• Sport
  • Halbfinale im DFB-Pokal

Union will gegen RB Leipzig die »Sensation«

Die Berliner Fußballer kämpfen um den Finaleinzug im DFB-Pokal

  • Von Alexander Ludewig
  • Lesedauer: 4 Min.

Dieser April könnte in die Vereinsgeschichte des 1. FC Union eingehen. Der bislang letzte von drei Siegen in diesem Monat gelang den Fußballern aus Köpenick am Sonntag. Mit 2:0 gewannen die Berliner am 30. Spieltag der Bundesliga gegen Eintracht Frankfurt und kletterten in der Tabelle auf Rang sechs. Mit Erfolgen in den drei noch folgenden Spielen im April wäre bisher Unerreichtes möglich.

»Es war eine tolle erste Hälfte«, geriet sogar der sonst so zurückhaltende Trainer Urs Fischer nach dem Auftritt seines Teams gegen Frankfurt ins Schwärmen. Schon nach 20 Minuten hatte Union durch Tore von Taiwo Awoniyi und Grischa Prömel mit 2:0 geführt. Und die von ihrem eindrucksvollen Viertelfinalsieg in der Europa League beim FC Barcelona offenbar noch geschwächte Eintracht hätte sich nicht beschweren dürfen, wären in den ersten 45 Minuten noch zwei, drei weitere Gegentreffer dazugekommen. Torschütze und Ersatzkapitän Prömel sprach später von der »besten Halbzeit der Saison«. Nach dem Abpfiff wurde in der ausverkauften Alten Försterei dann auch der verdiente Sieg gefeiert, vor allem aber nochmals der Erfolg im Derby bei Hertha BSC. Und das lange und lautstark: »Stadtmeister, Stadtmeister - Berlins Nummer eins.«

Einer aber wollte partout nicht in den österlichen Jubelgesang einstimmen: Urs Fischer. Seinem Lob für die erste Halbzeit folgte sogleich Kritik. Die zweite Hälfte sei überhaupt nicht gut gewesen. »Wir waren viel zu passiv und sind nur noch dem Ball hinterhergelaufen«, sagte Unions Trainer und kündigte seinen Spielern öffentlich an: »Das werden wir noch ansprechen.«

Gründe für seine mahnenden Worte hat Fischer genug. Zum einen traf seine Analyse zu, Nachlässigkeiten mag kein Trainer. Zum anderen haben er und sein Team sich auf ein neues Saisonziel geeinigt. Das bisherige wurde mit dem Sieg am 1. April gegen Köln erreicht: 40 Punkte, sicherer Klassenerhalt. Das neue Ziel heißt Europa, also Angriff auf die Plätze fünf und sechs. Und das Pokalfinale ist ja auch nur noch eine Partie entfernt.

Weil Fischer den Worten auch Taten folgen lassen will, nimmt er seine Spieler in die Pflicht. Zumal auf dem Weg zu größeren Zielen die Herausforderungen nicht kleiner werden. Gleich zweimal hintereinander geht es jetzt auswärts gegen RasenBallsport Leipzig, zuerst am Mittwoch im Halbfinale des DFB-Pokals, dann am Sonnabend in der Bundesliga. Mit Blick auf diese beiden kommenden Spiele sagte Unions Trainer: »Da werden wir 90 gute Minuten brauchen.«

Im DFB-Pokal hat es Union schon jetzt so weit gebracht, wie lange nicht mehr. Erst zum zweiten Mal steht der Klub überhaupt im Halbfinale. 2001 schaffte es er als Drittligist sogar ins Endspiel, verlor dort mit 0:2 gegen Schalke. Jetzt steht der Teilnahme am alljährlichen Höhepunkt im Olympiastadion nur noch Leipzig im Weg. Mut macht die Bilanz: Nach Niederlagen in den ersten drei Duellen in der Bundesliga konnte Union die letzten beiden Spiele jeweils mit 2:1 gegen RB für sich entscheiden. Einen Sieg der Berliner am Mittwoch stufte Urs Fischer am Ostermontag dennoch als »Überraschung« ein, der Einzug ins Endspiel wäre für ihn eine »Sensation«.

Hoffnung, aus dem Superlativ Realistisches zu machen, gibt das Spiel gegen Frankfurt. Zumindest die erste Halbzeit. Nur zweimal ließen die Berliner die Gäste vor das eigene Tor. »Wir wollten ein Feuerwerk abbrennen«, erklärte Mittelfeldstratege Rani Khedira. Soll heißen: die durch ihre Europareise gestressten Frankfurter weiter stressen. Der Dauerdruck auf Ball und Gegner ließ die Eintracht nie zu ihrem Spiel finden. Die Leipziger haben ebenso intensive Wochen hinter sich. Zuletzt folgte dem Halbfinaleinzug in der Europa League gegen Bergamo der Sieg im Spitzenspiel bei Bayer Leverkusen.

Sollte die Sensation ausbleiben, kommt drei Tage später die Chance auf Revanche in der Bundesliga. Und da hat Union mit 13 Saisonsiegen schon jetzt einen neuen Vereinsrekord aufgestellt. Und bei vier Zählern aus den Spielen in Leipzig und am 29. April gegen Greuther Fürth winkt auch ein neuer Punkterekord in Unions Bundesligahistorie.

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal