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»Wir müssen uns mehrere Hüte aufsetzen«

Ein Gespräch mit dem Aufsichtsrat der nd-Genossenschaft über seine Rolle, linke Wirtschaftskultur und Geschäftszahlen

  • Von Interview: Ines Wallrodt
  • Lesedauer: 4 Min.

Das geht doch eigentlich gar nicht: Ein Mitglied des Genossenschaftsvorstands interviewt den Aufsichtsrat. Bestätigen wir damit nicht alle Klischees vom Abnickverein?

Daniel Lücking: Eigentlich nicht. Wir müssen uns mit den personellen Kapazitäten in der Redaktion sehr oft mehrere Hüte aufsetzen, um aller Verantwortung gerecht zu werden.

Daniela Schmidtke: Da stimme ich zu. Und sich gegenseitig zu interviewen, bedeutet ja nicht, dass wir unsere Aufgabe als Aufsichtsrat gegenüber dem Vorstand nicht sachgerecht ausüben.

Bei Aufsichtsräten denkt man zuerst an Männer, die Unternehmensentscheidungen nur abnicken und dafür gut bezahlt werden. Was sind linke Aufsichtsräte?

Daniel: Also reich wird man als nd-Aufsichtsrat ganz sicher nicht. Das ist ein Ehrenamt. Aber wir können dazu beitragen, dass diese Zeitung eine Zukunft hat. Und das ist dann für uns so etwas wie ein Lohn.

Daniela: Was genau linke Aufsichtsräte sind, ist schwer zu sagen. Im Großen und Ganzen ist der Aufsichtsrat ein Kontrollgremium und sollte diese Funktion auch wahrnehmen. Links wäre hier dann eher das Selbstverständnis des »nd« als Genossenschaft und journalistisches Medium.

Jana Frielinghaus: Ein Aufsichtsrat kann nicht links sein, weil er keine politischen, sondern formale Kontrollaufgaben hat. Politische Wirkung hat seine Arbeit höchstens indirekt, wenn er zur Stabilität der Genossenschaft beiträgt.

Welche Aufgabe hat der Aufsichtsrat bei der nd-Genossenschaft?

Daniela: Den Vorstand im Interesse der Mitglieder bei seiner Geschäftsführung zu beaufsichtigen und zu beraten.

Muss das sein?

Daniel: Ja, das ist ja in der Satzung so vorgesehen. Und die Verantwortung für das Projekt soll ja auch auf möglichst viele Schultern verteilt werden. Für mich ist der Aufsichtsrat aber vor allem ein Bekenntnis zur Transparenz innerhalb der Genossenschaft. Der Vorstand arbeitet nicht über die Köpfe der Mitarbeiter*innen hinweg. Das bedeutet für uns aber auch, dass wir die ersten sind, die Alarm schlagen müssen, wenn etwas nicht geduldet werden kann.

Daniela: Ab einer Größe von 20 Mitgliedern ist die Einrichtung eines Aufsichtsrates vorgeschrieben. Seine Aufgaben ergeben sich aus den Paragrafen 38 bis 40 des Genossenschaftsgesetzes, aus der Satzung und der Geschäftsordnung für den Aufsichtsrat.

Was umfasst die Aufgabe konkret?

Daniela: Der Aufsichtsrat muss den Jahresabschluss und den Lagebericht prüfen und der Generalversammlung vor Feststellung des Jahresabschlusses über das Prüfergebnis berichten. Er kann auch die Generalversammlung oder die Versammlung der Mitarbeitenden einberufen, wenn es im Interesse der Genossenschaft notwendig scheint. Als Interimsaufsichtsrat schauen wir auf den Gründungsprozess und lassen uns regelmäßig vom Vorstand über die Geschäftszahlen berichten.

Die Genossenschaft befindet sich derzeit »in Gründung«. Noch führt die nd-GmbH die Geschäfte. Habt ihr überhaupt schon etwas zu tun?

Daniel: Wir verfolgen derzeit die Arbeit des Vorstandes und bringen uns auch beim Marketing und der Werbung für die Genossenschaft mit ein.

Daniela: Eine Genossenschaft in Gründung heißt ja, dass neben der Umstellung der Unternehmensform auch weitere Strukturfragen zu klären sind; Mitarbeitende als Mitglieder und externe Mitglieder müssen eben auch an der Unternehmensentwicklung teilhaben können. Hier sind Fragen zu klären und Dinge gemeinsam zu gestalten. Und natürlich Stimmen und Vorschläge von Mitarbeitenden zu berücksichtigen, gegenüber dem Vorstand zu vertreten.

Jana: Bis zum Jahresende hat tatsächlich im Wesentlichen noch die nd-GmbH-Geschäftsführung das Sagen. Vermutlich wird auf den Aufsichtsrat in Richtung Jahreswechsel einiges an Aufgaben zukommen.

Und später, womit rechnet ihr? Wird das viel Arbeit?

Jana: Zumindest wenn es an die Überprüfung der Jahresabschlüsse und der Tätigkeitsberichte des Vorstands geht, durchaus. Aber es ist kein Job, der das ganze Jahr über großen Zeitaufwand erfordert. Absprachen untereinander und Besprechungen mit dem Vorstand sollte es schon regelmäßig geben. Das ist also mehr als nichts, insofern wäre es schwierig für jemanden, der einen Vollzeitjob und Kinder hat. Aber man kann, das ist in der Satzung festgeschrieben, Beschlüsse auch per Telefon- oder Videokonferenz fassen.

Derzeit hat der Aufsichtsrat drei Mitglieder, zwei aus der Redaktion und eines aus dem Marketing. Können nur Mitarbeitende gewählt werden?

Jana: Absolut nicht. Jede Genossin und jeder Genosse kann kandidieren. Es wäre sogar sehr wichtig, dass eine Person dabei ist, die im Interesse der Menschen, die uns durch Anteilszeichnung unterstützen, darauf schaut, dass Vorstand und Mitarbeitendenversammlung keine ökonomisch unverantwortlichen Entscheidungen treffen.

Daniel: Ich würde mir einen Aufsichtsrat wünschen, der nicht nur aus Kreisen von Redaktion und Verlag besetzt ist, sondern auch von den neuen Genossenschaftsmitgliedern gestellt wird. Das soll keine geschlossene Veranstaltung sein. So eine Gelegenheit, ganz früh an der Entstehung mitzuarbeiten, gibt es nur selten. Ganz besonders, wenn ein schon etabliertes Medium zur Genossenschaft wird.

Muss man als Aufsichtsrat Spezialkenntnisse mitbringen, also etwa Jurist oder Steuerberaterin sein?

Daniela: Nein. Es hilft zwar, Bilanzen lesen zu können. Aber ich gehe davon aus, dass der Vorstand alles so transparent macht, dass wir es verstehen.

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