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Rückzug einer Unbeliebten

Über den Rücktritt der HU-Präsidentin Sabine Kunst

  • Von Nicolas Šustr
  • Lesedauer: 2 Min.
Sabine Kunst gibt ihr Amt als Präsidentin der Humboldt-Universität zu Berlin zum Jahresende auf.
Sabine Kunst gibt ihr Amt als Präsidentin der Humboldt-Universität zu Berlin zum Jahresende auf.

Tränen wird man beim RefRat, der Studierendenvertretung der Berliner Humboldt-Universität wegen des überraschenden Abgangs der Präsidentin Sabine Kunst nicht vergießen. Zu oft hat die Sozialdemokratin mit ihrer robusten Vorgehensweise Porzellan zerschlagen. Seien es die später zurückgenommene Kündigung des Soziologen Andrej Holm oder weitere Auseinandersetzungen gewesen, die auf eine konservative Gesinnung schließen lassen. Deutlich war auch der gesunkene Zuspruch für die Präsidentin bei ihrer Wiederwahl Ende 2020. Nur noch 57 Prozent der Stimmen des Konzils konnte sie auf sich vereinen, fünf Jahre zuvor waren es noch 86 Prozent gewesen. Viele Konflikte schienen in der von Kunst zum Ausdruck gebrachten Schärfe vermeidbar gewesen.

Dass Rot-Rot-Grün mit dem novellierten Hochschulgesetz den Kettenbefristungen wissenschaftlicher Mitarbeiter, also prekärer Arbeit, ein Ende setzen wollte, ist unbestritten zu begrüßen. Man muss Sabine Kunst jedoch zugestehen, dass die Begründung für ihren Rücktritt durchaus stichhaltig sein kann. Tatsächlich fehlen der Universität wohl die finanziellen Ressourcen, um den Systemwechsel - weg von Hire and Fire, hin zu Guter Arbeit - glatt hinzubekommen. Es ist eine ungute Tradition in Berlin, dass vom Landesgesetzgeber finanziell abhängige Einheiten - seien es Unternehmen, die Bezirke oder eben auch Universitäten - einfach sehen müssen, wie sie mit den gesetzten Rahmenbedingungen klarkommen. Ob der Rücktritt nicht vielleicht eher Ausweg aus einer, maßgeblich auch von ihr selbst, vergifteten Atmosphäre an der HU war, die Kunst nur noch wenig Handlungsraum ließ, steht auf einem anderen Blatt.

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