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Eine Titelchance bleibt dem TTC Eastside Berlin noch

Berlins Tischtennisspielerinnen verlieren das Finale der Champions League knapp

  • Von Klaus Weise
  • Lesedauer: 4 Min.
Nina Mittelham war die einzige Berlinerin, die im Hin- und Rückspiel Siege einfuhr. Ihre drei gewonnenen Spiele reichten aber nicht zum Gewinn der Champions League.
Nina Mittelham war die einzige Berlinerin, die im Hin- und Rückspiel Siege einfuhr. Ihre drei gewonnenen Spiele reichten aber nicht zum Gewinn der Champions League.

Eine Saison ohne Titel: Das hat es in der sportlichen Chronik des TTC Berlin Eastside seit dem Jahr 2013 nicht mehr gegeben. Doch ist es ein Szenario, das seit diesem Wochenende droht. Denn nach dem Scheitern im Pokalhalbfinale Anfang Januar verloren die Berliner Tischtennisspielerinnen in zwei Partien der vergangenen Woche auch das Finale der Champions League. Die letzte Chance zum Feiern bietet nun die Deutsche Meisterschaft. Mit dem Ziel Triple, das der Verein zu Saisonbeginn selbstbewusst verkündet hatte, wird es aber definitiv nichts mehr.

Der laut Manager Andreas Hain eindeutig wertvollste der drei Titel in der europäischen Königsklasse, ging nach der 2:3-Hinspielniederlage bei Polens Dauermeisterinnen von KTS Tarnobrzeg justament mit dem gleichen Resultat am Freitag im Freizeitforum Marzahn vor 300 enthusiastischen Zuschauern verloren. Anstatt den sechsten Triumph in der Champions League zu feiern, gab es für den TTC Eastside die erste Niederlage im Endspielduell mit den Polinnen. Auf der anderen Seite feierten die Gäste ihren zweiten Triumph nach dem von 2019.

Zum dritten Mal standen sich die beiden aktuellen Spitzenteams, die zu Beginn des Wettbewerbs auch an die Positionen eins und zwei gesetzt worden waren, in den Finalduellen gegenüber. 2016 und 2017 hatte Berlin das bessere Ende für sich, diesmal kam es – nicht ganz unerwartet – andersherum.

Das Team aus Tarnobrzeg kommt übrigens ganz ohne Polinnen aus. Stattdessen starten die drei gebürtigen Chinesinnen Yang Xiaoxin, Han Ying und Fu Yu bei Länderspielen mittlerweile für Monaco, Deutschland und Portugal. Letztlich, so gestand es auch Berlins Manager Hain, waren die Gäste in der stärkeren Tagesform, dazu ausgeglichener und in der Besetzung der Einzelspiele auch taktisch cleverer. Beim 2:3 im Hinspiel hatten Nina Mittelham und Britt Eerland die Berliner Zähler geholt, im Rückspiel vor heimischer Kulisse war es nur noch Mittelham, die zweimal punkten konnte.

Der entscheidende Faktor war hie wie da das Schwächeln der vermeintlichen Berliner Führungsspielerin Shan Xiaona, die wie schon in Tarnobrzeg nun auch daheim ihre beiden Einzel verlor. Die 38-jährige Weltranglisten-28. zeigt schon seit längerer Zeit wechselhafte Leistungen. Vor allem mental kann die deutsche Olympiateilnehmerin anders als bisher in Schlüsselsituationen keine Akzente mehr setzen. Beim 1:3 im Schlussmatch gegen die ehemalige Berliner Kollegin Fu Yu war Shan anhand der Körpersprache anzusehen, wie sie die Kräfte verließen und so die Hoffnung auf eine Wende für die Gastgeberinnen schwand. Der vielbeschworene »Druck« leistete zudem ganze Arbeit, denn ein Erfolg von Shan hätte Eastside noch das 3:2 und damit ein »Golden Match« zur finalen Entscheidung gebracht.

Nina Mittelhams kämpferisches Aufbegehren und auch ihr spielerisches Format allein reichten also nicht. »Nah dran ist eben auch vorbei«, sagte sie und gratulierte den Konkurrentinnen. Die für Tischtennisverhältnisse mit 25 immer noch junge mehrfache Deutsche Meisterin, hat ebenfalls eine Saison mit Höhen und Tiefen hinter sich. »Aber sie ist immer auf Vollgas, selbst wenn es mal nicht so läuft«, lobte Trainerin Irina Palina, die nun erstmals ein Finale in der Champions League verloren hat. »Es kommt jetzt darauf an, die Spannung zu halten und sich nicht fallenzulassen«, gab sie sogleich die neue Marschroute vor.

Für das Halbfinale in der Meisterschaft sind die Berlinerinnen dank einer souveränen Vorrunde als Bundesligaerste fest qualifiziert. Ihre Gegnerinnen werden derzeit in den Viertelfinals noch ermittelt.

»Ganz ohne Titel geht die Chose nicht«, sang Andreas Hain leise grinsend vor sich hin und gab sich optimistisch, was die Aussichten in der Bundesliga angeht. Anders als in der Champions League spielt in den Meisterschaftspartien die Breite des Kaders eine größere Rolle. Zwei Doppel und maximal acht Einzelpartien verlangen nach einer Rotation mit mindestens vier formstarken Spielerinnen.

Und auch die Zukunft danach hat der Manager fest im Blick. Einige Neuverpflichtungen seien schon fix, das Team werde jünger werden, versprach er.

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