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Wenn Merkel weg ist

Andreas Koristka nimmt Abschied von der Kanzlerin. Und von ihrem unverwechselbaren Sound

  • Von Andreas Koristka
  • Lesedauer: 3 Min.
Angela Merkel: Wenn Merkel weg ist

Eine Ära ist der Beendigung zugeführt worden. Am Donnerstag wurde die Amtszeit ausgeläutet, die als diejenige von Dr. Angela Merkel in die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland eingehen wird. Es war eine Zeit, die von Erhöhungen und Vertiefungen eine Prägung erfuhr, die auf ganz besondere Weise das Bild unseres Landes in aller Welt einer Veränderung wird unterzogen haben.

Nicht alles an dieser Amtszeit war von größtmöglicher Schlechtigkeit bestimmt. Lassen Sie mich das in aller Klarheit sagen: Vieles hatte auch sein Gutes für die Menschen im Land, deren Wohlergehen Angela Merkel eine größtmögliche Legung am Herzen war. Die Behandlung der Bürgerinnen und Bürger nach einheitlichen Maßstäben war Angela Merkels höchstes Anliegen und wurde von ihr immer in einer Weise durchgeführt, die stets gleich war. Der Kanzlerin war es egal, welches Ansehen jemand genoss. Das Zuhören war eine Sache, deren Eingestehung sie allen Personen ungeachtet ihres Ansehens möglich werden ließ. Egal, ob dick oder dünn, groß oder klein, ob Manager von Audi oder VW.

Anfangs war sie im Kanzleramt eine Frau, die auf die Komischkeit ihrer Frisur reduziert wurde, was sie persönlich, sicherlich auch in diesem Ausmaß, möglicherweise durchaus auch überrascht gemacht haben wird.

Später wurden ihre Haare der neuen Sachlage angepasst. Die Föhnung wurde von Udo Walz unternommen, der ihrem Aussehen eine Generalüberholung spürbar werden ließ. Jetzt war das Ankommen Merkels im neuen Amt auch optisch sichtbar geworden.
Ein paar Stichworte der letzten 16 Jahre: Fukushima, Flüchtlingskrise, Kartoffelsuppe. All diese Dinge stellten sie vor Herausforderungen, die zu meistern ihr eine ganz besondere Herzenssache waren. Probleme waren dazu da, von ihr wahrgenommen zu werden, damit ihnen durch strategisches Abwarten eine Lösung unter der speziellen Betrachtung ganz unterschiedlicher Aspekten ein Stück weit zugeführt werden konnten.
Das Wort »Aussitzen« war eines, das diesen komplexen Prozess ihres politischen Schaffens in einer Weise bezeichnet, die als ungenügend empfunden werden könnte. Angela Merkel wuchs mit ihrem Land. Ihre anfängliche Schüchternheit war sie bereit abzulegen, um später unvorbereitet in die Umkleidekabine der Nationalmannschaft zu platzen und den nackten Mesut Özil zu Selfies zu zwingen. Angela Merkel hatte ein Selbstvertrauen zu fassen vermocht, welches ihr ermöglichte, Souveränität und Würde zu versprühen, die nicht einmal Horst Seehofer zu zerstören in der Lage war.

Ein weiteres Amt anzustreben ist eine Sache, die zu unternehmen sie wohl in absehbarer Zeit nicht bereit sein wird. Deshalb kann man schon jetzt sagen, dass der Verlust von Angela Merkel einer ist, welcher für viele Menschen in unserem Land ein schmerzlicher sein wird. Ihre Abschiedsworte gemahnen uns Deutsche zu einer Erhöhung der allgemeinen Fröhlichkeit im Land. Diese Fröhlichkeit scheint Angela Merkel ein Wunsch zu sein, an dessen Erfüllung mit allergrößter Ernsthaftigkeit wird gearbeitet werden müssen.

Wir sind Angela Merkel zu einem großen Dank verpflichtet, der uns durch ihr Tun und ihre Bereitschaft, sich für die Bundesrepublik Deutschland einzusetzen, in einer Form aufgezwungen wurde, die unwiderstehlich zu sein scheint. Wir werden ihr nie vergessen, dass neben Donald Trump zu stehen sie in einer Weise vernünftig wirken ließ, die durch bloßes Besehen augenscheinlich wurde. Angela Merkel wird an Vermissung nicht zu wenig haben werden.

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