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»Ich weiß jetzt: Ich kann das«

Nina Mittelham will mit Berlin die Tischtennis-Champions-League gewinnen

  • Oliver Kern
  • Lesedauer: 5 Min.
Nina Mittelham will den TTC eastside am Freitag nach 2020 am liebsten noch einmal zum Gewinn der Champions League schmettern.
Nina Mittelham will den TTC eastside am Freitag nach 2020 am liebsten noch einmal zum Gewinn der Champions League schmettern.

Am Sonntagabend bekamen die Tischtennisfans in der Champions League ein spannendes Finalhinspiel geboten. Sie verloren mit dem TTC Eastside Berlin 2:3 in Tarnobrzeg. Wie fällt Ihr Fazit aus?

Interview
Die 25-jährige Nina Mittelham gilt schon seit Langem als größtes Talent im deutschen Tischtennis. Schon mit 16 gehörte sie zu den Top 100 der Welt. Bis heute kletterte sie auf Rang 24 und hat zudem mehrere EM-Titel gesammelt. Mittelham trainiert mit dem Nationalteam in Düsseldorf, spielt aber seit 2018 für den TTC Eastside Berlin. Mit dem Hauptstadtklub wurde sie dreimal deutsche Meisterin und holte im Dezember 2020 den entscheidenden Punkt zum Gewinn der Champions League. Diesen Erfolg will sie am Freitag im Finalrückspiel gegen Tarnobrzeg wiederholen.

Wir haben nicht gut ins Spiel gefunden, lagen dann auch schnell 0:2 hinten. Das hatten wir uns anders vorgestellt, und wir wussten, dass es von da an unfassbar schwer wird, noch zu gewinnen. Da war es wichtig, dass Britt Eerland uns mit ihrem Sieg gegen Elizabeta Samara wieder zurück ins Spiel gebracht hat und ich dann noch gegen Han Ying den Ausgleich holen konnte. Selbst wenn wir am Ende trotzdem verloren haben, ist am Freitag im Rückspiel noch alles offen: Geht es 3:0 oder 3:1 für uns aus, gewinnen wir direkt. Bei einem 3:2 erreichen wir immerhin das Golden Match. Es ist also noch nichts entschieden. Und das ist das Beste, das wir noch mitnehmen konnten.

Wie funktioniert dieses Golden Match? Das ist ja neu in dieser Saison.

Wenn es dazu kommt, werden drei Begegnungen ausgelost, der Zufall bestimmt also, auf welche Gegnerin man trifft. Und jedes Mal wird nur ein Satz gespielt. Das Team, das zwei dieser drei Sätze holt, hat gewonnen. Im Grunde ist das unberechenbar.

Klingt zumindest sehr spannend. Haben Sie damit schon Erfahrungen gemacht?

Nein, für mich wäre das eine Premiere. Aber ja, das macht es natürlich spannender.

Mit engen Entscheidungen haben Sie aber anscheinend kein Problem: Im Dezember 2020 entschieden Sie das Endspiel der Champions League im allerletzten Satz des allerletzten Duells. Auch am Sonntag lagen Sie gegen Ihre Nationalmannschaftskollegin Han Ying mit 1:2 zurück und drehten die Partie noch. Han war über Jahre hinweg die beste Europäerin überhaupt. Werden Sie in solchen Situationen denn nie nervös?

Natürlich ist man da nervös. Sonst wäre doch irgendwas falsch. Aber man muss damit umgehen können. Ich war in den vergangenen Jahren einfach sehr oft in solchen Situationen und habe gelernt, mit dieser Nervosität umzugehen. Selbst wenn man nicht sein bestes Tischtennis spielt, kann man sich trotzdem steigern. Und dann kann man die Dinger noch gewinnen. So habe ich sehr viele Spiele noch für mich entschieden. Und das gibt mir wiederum Selbstvertrauen. Ich weiß jetzt: Ich kann das, wie aussichtslos es gerade vielleicht auch scheinen mag.

Han ist eine Abwehrspezialistin. Das liegt vielen nicht, weil ihre Angriffsschläge so unangenehm wieder zurückkommen. Sie schienen damit am Sonntag keine Probleme zu haben. Liegen Ihnen Abwehrspielerinnen?

Ich kann gar nicht sagen, gegen wen ich lieber spiele. Aber als ich sehr klein war, konnte ich schon sehr viel gegen Abwehrspezialisten trainieren. Davon profitiere ich noch heute. Je älter man wird, desto schwieriger ist es, sich auf so ein Spielsystem umzustellen. Das Problem habe ich nicht. Ich kenne Han aber natürlich auch sehr gut. Wir haben schon oft miteinander gespielt und trainieren im Deutschen Tischtennis-Zentrum in Düsseldorf miteinander. Wenn man sich so gut kennt, ist das für den Angreifer ein Vorteil, würde ich behaupten.

Tatsächlich trainieren Bundesligateams fast nie zusammen, sondern kommen nur zu den Spielen zusammen. Wird das wenigstens in dieser Woche vor diesem so wichtigen Finalrückspiel anders sein?

Nein, wir sind schon wieder nach Düsseldorf geflogen. Auch meine Teamkameradin Shan Xiaona trainiert ja hier. Wir werden erst am Freitagvormittag noch mal zusammen als Mannschaft in Berlin trainieren. In Düsseldorf sind die Bedingungen für uns einfach ideal. Wir sind in unserem normalen Umfeld, haben unsere Familie hier. Da spielt der Wohlfühlfaktor eine große Rolle, um Bestleistungen abrufen zu können. Das lädt die Energiereserven auf.

Energie werden Sie am Freitag auch endlich wieder von den Fans bekommen. Freuen Sie sich auf viele Zuschauer, nun da die letzten Corona-Maßnahmen in Berlin aufgehoben worden sind?

Ja natürlich, das wird sicher besonders, weil es in den letzten zwei Jahren eigentlich immer sehr wenige waren. Und wenn die Halle voll ist, pusht einen das noch etwas mehr. Ich glaube, dass dann auch noch mal deutlich mehr Überraschungen möglich sind.

Wäre es denn eine Überraschung, wenn Berlin das Rückspiel gewinnt? Der TTC Eastside hat die Champions League seit 2012 schließlich fünfmal gewonnen.

Ich würde sagen, das ist ein Fifty-fifty-Match, auch wenn Tarnobrzeg eigentlich favorisiert ist. In Berlin steht man aber auch immer unter sehr viel Druck, weil hier jeder davon ausgeht, dass wir wieder Deutscher Meister, Pokalsieger und Champions-League-Sieger werden. Man hat aber im Pokal gesehen, als wir im Halbfinale scheiterten, dass es nie Selbstläufer sind. Wir müssen immer wieder aufs Neue unter Beweis stellen, dass all die Titel der letzten Jahre keine Zufallstreffer waren. Deswegen bin ich aber auch nach Berlin gekommen, um mich unter diesem Druck weiterzuentwickeln. Gegen Tarnobrzeg haben wir im Hinspiel gesehen: Wir hätten 0:3 verlieren oder 3:1 gewinnen können. Alles ist möglich. Und am Freitag wird es mit Sicherheit nicht langweilig.

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