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  • Hertha gegen Union

Das Stadtmeister-Triple

Der 1. FC Union gewinnt das Berlin-Derby mit 4:1 und stürzt Hertha ins Elend

  • Von Matthias Koch
  • Lesedauer: 4 Min.
Während sich Unions Kicker von ihren Fans feiern ließen, wurden die jungen Hertha-Spieler von ihren Ultras gedemütigt.
Während sich Unions Kicker von ihren Fans feiern ließen, wurden die jungen Hertha-Spieler von ihren Ultras gedemütigt.

Nach dem grandiosen 4:1-Auswärtssieg dauerten die Köpenicker Feierlichkeiten im Bereich der Marathontor-Kurve minutenlang. »Die Union-Fans waren unglaublich. Es war einfach schön, die Herthaner zum dritten Mal in einer Saison wegzuhauen und zurecht Stadtmeister zu sein«, sagte Unions Mittelfeldspieler Grischa Prömel. »Es gibt nichts Schöneres, als nach so einem Derbysieg in die Kurve zu rennen, sich in den Armen zu liegen und hin und her zu schunkeln. Solche Triumphe brennen sich einfach ein in die Festplatte.«

Mit dem Stadtmeister-Triple hat sich Trainer Urs Fischer bei Union wohl endgültig unsterblich gemacht. Das toppt die Erfolge seit dem Bundesligaaufstieg 2019 und dem dritten sicheren Klassenerhalt im Oberhaus. Wie im Vorjahr könnte sich Union für den Europacup qualifizieren. Am 21. Mai winkt zudem mit dem DFB-Pokalendspiel eine weitere Begegnung im Olympiastadion, sollten die Unioner am 20. April bei RB Leipzig im Halbfinale siegen.

All dies hatten Tausende Unioner Anhänger vielleicht im Hinterkopf, als sie lange nach Spielschluss nach Fischer riefen. Der ist aber nicht der Typ, der sich gern feiern lässt. Die Ehrenrunde überlässt er auch nach Siegen bei Heimspielen stets den Spielern. Doch diesmal war Fischer zu überreden. Und der 56-Jährige kam nicht allein. Er brachte seinen Trainerstab beim Gang zu den Anhängern mit. Ein klares Symbol dafür, wie Fischer tickt: Er sieht den Erfolg der Mannschaft als Gesamtprodukt.

Union hatte bereits das Bundesliga-Hinspiel im November im eigenen Stadion An der Alten Försterei mit 2:0 gewonnen und die Hertha im Januar zusätzlich im Pokalachtelfinale mit 3:2 bezwungen. Damals konnten nur 3000 Teilnehmer inklusive 250 Unioner Fans im Olympiastadion dabei sein. Die Atmosphäre war diesmal eine andere. Beide Fangruppen brannten Feuerwerk ab. Aber die deutliche Überlegenheit Unions aus den vorangegangenen zwei Partien setzte sich fort. Zur Pause hätten die Eisernen schon mit drei oder vier Toren führen können. Doch lediglich Japans WM-Fahrer Genki Haraguchi hatte bis dahin getroffen – per Kopf in der 31. Minute.

Mit Glück hätte die ideenlose und überforderte Hertha ins Spiel zurückfinden können. Zumindest machte Union mit einem Eigentor durch Timo Baumgartl vier Minuten nach Wiederanpfiff die Tür einen kleinen Spalt auf. Doch bereits weitere vier Minuten später stellte Prömel mit dem Kopfballtor zum 1:2 für die Rot-Weißen die Weichen wieder auf Sieg. Der starke Offensivmann Sheraldo Becker sorgte mit einem Schuss in die lange Ecke mit dem dritten Unioner Tor für die Vorentscheidung (74.). Sechs Minuten vor Ultimo setzte der eingewechselte Ex-Paderborner Sven Michel mit seinem ersten Treffer für Union in die rechte Torecke für noch einen drauf. »Trotz des Umbruchs werden wir immer mehr zu einer sehr guten Mannschaft«, freute sich Kapitän Christopher Trimmel. Das neue Saisonziel der Köpenicker heißt Platz fünf bis sieben. Nach nach dem höchsten Bundesliga-Auswärtssieg bleibt es in Reichweite.

Für Hertha geht es dagegen im Abstiegskampf nur noch ums Überleben. Der Effekt der Verpflichtung von Trainer Felix Magath, der im dritten Spiel die zweite Niederlage hinnehmen musste, scheint bereits verpufft zu sein. Magath überraschte mit der Aufstellung von Bundesliga-Debütant Julian Eitschberger. Der 18-Jährige, der in Herthas U19 rechts spielt, musste bei den Profis hinten links ran und wirkte dort überfordert. Zudem ließen ihn seine Vorderleute im Stich. Zur Pause wurde der Juniorennationalspieler ausgewechselt. Warum Magath dafür in so einer wichtigen Partie zunächst Maximilian Mittelstädt auf der Bank ließ, war nur schwer nachzuvollziehen.

Der Trainer wirkte sehr ruhig nach der Pleite. »Wir haben den Kürzeren gezogen, was wegen der Kulisse und der Bedeutung eines Derbys enttäuschend ist. Unsere Situation hat sich aber nicht geändert. Wir spielen noch gegen alle Vereine, die in Reichweite sind. Wir haben es selbst in der Hand«, meinte Magath. Am kommenden Samstag geht es nach Augsburg.

Bei Hertha stimmt jedoch weiterhin die Gesamt-Gemengelage nicht. Präsident Werner Gegenbauer ist für Teile der Fanszene ebenso untragbar geworden wie Investor Lars Windhorst. Ein großes Transparent in der Ostkurve forderte die Trennung von beiden.
Bei der Rückkehr der Hertha-Ultras seit Corona-Beginn wurde der Bogen an anderer Stelle jedoch deutlich überspannt. Nach Abpfiff wurden die Spieler aufgefordert, ihre Trikots auszuziehen und im Innenraum abzulegen. Sie seien angeblich nicht würdig, die Hemden zu tragen. Eine solche Demütigung junger Akteure wie Mittelstädt und Marton Dardai, die der Aufforderung sogar nachkamen, kann im Abstiegskampf noch schwere Folgen haben.

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