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Knall mit Ansage

Gewaltsame Ausschreitungen in Kreuzberg bei Protesten gegen die Räumung des »Köpi«-Wagenplatzes

  • Rainer Rutz
  • Lesedauer: 3 Min.

Unmittelbar nach der am Freitag mit einem massiven Polizeiaufgebot durchgesetzten Räumung des »Köpi«-Wagenplatzes in Mitte hatten Unterstützer des linken Wohnprojektes bereits angekündigt, dass die Vertreibung der Bewohner des Geländes nicht das Ende vom Lied sein wird. »Jede Räumung hat ihren Preis, heute Abend knallt’s!«, hieß es auf Twitter. Und tatsächlich sollte es am Freitagabend in Kreuzberg dann ordentlich »knallen«: Bei einer Demonstration gegen die Räumung des Wagenplatzes kam es teilweise zu Auseinandersetzungen, wie sie die Stadt schon länger nicht mehr gesehen hat.

Bis zu 8000 Demonstranten, so zumindest die Schätzung einer Polizeisprecherin, zogen vom Hohenstaufenplatz bis zur Adalbertstraße. Dabei kam es zu Flaschen- und Steinwürfen auf die Polizei, Autoscheiben gingen ebenso zu Bruch wie einige Fenster eines Nobel-Hotels am Oranienplatz, Barrikaden aus Holzpaletten und Warnbaken wurden errichtet, diverse Müllcontainer und mehrere Kfz in Brand gesetzt. Das ganze Programm also.

Die Polizei ihrerseits zeigte sich ebenso wenig zimperlich, gegenüber den Demonstrierenden sowieso, aber auch darüber hinaus. So stürmten Beamte auf rabiate Weise die Kneipe »Goldener Hahn« am Heinrichplatz, der als sogenannter Out-of-Action-Point galt, also als Rückzugsort unter anderem für Sanitäter. Jörg Reichel, Landesgeschäftsführer der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union, berichtete zudem von tätlichen Angriffen auf einen Pressefotografen.

Am Ende der Nacht zählte die Polizei 17 vorläufige Festnahmen auf der Demonstration, insgesamt habe man im Zusammenhang mit der Räumung am Freitag 76 Personen in Gewahrsam genommen. Zudem hätte man »diverse Strafermittlungsverfahren, unter anderem wegen besonders schweren Landfriedensbruchs, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und tätlichen Angriffs, versuchter gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung« eingeleitet. 40 Polizisten seien am Abend verletzt worden, davon hätten aber 38 ihren Dienst fortsetzen können.

»Mit Blick auf die rund 40 verletzten Kolleginnen und Kollegen ist klar, dass wir hier weder über Kindergeburtstag noch Bullerbü reden können«, teilte Benjamin Jendro, Landessprecher der Gewerkschaft der Polizei, am Samstag mit. Der Freitagabend habe »gezeigt, wie scheinheilig hier der Kampf um Freiräume und gegen Gentrifizierung für schwerste Straftaten missbraucht wird und mitunter von politischer Seite Unterstützung erhält«, echauffierte sich Jendro, wohl mit Blick auf die Linkspartei, die die Räumung des Wagenplatzes im Vorfeld kritisiert hatte.

Innensenator Andreas Geisel (SPD) sprach den Demonstranten derweil das Politische ab. »Was wir gestern erlebt haben, ist keine politische Haltung, sondern blinde Zerstörungswut«, erklärte Geisel ebenfalls am Samstag. Es sei zwar »richtig, dass wir in Berlin Freiräume auch für unkonventionelle Wohnformen und alternative Projekte brauchen«, aber »diese Freiräume dürfen keine rechtsfreien Räume sein«, wiederholte Geisel eine Argumentation, die er so ähnlich auch im Zusammenhang mit anderen Räumungen bereits vorgetragen hatte.

Die Polizei, die zwischen Donnerstag und Samstag nach eigenen Angaben rund 3500 Beamte »rund um die Uhr im Wechsel« aufgefahren hatte, zeigte sich erstaunlich zufrieden mit dem Einsatz. Man habe sich bewusst entschlossen, den Demozug »trotz hohen Aggressionspotenzials und begangener Straftaten nicht aufzulösen«. So habe man »dezentrale Störaktionen erfolgreich verhindert«, teilte die Polizei am Samstag mit.

In der Nacht zu Sonntag brannten am Bethaniendamm dann wieder Reifen.

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