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Verdi ist mit dem Ergebnis von 2,8 Prozent nicht völlig glücklich

Gewerkschaft und Bundesländer erzielen Einigung im Tarifstreit im öffentlichen Dienst

  • Von Simon Poelchau
  • Lesedauer: 3 Min.
Während der Verhandlungen in Potsdam machten Beschäftigte des öffentlichen Dienstes noch mal Druck.
Während der Verhandlungen in Potsdam machten Beschäftigte des öffentlichen Dienstes noch mal Druck.

Wirklich zufrieden hört sich anders an: Es seien »echt zähe und schwierige Verhandlungen« gewesen, sagte Verdi-Chef Frank Werneke am Montagvormittag, »mit Arbeitgebern, die nichts an Zuwendung und Empathie haben spüren lassen«. Kurz zuvor hatte seine Dienstleistungsgewerkschaft eine Einigung im Tarifstreit mit den Bundesländern im öffentlichen Dienst verkündet.

Nach zahlreichen Warnstreiks unter anderem an Unikliniken, Kitas und Schulen traf sich Verdi am Wochenende mit der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) zur dritten Verhandlungsrunde in Potsdam. Am Sonntag hatte die TdL Verdi ein Angebot vorgelegt, am Montag ging es noch mal kurz in die Verlängerung. Laut Werneke wurde nun ein »respektables« Ergebnis erzielt, das aber nicht »völlig glücklich« mache.

Die Gewerkschaft war mit der Forderung nach fünf Prozent mehr Gehalt in die Verhandlungen gegangen. Dabei sollten bei den Beschäftigten unterm Strich mindestens 150 Euro mehr Gehalt im Monat herauskommen, bei den Beschäftigten im Gesundheitswesen mindestens 300 Euro mehr und bei den Auszubildenden 150 Euro mehr.

Nun kam ein Lohnplus von 2,8 Prozent ab 1. Dezember 2022 heraus. Hinzu kommt eine steuer- und abgabenfreie Einmalzahlung von 1300 Euro. Für Auszubildende, Praktikant*innen und Studierende beträgt sie 650 Euro. Deren Gehalt steigt ab Dezember 2022 um 50 Euro beziehungsweise um 70 Euro im Gesundheitswesen. Der neue Tarifvertrag hat eine Laufzeit von 24 Monaten.

Für die Beschäftigten im Gesundheitswesen konnte Verdi die Anhebung einiger Zuschläge herausschlagen. So steigt zum Beispiel an den Unikliniken die Intensiv- und Infektionszulage von 90 auf 150 Euro, was einer Erhöhung von bis zu 67 Prozent entspricht. Laut Verdi entspricht das Verhandlungsergebnis einer durchschnittlichen monatlichen Einkommenssteigerung von 230 Euro für Intensivpflegekräfte, für Physiotherapeut*innen sind es im Schnitt rund 180 Euro und für Laborkräfte 220 Euro.

Der Abschluss gilt unter anderem für rund 1,1 Millionen Tarifbeschäftigte sowie 1,2 Millionen Beamt*innen und 880 000 Versorgungsempfänger*innen der Länder. Verdi verhandelte in einer Tarifgemeinschaft zusammen mit dem Beamtenbund dbb und für die Gewerkschaften GdP, GEW und IG BAU. Ein Erfolg für die Gewerkschaften war dabei auch die Zurückweisung der Arbeitgeberforderung nach einer Reform der tariflichen Eingruppierung. »Den Anschlag auf die Eingruppierung der Beschäftigten konnten wir abwehren«, sagte dazu Beamtenbund-Chef Ulrich Silberbach.

Zudem vereinbarte Verdi mit der TdL Gespräche zu den Arbeitsbedingungen für studentisch Beschäftigte an Hochschulen. In der TdL sind alle Bundesländer vertreten, mit Ausnahme von Hessen. Mit diesem Bundesland hat Verdi bereits einen separaten Tarifvertrag geschlossen.

Hinweis: Ursprünglich hieß es im Text: »Nun kam ein Lohnplus von 2,8 Prozent ab 1. Dezember heraus.« Da die Lohnsteigerung erst zum 1. Dezember 2022 geschieht, wurde dies nachträglich korrigiert.

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