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  • Rassistischer Brandanschlag

Festnahme 30 Jahre nach Brandanschlag

1991 starb Samuel Kofi Yeboah - nun wurde ein tatverdächtiger Rechtsextremist festgenommen

  • Von Markus Drescher
  • Lesedauer: 3 Min.
Am Montag ist der Rechtsextremist Peter S. nach seiner Festnahme dem Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof vorgeführt worden.
Am Montag ist der Rechtsextremist Peter S. nach seiner Festnahme dem Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof vorgeführt worden.

Anfang der 1990er Jahre ereignete sich in Deutschland eine schier endlose Reihe von rassistischen Angriffen auf Asylbewerberunterkünfte und Migrant*innen - das Saarland machte da keine Ausnahme, auch wenn sich die mediale Aufmerksamkeit vor allem auf die Pogrome und Anschläge in Ostdeutschland konzentrierte.

Einer der vielen Attacken im kleinsten Flächenbundesland - ein Brandanschlag auf eine Asylbewerberunterkunft - ereignete sich am 19. September 1991 in Saarlouis. Und endete für den 27-jährigen Ghanaer Samuel Kofi Yeboah tödlich. Noch am selben Tag erlag er seinen schweren Verletzungen. Mehr als 30 Jahre lang konnten die Ermittlungsbehörden den Fall nicht aufklären - bis jetzt. Am Montag gab die Bundesanwaltschaft, die im Jahr 2020 die im Saarland wegen Erfolglosigkeit eingestellten Ermittlungen auf Grundlage neuer Erkenntnisse über- und wiederaufgenommen hatte, die Festnahme eines Tatverdächtigen bekannt. Der Deutsche Peter S. wurde demnach am Montag aufgrund eines Haftbefehls des Ermittlungsrichters beim Bundesgerichtshof durch Beamte des Landespolizeipräsidiums Saarland festgenommen. Am Nachmittag kam er nach der Vorführung beim Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof in Untersuchungshaft. S. werden Mord, versuchter Mord in 20 Fällen sowie Brandstiftung mit Todesfolge zur Last gelegt.

Laut Bundesanwaltschaft soll der Beschuldigte am späten Abend des 18. September 1991 eine Gaststätte in Saarlouis besucht, sich dort mit anderen Rechtsextremen über die rassistisch motivierten Anschläge in Hoyerswerda ausgetauscht und zusammen mit den anderen Gesprächsteilnehmern deutlich gemacht haben, »dass sie die Begehung solcher Anschläge auch in Saarlouis gutheißen würden«. Schließlich soll S. in den frühen Morgenstunden des 19. September 1991 zu dem Wohnheim für Asylbewerber gegangen sein, in dem Yeboah und 20 weitere Menschen lebten, »um dort aus seiner rechtsextremistischen und rassistischen Gesinnung heraus einen Brand zu legen«. Im Treppenhaus des Erdgeschosses soll S. den Angaben zufolge Benzin verschüttet und Feuer gelegt haben, das sich mit großer Geschwindigkeit ausgebreitet und Yeboah im Flur des Dachgeschosses erfasst habe. 18 Hausbewohner blieben damals unverletzt, zwei weitere konnten sich durch Sprünge aus dem Fenster retten.

Ebenfalls am Montag teilte das Landespolizeipräsidium Saarland mit, dass eine im Zusammenhang mit der Nichtaufklärung des Falls im August 2020 eingesetzte Arbeitsgruppe festgestellt habe, dass unter anderem die damalige Organisationsstruktur in Teilen nicht richtig funktioniert habe. »Ich bin erleichtert, dass diese schreckliche Tat, nach über 30 Jahren, endlich aufgeklärt scheint«, erklärte Landespolizeipräsident Norbert Rupp. »Ich entschuldige mich im Namen des Landespolizeipräsidiums dafür, dass offensichtlich auch Defizite in der damaligen Polizeiarbeit zur Einstellung der Ermittlungen geführt haben«, so Rupp.

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