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Eine Nummer zu groß

Die Füchse-Handballer scheitern im Achtelfinale der European League an Nantes

  • Jirka Grahl
  • Lesedauer: 3 Min.

Wird das nun eine gelungene Saison, oder droht 2021/2022 als vermurkste Spielzeit Eingang in die Berliner Handballchronik zu finden? Die Füchse Berlin liegen zum einen auf dem für sie herausragenden zweiten Platz in der Bundesliga, der die Fans von der Champions-League-Teilnahme im nächsten Herbst träumen lässt. Doch zum anderen strichen die Hauptstädter nach dem DHB-Pokal-Aus im Dezember nun am Dienstagabend auch in ihrem Lieblingswettbewerb European League die Segel: 30:33 unterlagen die Füchse dem französischen Spitzenklub HBC Nantes, der bereits das Hinspiel mit 25:24 für sich entschieden hatte und nun im Viertelfinale auf den Bundesliga-Tabellenführer SC Magdeburg treffen wird.

Bei Füchse-Kapitän Paul Drux, der 2015 und 2018 mit dem Verein die European League gewinnen konnte, überwog am Dienstagabend nach dem Match die Enttäuschung: »Die Niederlage ist sicherlich keine Schande, wir haben gegen eine Mannschaft gespielt, die nächstes Jahr wahrscheinlich in der Champions League spielen wird«, befand der 27-Jährige nüchtern gegenüber »nd«: »Aber natürlich tut das weh. Wir wollten weiterkommen, nachdem wir das Hinspiel mit nur einem Tor verloren hatten. Das ist jetzt erst mal eine bittere Pille, die wir schlucken müssen.«

Drux hatte allen Grund zu hadern: Immerhin war es fast 45 Minuten sehr, sehr gut für die Berliner gelaufen. Erstmals war ihre Heimarena wieder komplett für Zuschauer zugänglich, 5281 Menschen waren am verregneten Dienstagabend in die Max-Schmeling-Halle gekommen und machten ordentlich Krach. Es half: In Halbzeit eins taten sich die Berliner in der Abwehr zwar schwer mit Nantes-Kreisläufer Théo Monar (insgesamt sechs Treffer) und den Rückraumwürfen von Kiril Lazarov. Der legendäre nordmazedonische Torjäger (1709 Tore im Nationalteam) ist trotz seiner 42 Jahre nur sehr schwer zu verteidigen. Am Dienstag besorgte er fünf Treffer für Nantes, obwohl ihm der Trainer anfangs der zweiten Halbzeit etwa 15 Minuten Ruhepause verordnet hatte.

Die Berliner schafften es trotz der Klasse des Gegners, zur Halbzeit mit einem kleinen Vorsprung in die Pause zu gehen - 15:14 stand es nach 30 Minuten. Für ein Weiterkommen waren aber zwei Tore Vorsprung notwendig. Spätestens als Mijajlo Marsenić in der 45. Minute nach einem schönen Zuspiel von Fabian Wiede am Kreis zum 25:22 traf, breitete sich Zuversicht bei den Berlinern aus: Die Wende schien machbar.

Doch es folgten fünf schlimme Minuten, in denen Nantes fünfmal traf, die Berliner aber überhaupt nicht: 25:27 stand es plötzlich. Noch neun Minuten blieben. Die Berliner bäumten sich auf, doch die Gäste aus der Bretagne spielten das Match sicher zu Ende. Sie vermieden jegliche Ballverluste in der Offensive, stattdessen gelangen ihnen Tore nach Belieben: über außen, die Mitte und aus dem Rückraum. Weil zudem auch Gäste-Keeper Erik Nielsen überragend agierte und insgesamt 14 Würfe sowie einen Siebenmeter parierte, wirkten alle Bemühungen von Drux und Co. vergeblich. Dieser Gegner war an diesem Abend eine Nummer zu groß für die Füchse.

Als das Schlusssignal ertönte, vollführten die Franzosen ein Freudentänzchen, die Füchse-Spieler verabschiedeten sich dagegen niedergeschlagen von ihren Anhängern. »Es war lange offen, das Niveau des Spiels war wirklich hoch. Wir haben lange mitgehalten, aber am Schluss haben die das ganz verdient gewonnen«, bilanzierte auch Paul Drux. Es bleibe nun, sich auf die Bundesliga zu konzentrieren: »Da haben wir noch neun Spiele vor uns. Vielleicht treffen wir ja Nantes in der nächsten Champions League wieder.«

Weil auch der TBV Lemgo Lippe nach einem 28:28 beim polnischen Spitzenteam aus Płock ausschied (Hinspiel 28:31), ist Titelverteidiger SC Magdeburg der einzige deutsche Klub im Viertelfinale der European League. Die Magdeburger zogen nach einem umkämpften 36:35 gegen Sporting Lissabon in die Runde der letzten Acht ein, im Hinspiel hatten sich beide Klubs 29:29 getrennt.

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