Entsetzen über russische Gräueltaten in Butscha

Nach dem Rückzug der russischen Armee werden in einem Kiewer Vorort Hunderte Leichen entdeckt

  • Lesedauer: 2 Min.
Ein ukrainischer Soldat auf einer zerstörten Straße im Kiewer Vorort Butscha: Hier wurden zahlreiche Tote gefunden, die zum Teil gefesselt waren.
Ein ukrainischer Soldat auf einer zerstörten Straße im Kiewer Vorort Butscha: Hier wurden zahlreiche Tote gefunden, die zum Teil gefesselt waren.

Der Blick der Kamera aus dem Autofenster zeigt eine Landschaft des Grauens: Alle paar Meter liegen leblose Körper auf der regennassen Straße, Blutlachen auf dem Beton, einem Mann wurden die Hände hinter dem Rücken gefesselt. Immer wieder muss der Fahrer um Leichname herumkurven. Das schockierende Video stammt aus dem Kiewer Vorort Butscha. Das ukrainische Verteidigungsministerium veröffentlichte den Clip am Sonnabend, nachdem sich russische Truppen aus der rund 40 Kilometer nordwestlich von Kiew gelegenen Stadt zurückziehen mussten. Zusammen mit zahlreichen anderen Aufnahmen und Fotos dokumentieren sie möglicherweise ein massives Kriegsverbrechen russischer Truppen in der in Trümmern liegenden Stadt.

»Alle diese Menschen wurden erschossen«, sagte Bürgermeister Anatoly Fedoruk. Die Straßen der Kleinstadt seien mit Leichen übersät. Es stünden Autos auf den Straßen, in denen »ganze Familien getötet wurden: Kinder, Frauen, Großmütter, Männer«. Nach Angaben des Bürgermeisters mussten 280 Menschen in Massengräbern beigesetzt werden, da die drei städtischen Friedhöfe noch in Reichweite des russischen Militärs lagen.

Die Angaben sind nicht unabhängig überprüfbar. Reporter der französischen Nachrichtenagentur AFP bestätigten jedoch, dass Tote in den Straßen lagen. In einer einzigen Straße hätten sie mindestens 20 Tote gesehen. Die Leichen trugen zivile Kleidung. Die meisten Opfer sollen versucht haben, den Fluss Buchanka zu überqueren, um das ukrainisch kontrollierte Gebiet zu erreichen. Dabei seien sie getötet worden.

Der ukrainische Außenminister sprach von einem »absichtlichen Massaker«. »Die Russen wollen so viele Ukrainer wie möglich vernichten«, schrieb Dmytro Kuleba auf Twitter. »Wir müssen sie aufhalten und rausschmeißen.« Er forderte von der G7-Gruppe »neue verheerende« Sanktionen gegen Russland. Moskau bestreitet, Zivilisten anzugreifen.

EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen forderte am Sonntag über den Kurznachrichtendienst eine unabhängige Untersuchung. EU-Ratspräsident Charles Michel hatte dort am Vortag den Tod der vielen Zivilisten als »Massaker« bezeichnet und neue Sanktionen gegen Russland angekündigt. Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) bezeichnete die Bilder aus Butscha am Sonntag auf Twitter als »unerträglich« und sprach von einem »Kriegsverbrechen«. Härtere Sanktionen gegen Moskau seien nötig.
Bereits zuvor hatte Amnesty International Kriegsverbrechen der russischen Armee dokumentiert. mit Agenturen

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