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Keine Entwarnung für Kiefer, Eiche und Co.

Nur sechs Prozent der Bäume in Berlins Wäldern sind gesund - und auch das Jahr 2021 war wieder zu trocken und heiß

  • Von Tomas Morgenstern
  • Lesedauer: 4 Min.
Och dit is Berlin: Hinweisschild im Naturschutzgebiet Teufelsmoor in Berlin-Köpenick. Hier befinden sich ein Naturlehrpfad und das Lehrkabinett Teufelssee der Berliner Forsten.
Och dit is Berlin: Hinweisschild im Naturschutzgebiet Teufelsmoor in Berlin-Köpenick. Hier befinden sich ein Naturlehrpfad und das Lehrkabinett Teufelssee der Berliner Forsten.

Berlins Erholungswäldern geht es schlecht, die allermeisten Bäume zeigen mehr oder weniger starke, zumeist witterungsbedingte Schäden. Das belegt der Waldzustandsbericht 2021, den Umweltsenatorin Regine Günther (Grüne) am Montag in einer Online-Pressekonferenz vorstellte. »Der Wald in Ballungsräumen wie Berlin ist zentral für alles: einerseits für die Kühlung, für die Lufthygienesituation, und natürlich - wir haben es gerade in der Corona-Situation gesehen - ist er für die Erholung ein unschätzbares Gut«, so Günther. »Und dieses Gut ist in Gefahr.« Der Waldzustand sei auf ähnlich schlechtem Niveau wie 2020, es gebe keine Entwarnung.

Wer dieser Tage durch die tropfnassen Wälder in und um Berlin wandert, sitzt womöglich einem Irrtum auf: Den meisten Bäumen geht es nicht gut - vor allem, weil es ihnen an Wasser mangelt. Seit 2018 liegen die Niederschläge regelmäßig deutlich unter den langjährigen Mittelwerten, selbst wenn 2020 und vor allem auch in diesem Jahr eine gewisse Entspannung registriert wurde. »Trotz etwas besserer Witterungsbedingungen als in den Vorjahren bleibt der Gesundheitszustand der Berliner Waldbäume im Jahr 2021 kritisch«, so fasst die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz die Kernbotschaft des Waldzustandsberichtes 2021 zusammen.

»Die enorme Belastung aus den Trockenjahren 2018 bis 2020 setzt dem Berliner Wald weiter zu«, erklärte Senatorin Günther. »Solch extreme Witterungen werden in der anhaltenden Klimakrise immer häufiger auftreten. Diesem Trend haben wir in der vergangenen Legislaturperiode mit zahlreichen Anstrengungen entgegengesteuert, um die Berliner Wälder mit ihrem unschätzbaren Wert für das Stadtklima, für Biodiversität und als Erholungsraum für die Berlinerinnen und Berliner zu schützen.«

Die große Mehrheit der Waldbäume ist in ihrer Vitalität mehr oder weniger stark eingeschränkt. Klassifiziert wird ihr Zustand in drei Kategorien: ohne Schäden, Warnstufe 1 (geringe Schäden) und Warnstufe 2 (deutliche Schäden). Laut Bericht zeigt weiterhin gut ein Drittel (34 Prozent) der Waldbäume im Land deutliche Schäden (minus zwei Prozent gegenüber 2020). Auf 60 Prozent (plus drei) ist der Anteil der zumindest leicht geschädigten Waldbäume gewachsen. Inzwischen nur noch sechs Prozent (minus ein Prozent) der Bäume zeigen keine sichtbaren Schäden. Das sei der bisher geringste Anteil gesunder Bäume am Gesamtbestand seit Beginn der Erhebungen zum Waldzustand im Jahr 1991, heißt es.

Der Umweltorganisation BUND zufolge sind rund 18 Prozent der Fläche Berlins bewaldet, ist das Land mit 29 000 Hektar Wald weltweit größter kommunaler Waldbesitzer. Nach Angaben von Gunnar Heyne, seit 1. März 2021 Leiter der Berliner Forsten, ist die Kiefer mit 60 Prozent weiter die vorherrschende Baumart, gefolgt von der Eiche. Mit 21 Prozent sei sie der zweitwichtigste Waldbaum in Berlin. Der Anteil der Eichen nimmt dank der Entwicklung naturnaher Mischwälder und der jährlichen Nachpflanzungen kontinuierlich zu. »Der Rest verteilt sich auf sonstiges Laub- und Nadelholz, so die Buche mit vier Prozent«, so Heyne.

Die Baumarten reagierten differenzierter auf Stressfaktoren. Leider pendle sich selbst die trockenheitstolerante Kiefer auf schlechte Werte ein. »Aus meiner Sicht sind das vor allem Nachwirkungen des extrem trockenen Jahres 2018 und der dann nachfolgenden, sehr trockenen Jahre 2019, 2020 und auch 2021.« Nur noch drei von 100 Kiefern sind ganz gesund. Er sei der Hoffnung, dass das wieder besser werde - aber es werde ein paar Jahre brauchen. Dass sich die 2020 messbare Regeneration der Eichen nicht fortgesetzt, sondern verschlechtert habe, hält Heyne für einen zeitlich begrenzten Effekt. Insgesamt leicht verringert habe sich die Absterberate von Bäumen. »Es sterben aber immer noch zu viele Bäume ab«, so der Leiter der Forsten.

Für das zu Ende gehende Jahr konstatierte Gunnar Heyne: »Es ist zum Glück nicht schlimmer geworden, leider aber auch nicht besser.« Als Berliner Förster habe er aber die Hoffnung, dass es wieder besser wird.

Für den Waldumbau seien seit 2017 insgesamt 1,9 Millionen neue Bäume gepflanzt worden, informierte Senatorin Günther. Das Budget für die Berliner Forsten wurde auf 1,8 Millionen Euro deutlich erhöht. Man habe 20 neue Mitarbeiter eingestellt. Zudem seien im Doppelhaushalt 2020/21 drei Millionen Euro zusätzlich für Waldumbau und Brandvorsorge bereitgestellt worden. Intensiviert habe man die Zusammenarbeit mit der Feuerwehr.

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