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  • Eishockey: Playoffstart

DEL: Fans kehren zum perfekten Zeitpunkt zurück

Beim Kampf um die deutsche Eishockey-Meisterschaft dürfen auch die Fans wieder in die Hallen: Belohnung für eine haarige Corona-Saison

  • Von Jürgen Holz
  • Lesedauer: 5 Min.
Matt White (M.) war Garant einer starken Hauptrunde der Eisbären Berlin. Ligaweit schoss er die zweitmeisten Tore.
Matt White (M.) war Garant einer starken Hauptrunde der Eisbären Berlin. Ligaweit schoss er die zweitmeisten Tore.

Jetzt geht’s erst richtig los. Mit den Viertelfinalserien der Play-offs startet nach Beendigung der Hauptrunde die Saison der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) endgültig in ihre entscheidende Phase. Bis zu diesem Punkt zu gelangen, war für kein Team einfach, schließlich waren die vergangenen Monate geprägt von coronabedingten Geisterspielen, Quarantäne, Spielverlegungen und Absagen. Obendrein droht nun auch noch ein juristischer Streit. Die Krefelder Pinguine wollen wohl gegen ihren sportlichen Abstieg klagen.

Die Gefahr vor Augen, dass in Zeiten der Pandemie womöglich nicht jede Mannschaft alle 56 Spiele der Hauptrunde austragen kann, hatten sich die DEL-Klubs zuvor darauf geeinigt, für die Festlegung der Rangfolge in der Abschlusstabelle einen Punktquotienten zu nutzen. Demnach war also nicht die erreichte Gesamtpunktzahl ausschlaggebend, sondern der Quotient aus Punkten und der Anzahl der tatsächlich absolvierten Spiele. Tatsächlich waren die Befürchtungen eingetreten, dass acht Spiele von insgesamt neun Klubs bis zum feststehenden Start der Play-offs nicht mehr ausgetragen werden konnten. Betroffen war auch Titelverteidiger Eisbären Berlin, dessen am 6. März angesetzte Auswärtsbegegnung gegen Iserlohn infolge der Team-Quarantäne nicht mehr stattfinden konnte.

Dabei hatte die DEL versucht, dies mit allen Mitteln zu verhindern: Im 31-seitigen Corona-Leitfaden waren die Vorsichtsmaßnahmen deutlich verschärft worden. So durften die Mannschaften nur noch geimpfte Spieler einsetzen. Personen im Teamumfeld ohne Impfschutz mussten dreimal pro Woche PCR-getestet werden. Dennoch gab es nach Ausbruch der Omikron-Mutation viele Teams, die aufgrund etlicher positiver Tests von den Gesundheitsämtern in Quarantäne geschickt wurden. Sogar in der eigentlich geblockten Olympiapause mussten zuvor ausgefallene Partien nachgeholt werden. »Wir müssen alles versuchen, den Spielplan irgendwie auf die Reihe zu bekommen«, hatte DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke gesagt. Und so gingen im Februar zehn Teams aufs Eis, anstatt wie geplant drei Wochen zu regenerieren. So konnte das Ärgste vermieden werden.

Dennoch ist mit einem juristischen Nachspiel zu rechnen. Hauptdarsteller des Sommertheaters sind die Krefeld Pinguine. Erstmals seit 2006 war vor Saisonbeginn wieder der Gang für ein Team in die zweitklassige DEL2 beschlossen worden. Nach dem Aufstieg der Bietigheim Steelers hatte die DEL in dieser Saison mit 15 statt 14 Klubs gespielt, sodass eigentlich die beiden Letzten der Tabelle hätten absteigen sollen. Doch angesichts der nicht abzuschätzenden Corona-Bedingungen waren die Ligaverantwortlichen im Februar übereingekommen, dass es nur einen Absteiger geben solle. Das traf am Ende das DEL-Gründungsmitglied Krefeld.

Seit Jahren finanziell und sportlich angeschlagen wollen die Pinguine nach 31 Jahren Erstklassigkeit den sportlichen Abstieg aber nicht akzeptieren. Der Geschäftsführer des zweimaligen deutschen Meisters (1952 und 2003), Sergej Saweljew, kündigte an, das DEL-Schiedsgericht anzurufen. »Das ist der unsportlichste Abstieg in der Geschichte der DEL und eine Wettbewerbsverzerrung. Niemand versteht, warum das deutsche Eishockey in Zeiten von Corona einen Abstieg in die Zweite Liga braucht.« Aus seiner Sicht gehe es darum: »Wer hat bessere Connections zu den Gesundheitsämtern, die über Quarantäne entscheiden? Im Januar waren sechs unserer Spiele verlegt worden, fünf nicht wegen Corona bei uns, sondern beim Gegner. Wir hatten in Phasen der Nachholspiele dann aber teilweise acht, neun verletzte und nicht einsatzfähige Spieler.«

Ob eine Klage wirklich Erfolgschancen hat, ist zweifelhaft. Unterstützung erhalten die Krefelder aber immerhin von der Spielergewerkschaft SVE: »Man muss sich schon mal anschauen, welches Team wie viele Spiele bestritten hat und zu welchem Zeitpunkt diese Spiele stattgefunden haben oder nachgeholt wurden. Da hat es Krefeld arg getroffen«, sagt SVE-Geschäftsführer Christopher Röder.

Dass die Eisbären trotz des eng getakteten Spielplanes noch am besten mit den Bedingungen in der Coronakrise zurechtkamen, spricht für die gewachsene Qualität im Kader des Titelverteidigers. Mit einer beeindruckenden Erfolgsserie wurde die Hauptrunde schon zwei Spieltage vor Schluss als souveräner Spitzenreiter beendet - mit der Bilanz von 35 Siegen in 55 Spielen und sechs Punkten Vorsprung auf den EHC München, der sogar ein Spiel mehr absolviert hat. »Wir spielten die ganze Saison über ziemlich konstant. Fast immer, wenn die Mannschaft zum Zurückschlagen herausgefordert wurde, zeigten die Jungs, was in ihnen steckt. Darauf bin ich stolz«, lobte Cheftrainer Serge Aubin sein Team.

Ein entscheidendes Plus des Titelverteidigers war, dass prominente Abgänge kompensiert wurden und bewährte Leistungsträger wie Matt White, mit 28 Treffern ligaweit der zweitbeste Torschütze, Marcel Noebels oder der Kapitän Frank Hördler jeweils nahtlos an ihre starken Leistungen in der Vorsaison anknüpften. Zum anderen wurden mit Blaine Byron, Yannick Veilleux, Zach Boychuk Spieler verpflichtet, die für zusätzliche Qualität sorgten. Das trifft auch auf die erst nachträglich angestellten Frans Nielsen, Johan Södergran und Dominik Bokk zu.

Während das Team im Unterzahlspiel stark auftrumpfte und überraschend auf fremdem Eis von 27 Spielen 20 gewann, verwundert den Cheftrainer die eigene Heimschwäche dann doch. Von den insgesamt 20 Niederlagen kassierten seine Männer 13 auf eigenem Eis. »Wir müssen in den Heimspielen noch zulegen«, forderte Aubin mit Blick auf das Viertelfinale und setzt dabei auf »große Unterstützung von den Rängen« nach dem Wegfall der Corona-Beschränkungen in Berlin. »Wir brauchen die Fans. Sie bringen ungeheure Leidenschaft in die Halle. Das spüren die Jungs und treibt sie an.«

Im letzten Heimspiel der Hauptrunde vor einer Woche gegen den Aufsteiger Bietigheim waren bereits mehr als 8000 Zuschauer gekommen, die sodann noch lange nach dem Schlusspfiff den 5:1-Sieg feierten. Das soll auch am Sonntag so sein. Zum Auftakt der Viertelfinal-Play-offs spielen die Eisbären daheim gegen die Kölner Haie, die sich erst am letzten Spieltag als Tabellenzehnter für die Pre-Play-offs qualifiziert hatten und sich dort dann mit zwei Siegen gegen den ERC Ingolstadt durchsetzten. Gegen die Schützlinge von Ex-Bundestrainer Uwe Krupp gelangen den Eisbären in dieser Saison in vier Spielen durchweg nur Siege. Gespielt wird im Viertelfinale nach dem Modus »Best of five«, der auch im Halbfinale (ab 20. April) und Finale (ab 30. April) angewendet wird. Dann wollen auch die Eisbären noch dabei sein und ihre Titelserie mit dem Rekord von neun Meisterschaften verlängern.

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