaum eine Rolle. Stattdessen ging es um die Untersuchung der ATP, die Zverev begrüßte. »Um ehrlich zu sein: Sie hat ein Jahr zu lange damit gewartet«, sagte der Weltranglistenvierte.

Die Tour verurteile jede Form von Gewalt oder Missbrauch und werde solchen Vorwürfen in Bezug auf ein von ihr veranstaltetes Turnier nachgehen, hatte die Organisation zu Wochenbeginn mitgeteilt - eine Entwicklung, die auch Andy Murray befürwortet. Als einer der wenigen Profis auf der Tour hatte der Brite zu dem Thema schon zuvor öffentlich Stellung bezogen. »Es hat etwas zu lange gedauert, aber jetzt gibt es einen Prozess und einen festen Ablauf bei Anschuldigungen dieser Art.« Da es sich nun um ein laufendes Verfahren handele, wolle er es nicht mehr kommentieren, bis die Untersuchung Ergebnisse hervorgebracht hat.

Wie genau die ATP die Vorwürfe untersuchen will, ist sogar Zverev noch unklar: »Klar, ich werde befragt, sie wird befragt - aber ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung.« Dennoch hoffe er, dass eine unabhängige Untersuchung nun dazu beitrage, dass das Thema aufgeklärt werden könne.

Dass er trotz der Verdächtigungen sportliche Höchstleistung vollbringen kann, hatte er zuletzt mit dem Halbfinaleinzug bei den US Open bewiesen, obwohl wenige Tage zuvor ein zweiter Artikel mit Vorwürfen veröffentlicht worden war. Überhaupt hat er ein herausragendes Jahr hinter sich, Olympiagold, zwei Masters und vier weitere Turniere gewonnen. Doch all das sei wegen der Vorwürfe in den Hintergrund gerückt, sagte Zverev. Er sei daher froh, dass die ATP aktiv werde. »Damit man das alles mal hinter sich lassen und ich mich wieder auf das Tennisspiel konzentrieren kann.«dpa/nd

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