Für Frauenrechte in Afghanistan

Afghanistans erste Generalstaatsanwältin Baschir wird Italienerin

  • Cyrus Salimi-Asl
  • Lesedauer: 2 Min.

2006, mit 36 Jahren, wurde Maria Baschir Generalstaatsanwältin der westafghanischen Provinz Herat und damit die erste Frau Afghanistans auf diesem Posten. Nun wurde ihr die italienische Staatsbürgerschaft verliehen, teilte Italiens Justizministerin Marta Cartabia am Donnerstag in Rom mit. Maria Baschir war nach der Machtübernahme der Taliban im August aus Afghanistan gebracht worden und am 9. September nach Italien gekommen.

Als Generalstaatsanwältin setzte sich die heute 51-jährige Baschir gegen Korruption, Gewalt gegen Frauen und Kinderehen ein. Während der ersten Taliban-Herrschaft in den 1990er Jahren durfte sie nicht arbeiten. Deshalb gründete sie in ihrem Haus eine Untergrundschule für die eigene Tochter und Mädchen aus der Umgebung. 2011 wurde das US-Außenministerium auf sie aufmerksam und zeichnete sie mit dem International Women of Courage Award aus. Im selben Jahr ernannte die Zeitschrift »Time« sie zu einer der 100 einflussreichsten Persönlichkeiten der Welt.

Maria Baschir wirkte an der Ausarbeitung der afghanischen Verfassung mit, legte sich mit Präsident Hamid Karzai an und war mehrfach Ziel von Anschlägen. Nach Ende ihrer Amtszeit als Generalstaatsanwältin im Jahr 2015 gründete sie ein Anwaltsbüro, das sich der Verteidigung der Frauenrechte verschrieben hat. »Erfreulicherweise wächst das Bewusstsein der Frauen für ihre Rechte«, sagte sie 2012. Heute steht das alles wieder auf dem Spiel.

In ihrer Heimat habe sie sich in Zusammenarbeit mit den italienischen Behörden stets für eine Stärkung des Rechtsstaats eingesetzt, begründete der Ministerrat in Rom seine Entscheidung. Justizministerin Cartabia betonte, Italien wolle mit der Verleihung der Staatsbürgerschaft an Maria Baschir seine Nähe zu allen afghanischen Frauen zum Ausdruck bringen, »die weiterhin für ihre Freiheit und ihre Rechte kämpfen, auch wenn sie dafür einen hohen Preis zahlen müssen«.

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