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Die fatalen Folgen der Klimakrise

In Mosambik vernichten Dürren und Überschwemmungen Ernten und Unterkünfte

  • Von Christine Wiid, Inkota
  • Lesedauer: 3 Min.
Der Klimawandel ist gut für den Heerwurm und schlecht für den Mais: 2020 hat die Raupe Nimmersatt in Mosambik fast die gesamte Maisernte aufgefressen.
Der Klimawandel ist gut für den Heerwurm und schlecht für den Mais: 2020 hat die Raupe Nimmersatt in Mosambik fast die gesamte Maisernte aufgefressen.

Schon seit Jahren ist die Klimakrise eine bittere Wirklichkeit in Mosambik. Wenn Wetterextreme häufiger und intensiver zuschlagen, geht es für viele Menschen im Südlichen Afrika ums Überleben. Dürren und Überschwemmungen vernichten Ernten und Unterkünfte in ohnehin schon verletzlichen Regionen mit viel Armut.

Der Zyklon Idai aus dem Jahr 2019 hatte verheerende Folgen für Hunderttausende Menschen in Zentralmosambik - und diese sind bis heute zu spüren. Die zerstörte Infrastruktur konnte immer noch nicht komplett wiederhergestellt werden.

Im Norden Mosambiks, in der Provinz Nampula, leiden besonders die Bäuerinnen und Bauern unter den schwierigeren Bedingungen für die Landwirtschaft. Ihre Ernten sind bedroht. »In den vergangenen Jahren ist der Regen immer unregelmäßiger geworden«, berichtet Alfredo Maciça, ein Bauer aus dem Distrikt Malema. »Bis vor ein paar Jahren konnten wir uns darauf verlassen, dass es in den Monaten Oktober und November ausreichend regnet. Das sind die Monate, in denen wir unser Saatgut auf unseren Feldern aussäen. Aber seit ein paar Jahren können wir uns auf diese Regenfälle nicht mehr verlassen, und unsere Ernte leidet. Die Pflanzen wachsen nicht richtig oder vertrocknen auf dem Feld.«

Die Bäuerinnen und Bauern bemühen sich, vermehrt Saatgut zu verwenden, das längere Trockenphasen übersteht. Sie verlegen wenn möglich ihre Felder in die Nähe von Wasserläufen. Doch die Möglichkeiten sind begrenzt. Wasser wird zu einer immer knapperen Ressource.

Zusätzlich machen Schädlinge den Produzent*innen zu schaffen. »Im vergangenen Jahr haben wir fast unsere gesamte Maisernte verloren«, berichtet die Bäuerin Tércia Ernesto. »Eine Raupenplage - fast alle unsere Felder waren kahl gefressen. Früher, noch vor ein paar Jahren, gab es solche Plagen bei uns nicht.« Der Heerwurm, ein gefährlicher Ernteschädling, wurde erst vor wenigen Jahren auf den afrikanischen Kontinent eingeschleppt. Steigende Temperaturen und starke Winde begünstigen die Ausbreitung des Heerwurms zusätzlich.

Clausto Caetano von der Inkota-Partnerorganisation ANAM kann die dramatischen Effekte des Klimawandels in Mosambik bezeugen: »Ich beobachte schon seit einiger Zeit, dass die landwirtschaftliche Produktion einiger Gemeinden sinkt. Das liegt vor allem daran, dass einige der kleinen Flüsse und Bäche, die vor ein paar Jahren noch das ganze Jahr über Wasser geführt haben, nun oft über Monate ausgetrocknet sind. Es gibt Gebiete, in denen es keine Bachläufe mehr gibt - sie sind alle trocken.«

ANAM versucht deshalb, mit den Gemeinden neue Lösungen für die Wasserversorgung zu finden. Clausto Caetano berichtet: »Eine Möglichkeit, damit umzugehen, ist die Anlage von Staubecken. In der Gemeinde Mathária im Distrikt Ribaue hat ANAM mit Hilfe von Inkota ein solches Becken für alle Anwohner*innen angelegt. So gibt es in der Gemeinde das ganze Jahr über Wasser. Außerdem hat die Gemeinde eine Wasserpumpe erhalten, um die Gemüsefelder effektiv wässern zu können und Tomaten, Kohl, Paprika und Ähnliches anzubauen. Mathária ist ein Vorbild für andere Gemeinden, der Bedarf an Wasserspeichersystemen ist groß.«

Auch politisch engagiert sich ANAM für den afrikanischen Kontinent im Zeichen des Klimawandels. Die Organisation ist Mitglied der PACJA (Pan African Climate Justice Alliance), einer afrikanischen Bewegung, die sich für Klimagerechtigkeit einsetzt. »Klimagerechtigkeit ist für uns ein Weg, sich den Herausforderungen zu stellen, die durch Klimawandel, Kapitalismus und globale Ungerechtigkeit verursacht werden«, sagt Calisto Ribeiro, Geschäftsführer von ANAM. »Klimagerechtigkeit muss ländliche Gemeinden bei der Entscheidung über ihre Zukunft einbeziehen«, fordert er.

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