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Tun Sie was, Herr General

Daniel Lücking über coronaleugnende Soldat*innen

  • Von Daniel Lücking
  • Lesedauer: 2 Min.
Generalmajor Carsten Breuer, Leiter des Corona-Krisenstabs im Bundeskanzleramt sollte es sorgen, wenn Soldat*innen zu Corona-Schwurblern werden.
Generalmajor Carsten Breuer, Leiter des Corona-Krisenstabs im Bundeskanzleramt sollte es sorgen, wenn Soldat*innen zu Corona-Schwurblern werden.

Nicht jeder Eingriff in die körperliche Unversehrtheit muss von Soldat*innen geduldet werden, wenn es der Bundeswehr gerade in den Sinn kommt. Dass dies bei der Corona-Impfpflicht, die quasi in der Truppe eingeführt ist, hochumstritten war, ist nicht mehr als der Spiegel der Gesellschaft, in der sich eine kleinere Gruppe von Menschen dem Impfen geradezu kategorisch verweigert.

Im Fall des angeblichen Oberfeldwebels O., der am Mittwochabend auf einer Demonstration in Rosenheim sprach und sich in Telegram-Gruppen der Impfverweigerer in Szene setzt, ist jedoch eindeutig eine Grenze erreicht. Er ruft zu Demonstrationen auf, kündigt Gegenwehr an und orakelt über Kämpfe, bei denen man »Leichen über Felder verstreuen« werde. Gemeint sind offenbar die Leichen derer, die sich impfen lassen oder Herrn O. dies abverlangen. Ein gefundenes Fressen für rechte Verschwörungstheoretiker. »Laut Aussage des Oberfeldwebels hat die Bundeswehrführung, wenn man hier überhaupt noch von Führung sprechen könne, als Reaktion auf diesen Aufruf Soldaten im Urlaub in den Dienst zurück befohlen«, schreibt ein Journalist der Schwurbel-Szene.

Es bleibt zu hoffen, dass sich beispielsweise der Leiter des Krisenstabes, General Carsten Breuer, dieser Sache annimmt. Selten war ein Verstoß gegen die Grundpflichten des Soldaten und Vorgesetzten, der ein Oberfeldwebel zugleich ist, offenkundiger. Er hat laut Soldatengesetz bei »Äußerungen die Zurückhaltung zu wahren, die erforderlich ist, um das Vertrauen als Vorgesetzter zu erhalten« und auch außerhalb des Dienstes sich »so zu verhalten, dass er das Ansehen der Bundeswehr oder die Achtung und das Vertrauen, die seine dienstliche Stellung erfordert, nicht ernsthaft beeinträchtigt.« Schwurbler-Soldaten sind keine Maulhelden, deren Verhalten rein privat ist. Sie sind ausgebildet an Waffen und sollten bei Drohungen gegen sich und andere stets ernst genommen werden.

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