Was der Markt nicht regelt

Wolfgang Hübner über die Absage der Leipziger Buchmesse

  • Von Wolfgang Hübner
  • Lesedauer: 2 Min.
Leipziger Buchmesse: Was der Markt nicht regelt

Nachdem feststeht, dass die Leipziger Buchmesse zum dritten Mal ausfällt, stellen sich Fragen. Drei Jahre Sendepause – bleibt am Ende mehr übrig als der Schatten dieser traditionsreichen Institution? Was geschieht, wenn man so etwas dem krisengeschüttelten Selbstlauf überlässt, war in den letzten Tagen zu beobachten. Der Markt regelt es so, wie es für ihn am effizientesten ist. Und das heißt für den Markt: Pfeif auf die Buchmesse, pfeif auf die Bücherfreunde und Leser, pfeif auch auf die vielen kleinen Verlage, für die solche Messen eine wichtige Bühne sind. Die großen haben ihre Schäfchen längst im Trockenen; die entscheidenden Geschäfte werden heutzutage anderswo eingefädelt.

Es ist nicht nur ein kulturelles Ereignis, das hier gefährdet ist, weil es das Pech hat, im Pandemiekalender einen ungünstigen Termin zu besetzen. Es geht auch um einen Ort der politischen und kulturpolitischen Auseinandersetzung. Nicht von ungefähr hat sich die Initiative »Verlage gegen rechts« mit einem vehementen Protest zu Wort gemeldet. Aber das sind für den Markt keine Kriterien. Wenn es stimmt, dass die Messe erneut ausfällt, weil große Verlage und Verlagsgruppen fernbleiben, dann kann man an deren Verantwortung als Unternehmen appellieren. Man muss aber auch und vor allem den Staat auffordern, hier aktiv zu helfen. Denn Bücher – und Kultur insgesamt – sind eben nicht nur Handelsobjekte, Verkaufsargumente und Kennziffern für Prokuristen, sondern sie sind elementarer Teil des Lebens und des Austauschs in einer Gesellschaft.

Hinzu kommt im konkreten Fall der Standort Leipzig. Diese Buchmesse ist eines der großen Kulturereignisse im Osten Deutschlands, und deshalb verweist eine Gruppe von Autoren darauf, dass westdeutsche Großverlage die Absage erzwungen hätten. Ein Hinweis auf die Macht- und Vermögensverhältnisse nach mehr als 30 Jahren deutscher Einheit. Und darauf, dass es genügend Gründe gibt, dem Markt zu misstrauen.

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