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Vermeintlich vertrauenswürdig

Stephan Fischer zu sozialen Medien und Migrationsrouten

  • Von Stephan Fischer
  • Lesedauer: 1 Min.
Das von der belarussischen Staatsagentur BelTA zur Verfügung gestellte Handout zeigt Migranten, die in Schlafsäcken auf Paletten in einem Logistikzentrum nahe der polnisch-belarussischen Grenze liegen.
Das von der belarussischen Staatsagentur BelTA zur Verfügung gestellte Handout zeigt Migranten, die in Schlafsäcken auf Paletten in einem Logistikzentrum nahe der polnisch-belarussischen Grenze liegen.

Warum haben im Sommer und Herbst dieses Jahres so viele Migranten, teils ganze Familien, mit dem Ziel EU und dort größtenteils Deutschland die zuvor fast unbekannte Route über Belarus gewählt? Zum einen natürlich, weil Lukaschenko den Weg freimachte. Aber warum sollte jemand aus Syrien, dem Irak oder Afghanistan dem belarussischen Machthaber so weit vertrauen, sein Leben oder das Leben Anderer dabei aufs Spiel zu setzen? Kann man denn so naiv sein? Nein, kann man nicht. Und das war wohl auch niemand von denen, die dort an der EU-Außengrenze strandeten.

Die Migranten haben natürlich vertraut – auf Landsleute, Schlepper, vermeintliche Helfer. In den meisten Fällen jedoch nicht persönliche Kontakte, sondern über sogenannte soziale Medien. Teure Angebote von Schmugglern in Onlinegruppen, irreführende Informationen, dass etwa Polen seine Grenzen öffnen würde – über Onlinenetzwerke verbreiteten sich (Falsch-)Informationen schnell. Die Migranten sind die Leidtragenden: Für Lukaschenko sind sie Spielball, für Polen vermeintliche Bedrohung, für Schmuggler Geldquelle. Soziale Netzwerke beteuern, beispielsweise Falschinformationen schnell zu löschen – doch stranden Menschen auch wegen dieser in einer Sackgasse aus Kälte und Matsch.

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