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  • Bayern Münchens Fußballerinnen in der Champions League

Eine »tolle Erfahrung« auf neuer Bühne

Bayerns Fußballerinnen verlieren bei ihrer Premiere in der großen Münchner Arena 1:2 gegen Paris

  • Von Maik Rosner, München
  • Lesedauer: 5 Min.

Als sich die Premiere in der großen Münchner Arena für die Fußballerinnen des FC Bayern dem Ende zuneigte, ging es nach vielen sportlichen Detailanalysen um das große Ganze - und damit auch um die übergeordneten Fragen zum Fußball der Frauen. So wurde Jens Scheuer um einen Ausblick gebeten. Der Münchner Trainer hielt kurz inne, ehe er den Bogen schlug von dem stimmungsvollen Debüt am Dienstagabend hin zu jenen Spielen, die seiner Ansicht nach künftig ebenfalls in diesem Rahmen zur Aufführung kommen sollten. »Es ist toll, dass 13 000 Leute hier waren. Ich denke, das haben meine Mädels auch verdient. Wer das Spiel gesehen hat, dem war nicht langweilig auf der Tribüne«, sagte Scheuer, ehe er den Blick in die Zukunft richtete: »Ich hoffe doch, dass es keine Eintagsfliege war. Sondern dass wir uns die Bühne weiterhin erarbeiten und in der Champions League und bei ausgewählten Spielen so ein Erlebnis wieder haben.«

Aus seiner Sicht und aus der seiner Spielerinnen spricht nichts dagegen. Mehr noch: Sie wünschen sich Wiederholungen, und sie finden ohnehin, dass ihre Premiere in der Münchner Arena längst überfällig war. Scheuer formulierte es so: »Das war Werbung für den Frauenfußball und eine würdige Bühne für meine Spielerinnen.« Präsident Herbert Hainer äußerte die Hoffnung auf eine »Signalwirkung für den Frauenfußball«. Der Vorstandsvorsitzende Oliver Kahn twitterte: »Ein großer Abend für die FCB-Frauen.«

Anlass des Ganzen war das Hinspiel der Münchner Fußballerinnen im Viertelfinale der Champions League gegen Paris Saint-Germain. Der FC Bayern verlor den ersten Vergleich mit Frankreichs Meisterinnen unglücklich mit 1:2 (0:1). Marie-Antoinette Katoto erzielte die Tore für die Gäste in der 19. und 71. Minute jeweils nach Eckbällen und jeweils mitten hinein in Drangphasen der deutschen Meisterinnen, die in der zweiten Halbzeit unter anderem zweimal den Pfosten trafen. Klara Bühl gelang mit einem wuchtigen Freistoß immerhin das 1:2 (84.), wodurch die Münchnerinnen vor dem Rückspiel am kommenden Mittwoch im Pariser Prinzenpark weiterhin realistische Hoffnungen auf den Einzug ins Halbfinale haben.

»Sauärgerlich«, nannte Kapitänin Lina Magull die Niederlage, die zwei Gegentore nach Standards seien »saubitter«, sagte sie beim Streamingdienst DAZN, der das Spiel live übertragen hatte und die Champions League der Frauen insgesamt für sich entdeckt hat. »Aber mit der Leistung können wir wirklich sehr, sehr zufrieden sein. Wir haben über weite Strecken das Spiel dominiert«, befand Magull. Deshalb sei sie »total optimistisch, dass wir nächste Woche unsere Chancen nutzen und auch weiterkommen«.

Mindestens ebenso wichtig wie die sportlichen Aspekte der Veranstaltung war das Signal der Wertschätzung für den Fußball der Frauen, der von diesem Arena-Abend ausging. Dazu zählte auch, dass sich Oliver Kahn erstmals bei einem Spiel der Frauen eingefunden hatte. Auf der Tribüne saßen zudem Präsident Hainer, Sportvorstand Hasan Salihamidzic, Männer-Trainer Julian Nagelsmann sowie seine Spieler Leon Goretzka, Dayot Upamecano und Alphonso Davies, dessen Freundin Jordyn Huitema für PSG kickt und in der 85. Minute eingewechselt wurde. Es waren zur Freude der Fußballerinnen Zeichen des Interesses und der Anerkennung. Vor allem aber wünschen sie sich eine nachhaltige Unterstützung, auch vom Verein. Inwieweit es dazu kommen wird, muss abgewartet werden. Offen ist auch, ob sie erneut in die Arena dürfen, sofern sie ins Halbfinale einziehen sollten.

Während in England, Frankreich, Spanien und Italien die großen Spiele der Fußballerinnen längst in den großen Stadien ausgetragen werden, hatten die Münchnerinnen lange darauf warten müssen. Bisher lag der Rekord bei den Fußballerinnen des FC Bayern bei 7300 Zuschauern, aufgestellt vor fünf Jahren im Stadion an der Grünwalder Straße, ebenfalls in einem Viertelfinale gegen PSG. Nun applaudierte sich das insgesamt sehr lautstarke Publikum selbst, als Stadionsprecher Stephan Lehmann, der sonst die Spiele der Männer begleitet, die neue, fast doppelt so hohe Bestmarke Mitte der zweiten Halbzeit verkündete. Im internationalen Vergleich fällt der Zuspruch aber überschaubar aus. Anderswo werden seit Jahren mittlere fünfstellige Zahlen erreicht. Zum Viertelfinalrückspiel zwischen den Frauen des FC Barcelona und von Real Madrid werden am kommenden Mittwoch 85 000 Fans ins Camp Nou strömen - Weltrekord im Vereinsfußball der Frauen. Die Partie ist seit rund zwei Monaten ausverkauft, alle Karten waren innerhalb von drei Tagen vergriffen. Das Hinspiel gewann Barca am Dienstagabend mit 3:1 - im kleinen Alfredo-Di-Stefano-Stadion von Real.

Selbst wenn derartige Zahlen hierzulande unrealistisch sind, scheint das Potenzial zumindest bei den Topvereinen VfL Wolfsburg und Bayern München groß zu sein. Es müsste nur mehr geweckt werden, so sehen es Branchenkenner. Highlight-Spiele vor großem Publikum und deren Liveübertragungen seien wichtig, um Aufmerksamkeit zu schaffen. Als die größere Aufgabe wird aber angesehen, dauerhaft vierstellige Zuschauerzahlen in der Bundesliga zu erreichen. Für die Entwicklung wäre das wesentlicher, heißt es. Zudem geben andere sportlich und finanziell den Ton an: der FC Barcelona, Olympique Lyon, PSG und die englischen Vereine. Wolfsburg und Bayern laufen der Musik ebenso hinterher wie das Nationalteam von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg, die ebenfalls in der Münchner Arena zuschaute.

Bayerns Kapitänin Magull freute sich danach über eine »tolle Erfahrung«. Es sei »eine gewisse Euphorie« zu spüren gewesen, sagte die Mittelfeldspielerin, »von mir aus könnte das zur Regelmäßigkeit werden«. Am Sonntag steht zunächst einmal die Rückkehr in den Alltag an, zum Bundesliga-Heimspiel gegen die SGS Essen im kleinen Campus-Stadion. Dort fand sich Julian Nagelsmann immerhin schon mehrfach als Zuschauer ein - ohne besonderen Anlass.

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