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Populär-Wissenschaftler

Der Virologe Alexander S. Kekulé wurde von der Universität Halle-Wittenberg vorerst des Dienstes enthoben

  • Von Stefan Otto
  • Lesedauer: 2 Min.
Alexander S. Kekulé
Alexander S. Kekulé

Alexander S. Kekulé ist als Virologe geradezu berühmt geworden. Aber er ist auch eine Reizfigur, die es niemandem leicht macht. Schon früh in der Corona-Pandemie hat er gewarnt, dass die 2G-Regelungen trügerisch seien. Diese einfache Festlegung, wer geimpft oder genesen ist, genießt Freizügigkeit, und wer nicht, den treffen Einschränkungen. Der Virologe sah darin einen »Kommunikationsfehler«. Er hielt es für falsch, wenn von einer Herdenimmunität ausgegangen werde und dass durchs Impfen quasi die Freiheit erkämpft werden könne. Schließlich trügen auch Geimpfte und Genesene das Virus weiter. Damit war er am Beginn der vierten Coronawelle für nicht wenige eine lästige Gegenstimme aus der Wissenschaft.

Jetzt aber wird es für den 63-Jährigen selbst unbequem. Denn die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg hat ihn vorläufig vom Dienst suspendiert. Seit 22 Jahren hat er dort den Lehrstuhl für Medizinische Mikrobiologie und Virologie inne und ist Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie des Universitätsklinikums Halle. Es gab offenbar Streit um seine Verpflichtungen als Hochschullehrer.

Möglicherweise hat er die Lehre vernachlässigt, so lauten Gerüchte. Schon lange scheint er ohnehin lieber Beiträge für Zeitungen zu schreiben als für wissenschaftliche Publikationen. Die Universität will sich zu den Gründen der Suspendierung nicht öffentlich äußern; Kekulé selbst sagt, es gehe um eine Formalie, die rasch geklärt werden könnte. Vordergründig zumindest. Der Streit habe aber eine Vorgeschichte, so der Virologe. Schon lange kämpfe er nämlich für eine bessere Ausstattung seines Instituts. Nun werde versucht, ihn unter Vorwürfen loszuwerden. Dagegen werde er rechtlich vorgehen, kündigte er an.

Dass der Mediziner jetzt verstummt, ist nicht anzunehmen. Die öffentliche Aufmerksamkeit prägte ihn nämlich schon von klein auf. Als Neunjähriger spielte er in dem Film »Bübchen« von Roland Klick die Hauptrolle. Kekulé ist so etwas wie eine Rampensau, der die Öffentlichkeit sucht. Trotz seiner Uni-Eskapaden betreibt er weiterhin einen Podcast beim Sender MDR Aktuell. In Zeiten der Pandemie wird er sicherlich auch künftig ein gefragter Experte sein.

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