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Die Schuldenkrise und ihre Kosten

  • Von Christine Wiid, Inkota
  • Lesedauer: 2 Min.

Der Skandal in Mosambik um die »versteckten Schulden« ist einer der größten Korruptionsskandale in Afrika. Die Vorwürfe wiegen schwer: Geldwäsche, Bestechung, Amtsmissbrauch. Jetzt stehen 19 Angeklagte vor Gericht.

Anfang 2016 war bekannt geworden, dass die damalige Regierung unter Umgehung des Parlaments Kredite dreier halbstaatlicher Unternehmen in Höhe von rund zwei Milliarden US-Dollar genehmigt hatte. Das Geld kam von internationalen Banken wie Credit Suisse aus der Schweiz sowie VTB aus Russland und sollte für den Ausbau der Küstenwache, der Schifffahrtsflotte und der Thunfischbranche verwendet werden. Doch die Gelder kamen zum Teil gar nicht bei den Firmen an, große Teile der Milliarden versickerten in den Taschen korrupter Politiker*innen.

Die illegal aufgenommenen Schulden stürzten Mosambik in eine extreme Finanzkrise, deren Auswirkungen dramatisch sind. Ausländische Geldgeber legten ihre Programme zunächst auf Eis, öffentliche Ausgaben mussten stark gekürzt werden, die mosambikanische Währung verlor dramatisch an Wert. Die direkten und indirekten Folgen der Kredite haben laut Berechnungen mosambikanischer und norwegischer Wissenschaftler*innen bereits 11 Milliarden US-Dollar oder 400 US-Dollar pro Kopf in Mosambik gekostet - das entspricht 70 Prozent des gesamtem Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2021, das sich auf 15,83 Milliarden Dollar beläuft.

Millionen Mosambikanerinnen und Mosambikaner hat diese Schuldenkrise ärmer gemacht, und das in einer Situation, in der das Land zudem mit der Coronakrise, Naturkatastrophen und Terrorismus zu kämpfen hat. Insbesondere im sozialen Bereich wurde der Staatshaushalt zusammengestrichen. Im Bildungs- und Gesundheitssektor gab es große Einschnitte, zum einen durch die Folgen der Wirtschaftskrise, zum anderen weil Teile des Staatshaushalts für die Bedienung der Schulden umgeschichtet werden mussten. In den Krankenhäusern mangelt es an Medikamenten, Lehrer erhalten kein Gehalt mehr, den Schulen fehlt das Geld für Unterrichtsmittel.

Erst vor wenigen Wochen hat Credit Suisse einen Vergleich akzeptiert und Mosambik Schulden in Höhe von 200 Millionen US-Dollar erlassen. Dies hilft den Millionen Menschen in Mosambik, die durch das Verhalten der Banken, Geschäftsleute und Politiker*innen in Armut gefangen sind, jedoch kaum weiter.

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