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Brasilien ins Unglück gestürzt

Bolsonaros korrupter Ex-Justizminister Sérgio Moro tritt als Präsidentschaftskandidat an und besucht Deutschland

  • Von Peter Steiniger
  • Lesedauer: 2 Min.

Er stahl gleich zwei Mal eine Wahl und im Oktober möchte Sérgio Moro gern zu Brasiliens nächstem Präsidenten gewählt werden. Er ist der Mann, der 2016 zum Parlamentsputsch gegen Dilma Rousseff von der linken Arbeiterpartei PT entscheidend beitrug. Zwei Jahre später lieferte der zuständige Bundesrichter bei der Ermittlungsbehörde Lava Jato sein Meisterstück ab: Auf der Grundlage von fingierten Korruptionsanklagen steckte er Rousseffs Vorgänger Lula da Silva in den Knast. Die Ermittler hatte Moro selbst angeleitet. In der Folge durfte mit Lula der klare Favorit nicht zur Präsidentschaftswahl antreten und der Weg war frei für den Diktaturfreund Jair Bolsonaro. Von dem ließ sich Moro, der in enger Fühlung mit US-Stellen und politisch motiviert immer wieder das Recht gebeugt hatte, mit dem Posten des Ministers für Justiz und Öffentliche Sicherheit honorieren. Bis dahin hatte der Manipulator Stein und Bein geschworen, keinerlei politische Ambitionen zu haben.

Kaum im Amt, zogen Moro die Enthüllungen von »The Intercept« über das gegen Lula abgekartete Spiel die Hosen aus. Statt im Kittchen zu verfaulen, kam der nach 580 Tagen im November 2019 wieder frei. Moros Urteile sind mittlerweile annulliert und der Linkspolitiker fordert Bolsonaro zum Duell. Mit dem entzweite sich der Minister bald. Im April 2020 schmiss Moro hin, weil Bolsonaro sich in sein Ressort einmischte, um seinen kriminellen Clan zu schützen. Verbrennen wollte Moro sich nicht, sondern für ein großes Comeback aufsparen. Nach einem Zwischenspiel als Anwalt und bei der US-Consultingfirma Alvarez & Marsal präsentiert sich Moro, geboren 1972 in Maringá im Bundesstaat Paraná, den Wählern nun als goldener Mittelweg. Doch sein Kurs ist deutlich gefallen. Vorbei die Zeiten als der große Star der rechten Presse, dessen Lava-Jato-Gang als »Republik von Curitiba« den Saustall ausmistete. Auch in den hiesigen Medien, die bei Brasiliens Konzernblättern abschreiben, war der promovierte Jurist lange angesagt.

Bevor Moro auf dem Ticket der kleinen Mitte-rechts-Partei Podemos loslegt, besucht er Deutschland. Am 22. März spricht er beim wirtschaftsnahen Lateinamerika Verein in Hamburg - nur vor Mitgliedern. Die brasilianische Community würde ihm gern einen heißen Empfang bereiten.

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